Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.05.2017

08:59 Uhr

Cristiano Ronaldo

Euer (Tor)heit

VonAlexander Möthe

Sportlich läuft es für Cristiano Ronaldo blendend. Rekordtorschütze der Champions League, Sieg mit Real im Halbfinale gegen Atletico. Doch einen Gegner kann er nicht abschütteln: den Schatten der Vergangenheit.

Der Weltfußballer samt Bronzebüste zu seinen Ehren. Enthüllungen hinterlassen Kratzer am sprichwörtlichen Denkmal des Portugiesen. AFP; Files; Francois Guillot

Ronaldos verzerrtes Ich

Der Weltfußballer samt Bronzebüste zu seinen Ehren. Enthüllungen hinterlassen Kratzer am sprichwörtlichen Denkmal des Portugiesen.

DüsseldorfKaum ein Duell elektrisiert den Weltfußball so wie das Duell Cristiano Ronaldo gegen Lionel Messi. Selbst, wenn es meist ein Fernduell ist, um Titel, um Tore, um Erfolg. Seit 2008 war immer einer dieser beiden Ausnahmesportler Weltfußballer des Jahres. Viermal konnte der Portugiese die Auszeichnung einheimsen, ist auch amtierender Titelträger.

Zweimal schon gewann er mit Real die Champions League, Messi schaffte das bisher dreimal mit dem FC Barcelona. Neu ist für Ronaldo ein Rekord, der zumindest diese Saison überstehen wird: Als erster Spieler überhaupt erzielte der 32-Jährige 100 Tore in der Königsklasse. Am Dienstag kamen drei weitere hinzu.

Ihm auf den Fersen: richtig, Messi. Aber der ist mit dem FC Barcelona inzwischen ausgeschieden. Der Weg zum Fußballolymp, zurzeit ist er frei und nur für einen reserviert. Sportlich läuft es bei Ronaldo. Auch, wenn er in der spanischen Primera Division diese Saison für seine Verhältnisse bescheidene 20 Treffer erzielt hat (Messi liegt bei 33). Durch die insgesamt fünf Tore Ronaldos im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Bayern haben die Madrilenen nun die Chance, im Stadtduell gegen Atletico zum dritten Mal in vier Jahren ins Finale einzuziehen. Nach einem 3:0-Sieg im Hinspiel sieht es gut aus für Ronaldo und Co.

Im Mittelpunkt steht auf Seiten der Königlichen Ronaldo, und nur Ronaldo. Und das dürfte dem Stürmer, der mit dem Gewinn der Europameisterschaft mit Portugal das Stigma des Unvollendeten abstreifen konnte, nur Recht sein. Zwar spielt der Superstar weitaus mannschaftsdienlicher, als ihm mitunter vorgeworfen wird.

Doch ein ausgeprägtes Ego besitzt Ronaldo nach wie vor. Ob es daran liegt, dass Co-Superstars wie Gareth Bale oder James Rodriguez nie so bei Real angekommen sind, wie die Vorschusslorbeeren es verheißen hatten, sei dahingestellt. Da Bale jedoch verletzt ausfällt und James seit Monaten kaum eine Rolle spielt, ist die Show wieder einzig von einem Mann abhängig. Und der heißt Cristiano Ronaldo.

Das sportliche Rampenlicht dürfte ihm nur Recht sein. Denn Schlagzeilen schrieb die lebende Sportlegende in den vergangenen Monaten eher abseits des Platzes. Maßgeblich daran beteiligt war das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Im Rahmen der Auswertung anonym zugespielter Dokumente, den sogenannten „Football Leaks“, stießen die Journalisten zunächst auf einige mehr oder minder fragwürde Steuersparmodelle des Weltfußballers und seines Beraters.

„Alles legal“, wie Klub, Spieler, Berater und auch die Berichterstattung angeben. Bei einem Mann, der für Fernsehkameras und soziale Medien mit seinem Reichtum kokettiert, dessen Name längst zur Marke geworden ist, bei jemandem, der Vorbild für Millionen junger Menschen sein will und sein soll, hinterlässt es dennoch empfindliche Kratzer am Image. Der Tenor der Enthüllung zum Jahreswechsel war weniger Empörung. Es fühlte sich mehr wie eine Bestätigung gängiger Klischees über Spitzensportler, aber vor allem Spitzenverdiener an.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×