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05.12.2014

15:55 Uhr

Dank Klopp und Co.

Das doppelte Wunder von Dortmund

VonThorsten Giersch

Der BVB steckt in der Krise – sogar der Abstieg droht. Trotzdem scheint es sich zu lohnen, dem Verein weiter die Treue zu halten. Denn die unternehmerischen Fakten sprechen für sich.

Liebesschlösser an einem Zaum in der Nähe des Signal Iduna Parks: Es lohnt sich, dem BvB weiter die Treue zu halten. dpa

Liebesschlösser an einem Zaum in der Nähe des Signal Iduna Parks: Es lohnt sich, dem BvB weiter die Treue zu halten.

DortmundWie verzweifelt die Fans von Borussia Dortmund sind, war nach der 0:2-Niederlage in Frankfurt am Sonntag nicht zu übersehen: Sie pfiffen ihr Team aus, die Geduld verlierend angesichts des sportlichen Niedergangs: Rang 18, Tabellenletzter – obwohl die Mannschaft gut genug sein sollte für mindestens Rang drei. Es droht der Abstieg und selbst im Falle der spürbaren Besserung ist die Teilnahme an der finanziell lukrativen Champions League in der kommenden Saison so gut wie ausgeschlossen.

Vergleichbares gab es in der Bundesliga erst zweimal: 1969 stieg der Vorjahresmeister Nürnberg ab und 1974 wurden die auch damals schon großen Bayern als Vorjahresmeister nur Zehnter.

Dennoch reagieren die BVB-Anleger relativ gelassen. Seit dem Hoch im Juli bei 5,31 Euro ist die Aktie „nur“ auf vier Euro gefallen. Schlimm genug, aber angesichts des historischen Tiefstandes bei 0,84 Euro ein vergleichsweise geringes Minus. Und die Anleger haben recht: Der Fußball ist zu schnelllebig und der Westfale zu vernarrt in die Beweihräucherung der jüngsten Geschichte, um die Einordnung zu leisten, die der Geschäftsmann ziehen würde: Es lohnt sich, dem BVB weiter die Treue zu halten. Denn wer trotz der Talfahrt den Blick vom Tabellen-Tellerrand hebt und auf das Gesamtgebilde schaut, dem fällt auf: Die Story von Borussia Dortmund kommt einem unternehmerischen Wunder gleich. Sie ist ein Vorbild in dieser strukturschwachen Region.

Fußball: Spektakuläre Abstürze in der Bundesliga

BVB

Fußball-Vizemeister Borussia Dortmund ist nach dem 17. Bundesliga-Spieltag und dem 1:2 bei Werder Bremen Vorletzter. Aber schon andere Klubs in 51 Jahren Bundesliga haben ähnliche Abstürze hinnehmen müssen.

1969

1. FC Nürnberg: Meister 1968, Tabellen-17. 1969 (Abstieg)

1970

Rot-Weiss Essen: Tabellen-8. nach der Hinrunde 1970/1971, Tabellen-18. am Saisonende (Abstieg)

1972

Schalke 04: Vizemeister 1972, Tabellen-15. 1973

1975

Bayern München: Meister 1974, Tabellen-10. 1975

1979

Arminia Bielefeld: Tabellen-10. nach der Hinrunde 1978/1979, Tabellen-16. am Saisonende (Abstieg)

1990

Waldhof Mannheim: Tabellen-9. nach der Hinrunde 1980/1990, Tabellen-17. am Saisonende (Abstieg)

1992

MSV Duisburg: Tabellen-7. nach der Hinrunde 1991/1992, Tabellen-19. am Saisonende (Abstieg)

1996

Eintracht Frankfurt: Tabellen-10. nach der Hinrunde 1995/1996, Tabellen-17. am Saisonende (Abstieg)

2000

Borussia Dortmund: Tabellen-4. 1999, Tabellen-11. 2000

2008

1. FC Nürnberg: Tabellen-6. und DFB-Pokalsieger 2007, Tabellen-16. 2008 (Abstieg)

2011

Eintracht Frankfurt: Tabellen-7. nach der Hinrunde 2010/2011, Tabellen-17. am Saisonende (Abstieg)

2012

1. FC Köln: Tabellen-10 nach der Hinrunde 2011/2012, Tabellen-17. am Saisonende (Abstieg)

2013

Fortuna Düsseldorf: Tabellen-13. nach der Hinrunde 2012/2013, Tabellen-17. am Saisonende (Abstieg)

Die unternehmerischen Fakten sprechen für sich. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass der BvB inzwischen sein Stadion zurückkaufen konnte? Dass der Umsatz auf 261 Millionen Euro steigen würde, der Verein laut eigener Aussage schuldenfrei ist, konstant Gewinne fließen und es treue, zahlungskräftige Sponsoren gibt? Es ist die Erfolgs-Geschichte von fünf Rettern, die sich Investoren in diesen Tagen mehr denn je wieder und wieder ins Gedächtnis rufen sollten.

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