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23.05.2015

12:21 Uhr

Das Elend des HSV

Jetzt steigt doch endlich ab!

VonMarcel Reich

Der „Bundesliga-Dino“ steht am Abgrund. Sechs Vereine können am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga noch absteigen, sechs! Doch eigentlich reden alle nur über den Hamburger SV. Warum eigentlich? Ein Kommentar.

Stolpert der Dino HSV?

Bundesliga steht vor dramatischem Saisonfinale

Stolpert der Dino HSV?: Dramatisches Bundesliga-Finale

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DüsseldorfDer Niedergang des HSV ist das größte Beispiel dafür, was alles falsch laufen kann bei einem eigentlich beliebten und geliebten Traditionsverein. Zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Jahre taumelt der Klub an der Klippe zur zweiten Liga, immer ist man nur drin geblieben, weil es immer noch zwei oder drei Vereine gab, die es tatsächlich geschafft haben, einfach noch schlechter zu sein.

Als Außenstehender ist man mittlerweile nur noch genervt von der geballten Inkompetenz der wechselnden Führungsriege, die nichts so gut organisiert bekommt wie das totale Chaos. Trotz aller Fast-Abstiege der vergangenen Jahre wägte sich der HSV als eigentlicher Top-5-Verein der Liga. Das Anspruchsdenken war fast noch ungesunder als der stets grauenhafte Fußball.

Direkt-Vergleich Hannover Hamburg

Hannover 96 – Zahlen

Platz 15 – 34 Punkte – 38:55 Tore.

Hannover 96 – Abstieg, wenn...

...der kleine HSV gegen den SC Freiburg verliert, wenn der VfB Stuttgart und der Hamburger SV ihre Spiele gewinnen. Und: Im Falle einer Niederlage gegen den SC Freiburg ab zwei Toren Differenz, wenn der VfB Stuttgart unentschieden spielt und der Hamburger SV gewinnt.

Hannover 96 – Relegation, wenn...

...Hannover gegen den SC Freiburg unentschieden spielt und der VfB Stuttgart gewinnt. Und: Im Falle einer Niederlage gegen den SC Freiburg mit einem Tor Differenz, wenn die Stuttgarter oder der Hamburger SV gewinnen. Außerdem: Bei einer Niederlage gegen den SC Freiburg ab zwei Toren Differenz, wenn der VfB Stuttgart unentschieden und der Hamburger SV unentschieden spielt oder verliert.

Hannover 96 – Klassenverbleib, wenn...

...die Mannschaft gegen Freiburg gewinnt. Allerdings ist es bereits fünf Monate her, dass 96 zu Hause gewinnen konnte.

Hamburger SV – Zahlen

Platz 17 – 32 Punkte – 23:50 Tore.

Hamburger SV – Abstieg, wenn...

...der HSV aus Hamburg gegen Schalke 04 verliert oder unentschieden spielt, wenn der HSV gegen Schalke 04 verliert, der VfB Stuttgart gewinnt und der HSV aus Hannover gegen Freiburg nur unentschieden spielt.

Hamburger SV – Relegation, wenn...

...die Mannschaft von Bruno Labbadia gegen Schalke 04 gewinnt, sein Ex-Verein VfB Stuttgart nicht gegen Paderborn gewinnt und Hannover zu Hause gegen Freiburg unentschieden spielt.

Hamburger SV – Klassenverbleib, wenn...

...die Hamburger gegen Schalke gewinnen, Stuttgart nicht gewinnt und Hannover gegen Freiburg nicht unentschieden spielt.

Immer sah man sich als Europapokal-Aspiranten, dabei ist der HSV seit Jahren ein klarer Abstiegskandidat. Kommentare wie diesen hier haben Sie übrigens bestimmt schon mal gelesen. Entweder in dieser Saison, in der vergangenen oder auch davor. Die Probleme waren immer dieselben.

Denn schon in der vergangenen Saison sammelte der HSV an 34 Bundesliga-Spieltagen sage und schreibe nur 27 Punkte. 27! Für alle, die sonst wenig mit Fußball zu tun haben: Das ist verdammt wenig. Dennoch reichte es für Platz 16 und damit für die Relegation. In der spielten die Hanseaten 0:0 und 1:1 gegen tapfere Fürther, nur dank der Europapokal-Arithmetik blieb der HSV in der Liga, also wegen des auswärts geschossenen Tores.

Die Bundesliga-Saison: Die Abstiegskandidaten im Check

HERTHA BSC – Anspruch

Nach den Abstiegen 2010 und 2012 galt es, sich mit einem Platz im sicheren Mittelfeld in der Liga zu etablieren. Ohne die transferierten Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga gab es von Sommer an allerdings zwei Torjäger weniger. (Quelle: dpa)

HERTHA BSC – Wirklichkeit

Ziel verpasst! Hertha kämpfte bis zuletzt in Hoffenheim. Sicheres Mittelfeld sieht anders aus.

SC FREIBURG – Anspruch

Wie jedes Jahr in Freiburg lautete das Ziel: ein weiteres Jahr Bundesliga. Die Vorzeichen standen besser als in der Vorsaison, denn der personelle Umbruch in der Sommerpause hielt sich in Grenzen.

SC FREIBURG – Wirklichkeit

Die Breisgauer musste bis zum letzten Spieltag beim Abstiegskonkurrenten Hannover zittern und stiegen am Ende ab.

HANNOVER 96 – Anspruch

Anspruch: Ein einstelliger Tabellenplatz mit der Aussicht, „in zwei Jahren an Europacupzeiten anknüpfen zu können“, wie es Clubboss Martin Kind formulierte, war der Anspruch in Hannover.

HANNOVER 96 – Wirklichkeit

Ziel verpasst! Stattdessen: Abstiegsbedroht bis zum letzten Spieltag. Gegen den punktgleichen Tabellen-14. Freiburg kam es am zum Showdown. Mit einem Sieg waren die Niedersachsen gerettet.

VFB STUTTGART – Anspruch

Nach den eher bescheidenen Spielzeiten des VfB in der jüngsten Zeit wollte Trainer-Rückkehrer Armin Veh mit den Schwaben wieder besseren Fußball zeigen.

VFB STUTTGART – Wirklichkeit

Ziel verpasst! Wie bereits in der vergangenen Saison musste der VfB bangen. Nach dem freiwilligen Abschied von Armin Veh konnte Coach Huub Stevens seine zweite Rettungsmission bei den Schwaben mit einem Sieg in Paderborn krönen.

HAMBURGER SV – Anspruch

Eine Horror-Saison mit knapper Rettung in der Relegation lag im Sommer hinter dem HSV. Mit dem frühesten Trainingsstart aller Bundesligisten sollte die Grundlage für eine erfolgreichere Spielzeit geschaffen werden.

HAMBURGER SV – Wirklichkeit

Ziel verpasst! Vier Trainer und viel zu wenig Punkte lautete die Bilanz vor dem entscheidenden Spiel gegen den FC Schalke 04. Letzte Chance ist nun die Relegation gegen den Dritten der zweiten Liga.

SC PADERBORN 07 – Anspruch

Als krasser Außenseiter wollte der ostwestfälische Aufsteiger überraschen. „Wir halten die Klasse“, sagte Coach André Breitenreiter. Sein Team muss seine Klasse aber erst noch beweisen.

SC PADERBORN 07 – Wirklichkeit

Paderborns Chancen auf den Klassenverbleib waren zuletzt nur noch minimal. Im letzten Heimspiel gegen den Abstiegskonkurrenten VfB Stuttgart musste ein Sieg her – das gelang nicht.

Anschließend verhöhnte Torschütze Pierre-Michel Lasogga dann noch die Fans des nur mit ordentlichem Dusel geschlagenen Gegners. Schon damals wünschte man sich als Außenstehender, dass es bitte so etwas wie Karma gibt – damit so ein Verhalten nicht ungesühnt bleibt.

Mit Bernhard Peters, Peter Knäbel und nicht zuletzt Dietmar Beiersdorfer bekamen danach Leute das Sagen, die ausgewiesener Maßen Ahnung von Fußball (Beiersdorfer und Knäbel) haben - oder zumindest von Sport (Peters). 

Die Fans können und wollen es nicht glauben: Ihr Team steht nach der Niederlage bei Konkurrent Stuttgart vor einer Woche schon mit einem Bein in Liga zwei. ap

Fassungslosigkeit

Die Fans können und wollen es nicht glauben: Ihr Team steht nach der Niederlage bei Konkurrent Stuttgart vor einer Woche schon mit einem Bein in Liga zwei.

Anschließend investierte der Verein über 30 Millionen Euro in neue Spieler, trotz klammer Kassen. Sportlich verpuffte der erhoffte Effekt, das Spiel des HSV hat sich trotz Stars wie dem Schweizer Nationalspieler Valon Behrami und dem früheren deutschen Hoffnungsträger Lewis Holtby nicht verbessert.

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