Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.05.2012

19:49 Uhr

Das Premiumprodukt

Wie der DFB mit dem Pokal mehr Kasse machen will

VonStefan Merx

Das Zuschauerinteresse ist gigantisch, die TV-Marktanteile und Werbepreise sind es auch: Das DFB-Pokalfinale in Berlin hat sich zu einer Art deutschem Superbowl entwickelt. Der DFB will das Premiumimage in Zukunft noch stärker in bare Münze umsetzen.

Haben beide ihre Freude an der Zusammenarbeit: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (li., SPD) und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei der traditionellen Übergabe des DFB-Pokals an den Vertreter der Endspielstadt im Vorfeld des Finales. dpa

Haben beide ihre Freude an der Zusammenarbeit: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (li., SPD) und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei der traditionellen Übergabe des DFB-Pokals an den Vertreter der Endspielstadt im Vorfeld des Finales.

KölnWenn am Samstagabend mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München die beiden besten deutschen Klubs den DFB-Pokalsieger ausspielen, ist das Lockstoff pur für Markenartikler. Schon vier Wochen vor dem krönenden Saisonfinale hatte Christoph Lüken bereits alle Werbeplätze verkauft. „Ausgebucht, komplett dicht“, hatte der Marketingleiter des ZDF-Werbefernsehens vermeldet.

„Das DFB-Pokalfinale hat sich zu einem deutschen Mini-Superbowl entwickelt, zum TV-Ereignis, bei dem die ganze Familie zuschaut“, sagt der ZDF-Mann. „Ein Marktanteil von mehr als 30 Prozent gilt als sicher.“

Einige Markenartikler werden laut Lüken das Finale als Kick-off für ihre Europameisterschafts-Kampagnen nutzen: „Die Werbekunden gieren nach Exklusivität und einer aufmerksamkeitsstarken Platzierung vor diesem Event“, sagt er. „Bier, Automobile, Finanzwirtschaft“, so umreißt Lüken die Werbekunden. Als sicher darf gelten, dass die Brauerei Bitburger das Presenting übernimmt. Klar ist auch: Das ZDF wird bei seinem letzten Pokalauftritt noch einmal Kasse machen.

So viel Geld spült der DFB-Pokal in die Vereinskassen

Finanziell attraktiv

Wer im DFB-Pokal weit kommt, kann sich neben dem sportlichen Erfolg auch über zusätzliche Einnahmen freuen. In den letzten Runden winken Millionenbeträge.

1. Runde

Für das Erreichen der ersten Runde gibt es für jeden Verein 72.000 Euro. Darüber freuen sich vor allem die Vereine aus den niedrigen Spielklassen, die sich für die Teilnahme qualifiziert haben.

2. Runde

Für das Erreichen der zweiten Runde bekommt jeder Verein 183.000 Euro.

3. Runde

In der dritten Runde erhalten die Vereine jeweils 431.000 Euro.

Viertelfinale

Bereits im Viertelfinale des DFB-Pokals wird die Millionengrenze überschritten: 820.000 Euro kassiert jeder Verein, der so weit kommt.

Halbfinale

Die letzten vier Mannschaften im DFB-Pokal erhalten jeweils 1.250.000 Euro.

Finalist

Im Endspiel in Berlin erhält der Zweitplatzierte immerhin 2,2 Millionen. Dazu kommen noch die Zuschauereinnahmen und möglicherweise Geld für eine Übertragung im Free-TV.

Pokalsieger

Die Mannschaft, die am Schluss den Pott holt, kann sich über 2.500.000 Euro freuen. Allein aus der Verwertung erhält der Sieger der Medienrechte insgesamt 6,256 Millionen Euro.

Wo kommt das Geld her?

Die Summe, die in jeder Runde an die Teams geht, setzt sich aus dem gestaffelten TV-Honorar zusammen.

Zusätzliche Fernsehgelder

Darüber hinaus gibt es für die Pokalteilnehmer neben der Hälfte der Zuschauer-Netto-Einnahmen durch die Live-Übertragungen beim Pay-TV-Sender Sky zwischen 10.000 und 90.000 Euro pro Runde. Übertragungen bei ARD oder ZDF können bis zu 621.000 Euro einbringen.

Bei Finals mit Bayern-Beteiligung wurde 2008 und 2010 die Zuschauermarke von zehn Millionen geknackt. Auch in diesem Jahr ist das Zuschauerinteresse enorm: 328.000 Ticketanfragen meldete der Deutsche Fußball-Bund (DFB), nur 75.000 Fans werden die Partie im Stadion erleben. „Ich bin so selbstbewusst zu sagen, dass das Berliner Finale eine größere Ausstrahlung hat als Wembley“, sagt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Genau dieses Premiumimage will der DFB pflegen und künftig stärker monetarisieren. Die Entwicklung hin zum Prestige-Event für die Wirtschaft treiben der DFB und seine Vermarktungsagentur Infront gezielt voran: Bis 2009 waren die Vereine noch selber dafür zuständig, die Banden zu verkaufen - stets verbunden mit der vagen Hoffnung, dass ausgerechnet ihr Spiel dank eines Glücksloses im öffentlich-rechtlichen Programm laufen würde. Dann räumten die Schweizer auf. Per Zentralvermarktung der 63 Spiele kam es schrittweise zu einer Reduzierung der Sponsorenplätze - von über 1.000 auf gegenwärtig elf.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gast

11.05.2012, 20:46 Uhr

Liebe HB Redakteure, die Zeit ist knapp und teuer, dennoch sollte doch zumindest in den Headlines ein grammatikalisch korrektes deutsch möglich sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×