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31.08.2015

18:37 Uhr

De Bruyne und die Millionen-Transfers des Sommers

Die Liga mit dem außergewöhnlichen Gezerre

VonMarcel Reich

Mit den TV-Milliarden hat England die Bundesliga finanziell abgehängt. Ob sich das auch sportlich endlich wieder auszahlen wird, darf stark bezweifelt werden. Zu viel Geld war im Fußball noch nie ein guter Ratgeber.

Der deutsche Rekordtransfer: Kevin De Bruyne (r.) während seiner Vertragsunterschrift unter einen Sechs-Jahres-Kontrakt bei Manchester City. Ob der Belgier die 75 Millionen Euro Ablöse schnell zurückzahlen kann, muss abgewartet werden. Manchester City/Twitter

Geld ist in England (k)ein Problem

Der deutsche Rekordtransfer: Kevin De Bruyne (r.) während seiner Vertragsunterschrift unter einen Sechs-Jahres-Kontrakt bei Manchester City. Ob der Belgier die 75 Millionen Euro Ablöse schnell zurückzahlen kann, muss abgewartet werden.

DüsseldorfDie englische Premier League ist der Krösus in Europa. In dieser Transferperiode verging kaum ein Tag, an dem kein zweistelliger Millionentransfer vermeldet wurde. Das Geld dazu stammte überwiegend aus dem milliardenschweren TV-Deal der Liga. Vor allem Manchester City tat sich in diesem Sommer hervor: Zusammen mit dem Geld von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan hatten die „Citizens“ scheinbar mehr Geld als ihnen gut tat. Während sich andere englische Klubs angesichts des durch die TV-Milliarden überhitzten Marktes erst einmal zurückhielten, nahm der Scheich-Klub die Pfund-Noten in beide Hände. Kaum ein Spieler wurde auch nur ansatzweise für seinen tatsächlichen Marktwert verpflichtet. So wurde das englische Talent Raheem Sterling für sage und schreibe 62,5 Millionen Euro aus seinem Vertrag beim FC Liverpool herausgekauft. Sein eigentlicher Marktwert beträgt 40 Millionen Euro. Dabei machte Sterling vor allem sein englischer Pass so wertvoll.

Die teuersten Fußballtransfers der Welt

Platz 11

Edison Cavani

Datum: 16. Juli 2013
von: Neapel
zu: Paris Saint-Germain
Ablöse: 64,5 Millionen Euro*
Quelle: transfermarkt.de

Platz 10

Kaka

Datum: Juni 2009
von: AC Mailand
zu: Real Madrid
Ablöse: 65 Millionen Euro

Platz 9

Zlatan Ibrahimovic

Datum: Juli 2009
von: Inter Mailand
zu: FC Barcelona
Ablöse: 69,5 Millionen Euro

Platz 8

Zinedine Zidane

Datum: 2001
von: Juventus Turin
zu: Real Madrid
Ablöse: 73,5 Millionen Euro

Platz 7

Kevin De Bruyne

Datum: 30. August 2015
von: VfL Wolfsburg
zu: Manchester City

Ablöse: 75 Millionen Euro

Platz 6

Ángel Di María

Datum: 2001
von: Real Madrid

zu: Manchester City
Ablöse: 75 Millionen Euro

Platz 5

James Rodriguez

Datum: Saison 2014/15
von: Monaco
zu: Real Madrid
Ablöse: 80 Millionen Euro

Platz 4

Luis Suarez

Datum: 11. Juli 2014
von: Liverpool
zu: FC Barcelona
Ablöse: 81 Millionen Euro

Platz 3

Neymar

Datum: Saison 2013/14
von: Santos
zu: FC Barcelona
Ablöse: 83,5 Millionen Euro

Platz 2

Gareth Bale

Datum: 1. September 2013
von: Tottenham
zu: Real Madrid
Ablöse: 94 Millionen Euro

Platz 1

Cristiano Rolando

Datum: 11. Juni 2009
von: Manchester United
zu: Real Madrid
Ablöse: 94 Millionen Euro

Denn: Die Citizens waren zum Einkaufen verdammt. Seit dem Jahr 2010 sind englische Klubs dazu verpflichtet, mindestens acht sogenannte Homegrown Players im Kader zu haben. Als „homegrown“ gilt ein Profi, wenn er vor seinem 21. Geburtstag mindestens drei Jahre in England oder Wales unter Vertrag stand. Zudem ist die Gesamtkadergröße auf 25 Spieler beschränkt, wovon Jugendspieler ausgenommen sind. In diesem Sommer verließen Micah Richards, Scott Sinclair, Frank Lampard und James Milner den Klub, der so vor der Verpflichtung Raheem Sterlings keinen einzigen englischen Feldspieler mehr beschäftigte.

Kommentar zum De-Bruyne-Wechsel: Chapeau, Klaus Allofs!

Kommentar zum De-Bruyne-Wechsel

Chapeau, Klaus Allofs!

Manchester City überweist rund 75 Millionen Euro für Kevin De Bruyne an den VfL Wolfsburg. England ist ein Paradies für deutsche Vereine, sie reagieren auf Angebot und Nachfrage. Doch wo soll das alles hinführen?

Das selbst durchschnittliche englische Spieler heute so teuer sind, hat sich die Premier League selbst mit eingebrockt: Durch die finanziellen Vorteile können sich englische Klubs auf der ganzen Welt an ausländischen Top-Spielern bedienen, heimische Talente bekommen kaum noch Spielpraxis. Die, die den Durchbruch doch schaffen, sind umso begehrter und wertvoller. Siehe Raheem Sterling, der in seinem Profi-Leben noch keinen Titel gewonnen hat. Durch den um 70 Prozent lukrativeren neuen TV-Deal dürfte sich diese Preisspirale in Zukunft noch schneller drehen. Schließlich gilt der neue Vertrag erst ab der kommenden Saison.

Doch selbst Kellerkinder wie Stoke City oder Crystal Palace waren durch das frische Geld nun in der Lage, auf dem Transfermarkt mit Champions-League-Teilnehmern anderer Nationen zu konkurrieren – oft mit dem besseren Ende für die Engländer. Bestes Beispiel: Ex-Bayern-Profi Xherdan Shaqiri wechselte für 17 Millionen Euro zu Stoke. Bislang mit wenig Erfolg: Die „Potters“, wie der Klub genannt wird, liegen nach vier Spieltagen auf Rang 18 der Premier League.

Ob die vielen Millionen an Transferausgaben der Premier League in der Champions League den erhofften sportlichen Schub geben werden, darf dennoch stark bezweifelt werden. Viel Geld war im Fußball noch nie ein guter Ratgeber, die Kaderplanung vieler englischer Top-Klubs war oft hektisch und noch viel öfter unüberlegt. Das verdeutlicht vor allem das Beispiel Manchester United.

Kommentare (1)

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Herr Ingo Tietz

31.08.2015, 18:46 Uhr

Anstatt die Ablösesumme für De Bruyne wieder in neue Spieler zu investieren, sollte der VFL Wolfsburg mit gutem Beispiel vorangehen, und die 75 Mio. € direkt ans Herrn Schmidt vom Bundesamt für Migration (BAMF) nach Erhalt weiterüberweisen. @ VFL Wolfsburg, Solidarität mit den Kriegsflüchtlingen zeigen und die volle Summe ans BAMF überweisen, wir haben's doch.

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