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13.07.2017

06:13 Uhr

Deloitte Football Finance 2017

Das krasse Gehaltsgefälle im Fußball

VonThomas Schmitt

Die Gehälter der Profi-Fußballer wachsen zweistellig auf Rekordhochs. In einer Saison fließen in den fünf großen Ligen 8,2 Milliarden Euro an Kicker. Der Beratungskonzern Deloitte über das Gehaltsgefälle im Fußball.

DüsseldorfDie Spieler in England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich sind die größten Profiteure des Fußball-Booms in Europa. Die Klubs in den fünf großen Ligen der Welt zahlten in der Saison 2015/16 zehn Prozent mehr an ihre Topkicker. Insgesamt stieg das Gehaltsniveau auf den Rekordwert von 8,2 Milliarden Euro, errechnete der Beratungskonzern Deloitte in der Studie „Annual Review of Football Finance 2017“.

Im Schnitt fließt in den fünf großen Ligen Europa zwischen 50 und 70 Prozent der Klubumsätze als Gehalt an die Spieler, errechnete Deloitte weiter. Die Bundesliga-Klubs fallen hier durch die niedrigste Quote auf, Italien hat den Berechnungen zufolge die höchste. Wie wichtig das kickende Personal ist, zeigt auch diese Zahl: 57 Prozent der Zusatzeinnahmen flossen zuletzt ins Gehalt.

Zwar verdienen Spitzenfußballer in allen fünf Ligen viel mehr als sie im Rest ihres Lebens ausgeben können. Dennoch ragt England in mehrfacher Hinsicht heraus: Die Premier League ist das Gehaltsparadies im Fußball. Mehr als drei Milliarden Euro flossen 2015/16 von den 20 Klubs an ihre gut 1000 Akteure.

Deloitte-Studie 2017: Die Finanzen des Welt-Fußballs

Die Studie

Zum 26. Mal hat Deloitte den „Annual Review of Football Finance“ veröffentlicht. Darin werden die zentralen Finanzzahlen des internationalen Profifußballs für das Geschäftsjahr 2015/16 analysiert. Die wichtigsten Erkenntnisse.

Umsatzrekord

Der Umsatzrekord aus dem letzten Jahr wurde erneut übertroffen werden. So stiegen die Gesamtumsätze des europäischen Fußballmarktes (ohne Transfererlöse) von 21,8 auf 24,6 Milliarden Euro.

Die großen Fünf

Mit rund 13,4 Milliarden Euro, was einem Marktanteil von 54 Prozent entspricht, machten die sogenannten „Big Five“-Ligen (England, Deutchland, Spanien, Italien, Frankreich) mehr als die Hälfte des Marktvolumens aus.

Premier League

Wie in den Vorjahren blieb die englische Premier League mit Umsätzen von 4,87 Milliarden Euro in finanzieller Hinsicht das Maß aller Dinge.

Medienerlöse in England

„Die Premier League spielt mit Medienerlösen von über 2,58 Milliarden Euro nach wie vor in einer eigenen Liga“, urteilt Karsten Hollasch, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte.

Bundesliga

Die Bundesliga konnte ihren zweiten Platz aus dem Vorjahr mit Erlösen von rund 2,71 Milliarden Euro bestätigen. Mit einem Wachstum von 13 Prozent beziehungsweise 320 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr erreichte die höchste deutsche Spielklasse auch in dieser Hinsicht Platz zwei.

Spanien

Nur die spanische Primera División wies mit einem Plus von 19 Prozent (384 Millionen Euro) ein noch höheres prozentuales Wachstum aus.

Italien und Frankreich

Die italienische Serie A lag mit 7 Prozent und die französische Ligue 1 mit 5 Prozent Wachstum darunter.

Engländer zahlen am besten

In der Premier League entsprachen die Personalkosten mit 3,05 Milliarden Euro mehr als 62 % des Gesamtumsatzes.

Gehaltslücke

Fußballer in den anderen vier großen Ligen verdienen insgesamt nur halb so viel: zwischen einer in Frankreich und 1,5 Milliarden Euro in Spanien.

Das entspricht absolut einem Anstieg um mehr als 300 Millionen Euro gegenüber der Vorsaison. Noch erstaunlicher ist jedoch dieser Vergleich: Die Gesamtgehaltsumme liegt mindestens doppelt so hoch wie in Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich. Auffällig ist hier: Das Niveau der französischen Liga fällt bereits deutlich ab.

Diese Gehaltslücke erklärt dann auch, warum so viele Topkräfte aus Frankreich im Ausland spielen und diesen Schritt bereits sehr früh gehen. Außerdem verwundert es nicht mehr, dass französische Klubs sportlich in Europa keine Rolle spielen und sich – abgesehen von Paris Saint Germain – auf ihre Rolle als Ausbildungsvereine beschränkt haben.

Kuriosität am Rande: Wie gespalten der französische Markt ist, zeigt auch diese Zahl von Deloitte: Die Gehaltszahlungen des von Scheichs finanzierten Topklubs Paris St. Germain stiegen in der betrachteten Saison um 15 Prozent auf 292 Millionen Euro. Das entspricht fast 30 Prozent der Lohnausgaben der gesamten französischen Liga.

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