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06.05.2014

10:16 Uhr

Der Bundesliga-Traum lebt

Beckenbauer adelt die Bullen aus Leipzig

RB Leipzig schafft den Durchmarsch durch die dritte Bundesliga. Nun träumen die Ostdeutschen von der Oberklasse – mit einem reichen Mäzen, einem ehrgeizigen Fußball-Professor und der Schützenhilfe des Kaisers.

Franz Beckenbauer gratuliert Ralf Rangnick, dem Sportdirektor von RB Leipzig. Die Mannschaft ist gerade in die zweite Liga aufgestiegen. Imago

Franz Beckenbauer gratuliert Ralf Rangnick, dem Sportdirektor von RB Leipzig. Die Mannschaft ist gerade in die zweite Liga aufgestiegen.

Düsseldorf/LeipzigEingeplant war der Aufstieg von Anfang an. Das verriet nicht nur der mutige Slogan „Ab durch die Dritte“. Doch es war schwieriger als gedacht, weil Geld allein doch keine Spiele gewinnt. Am Ende schaffte RB Leipzig als erster Verein den Durchmarsch durch die 2008 eingeführte 3. Fußball-Liga. Der dritte Aufstieg in fünf Jahren war der bislang schönste. Denn er konnte zu Hause gefeiert werden.

42.713 Zuschauer bejubelten in der Leipziger Red-Bull-Arena mit den Spielern die 5:1-Party gegen den als Absteiger feststehenden 1. FC Saarbrücken. Bereits nach einer knappen Viertelstunde stand es 3:0, zur Pause 4:0. Mit rund 15 000 Anhängern begann anschließend ein Feier-Marathon auf einer Festwiese und in der Innenstadt.

Der Klub ist ein Produkt des Getränkekonzerns Red Bull. Vor fünf Jahren merkten viele Fußball-Fans erstmals auf. Im Gewand eines normalen Vereins tauchte der Klub als Marketinginstrument des österreichischen Brauseherstellers auf. Der Start verlief allerdings holprig. Leipzig hatte das Spielrecht des Fünftligisten SSV Markranstädt erworben und spielte länger als gedacht in der Regionalliga.

Fakten zu RB Leipzig

Gründung

Der Verein wurde am 19. Mai 2009 als RasenBallsport Leipzig e.V. gegründet. Er übernahm damit das Startrecht von drei Männermannschaften des SSV Markranstädt.

Umsatz

Die Region hofft auf den großen wirtschaftlichen Schwung durch einen sächsischen Fußballverein in der Bundesliga. Für die Region Leipzig könnten durch den Aufstieg von RB in die erste Liga rund 200 Millionen Euro im Jahr in die Kassen gespült werden, schätzen Experten.

Kaderwert

Der Kader ist rasant im Wert gestiegen. Zu Zweitligazeiten betrug der Marktwert rund 30 Millionen Euro, im November 2016 sind es mehr als 80 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Sponsoren

Hauptsponsor ist die Getränkefirma Red Bull aus Österreich. Experten schätzen, dass der Konzern rund 100 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat. Da die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes eine Namensgebung zu Werbezwecken verbietet, ist der Hauptsponsorenname als Namensbestandteil unzulässig. Auch über das Logo herrschte lange Zeit Unklarheit, jedoch wurde es nachträglich vom SFV nach minimalsten Änderungen doch zugelassen.

Stadion

Seine Heimspiele trägt RasenBallsport Leipzig in der 44.345 Zuschauer fassenden "Red Bull Arena" aus. Es war als Zentralstadion auch Austragungsort der WM 2006 und ist 2003 für 90 Millionen Euro gebaut worden. Der Vertrag über die Namensreche läuft bis 2040. Nachgedacht wird über ein größeres Stadion.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Ein Bier der Marke Ur-Krostitzer (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Eine Bratwurst kostet: 2,50 Euro

Vereinsführung

Das Management wird gebildet vom Sportdirektor Ralf Rangnick, dem Geschäftsführer Ulrich Wolter sowie dem Mäzen Dietrich Mateschitz.

Trainer

Ralph Hasenhüttl hat die Mannschaft zu Beginn der Saison 2016/17 übernommen. Der Österreicher war zuvor mit dem FC Ingolstadt in die Bundesliga aufgestiegen und hatte die Klasse überraschend gehalten.

Wertvollste Spieler (November 2016)

Naby Keita (11 Millionen Euro), Oliver Burke (10 Millionen Euro), Timo Werner (8 Millionen Euro).

Personalaufwand

Der Etat der Profi-Mannschaft liegt in der Saison 2016/17 bei 35 Millionen Euro. Das ist wenig im Vergleich zu Spitzenteams, die dafür 100 Millionen Euro ausgeben. Beim FC Bayern sind es sogar rund 200 Millionen Euro.

Nun sind sie endlich in der zweiten Liga. Und zu den Gratulanten gehörte kein geringerer als der deutsche Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer, auch einer von vielen Vätern des Leipziger Erfolges. Er sei ja mit dem Klubfinanzier und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz befreundet, verriet er. Und habe das Engagement empfohlen, „weil ich hier die besten Entwicklungsmöglichkeiten sehe. Leipzig hat bestimmt noch nicht darunter gelitten, dass Red Bull investiert hat“, sagte er.

Beckenbauer lobte auch gleich einen weiteren Vater für diesen großen sportlichen Erfolg, den ehemaligen Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick, der zwischenzeitlich eine Auszeit vom Fußball genommen hatte. „Da könnte etwas entstehen“, sagte Beckenbauer im Rundfunksender MDR. „Sogar der Durchmarsch in die 1. Liga. Das wünsche ich ihnen."

Rangnicks Pläne gehen weit über das bislang Erreichte hinaus. Immerhin liegt RB Leipzig nun wieder im Zeitplan, nachdem das Projekt zwischenzeitlich ins Stocken geraten war. Zweimal schon mussten die Ostdeutschen in der Regionalliga wesentlich finanzschwächeren Clubs den Vortritt in Richtung 3. Liga lassen.

Kommentare (3)

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06.05.2014, 10:59 Uhr

der kaiser ist zulange im geschäft, er hat den richtigen fußball aus den augen verloren. es ist eingentlich notwendig ab einem bestimmten alter nur noch unsinn zu veranstalten? der kaiser gesellt sich jetzt zu blatter und co.
traurig für den fußball

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06.05.2014, 14:00 Uhr

ich finde es großartig was in Leipzig entsteht, der FC Bayern wird ja auch über die AG von Allianz Audi und BMW wirtschaftlich getragen, hier ist es halt RedBull und mit dem Unterschied, dass man sich keinen fertigen Verein herausgepickt hat. Ich wünsche mir für den Osten dass es RB Leipzig schnell in die 1.Bundesliga schafft und sich dort auch etabliert. Zurzeit ist es eine reine Südwest Liga etwas mehr Ausgewogenheit schadet nicht.

Account gelöscht!

06.05.2014, 14:10 Uhr

Und noch trauriger ist schon zum zweiten Mal die Werbekampagne für Leipzig. Verehrtes HB, wer finanziert den das? Etwa dieser umweltverschmutzende Blechdosenvertreiber mit roter Aufschrift? Leider ist Ihnen wohl entgangen, es gibt noch einen weiteren
Aufsteiger. Nämlich den 1. FC Heidenheim. Wissen Sie den wo Heidenheim liegt? Da macht man halt kein solches Gedöns.

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