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04.10.2015

17:08 Uhr

Der Deutsche Clásico

Zauberlehrling verliert gegen seinen Meister

VonThomas Schmitt

Der BVB gegen den FC Bayern München: Das weckt Erinnerungen an große Spiele. Doch trat der BVB in München als Außenseiter an und verlor 5:1. Der Rekordmeister spielt sportlich und wirtschaftlich in einer anderen Liga.

Die Trainer des Duells: Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (links) gilt als der Zauberlehrling, Bayern-Trainer Pep Guardiola als der große Meister seines Fachs. dpa

Thomas Tuchel und Pep Guardiola

Die Trainer des Duells: Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (links) gilt als der Zauberlehrling, Bayern-Trainer Pep Guardiola als der große Meister seines Fachs.

DüsseldorfWer nach München fährt und gegen den FC Bayern spielt, muss mit einer Packung rechnen. Selbst der Vizemeister der vergangenen Saison, der VfL Wolfsburg, hatte jüngst in der Allianz-Arena keine Chance, obwohl der Gast noch zur Halbzeit führte. Wenn der FCB aufdreht, hat es jede Mannschaft in Europa schwer.

Nun hat der FC Bayern München am Sonntagabend seine Vormachtstellung im deutschen Fußball dank Thomas Müller und Robert Lewandowski mit einem Rekordsieg eindrucksvoll untermauert. Die entfesselten Über-Bayern wiesen den Erzrivale beim 5:1 (2:1) in einem oft hochklassigen deutschen Clásico deutlich und verdient in die Schranken.

Sportlich hat die Borussia unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel noch nicht das Niveau erreicht, um den Bayern auf Dauer Paroli bieten zu können. Insbesondere die Abwehr ist noch zu wackelig und fängt zu viele leichte Gegentore. Der neue Ballbesitz-Fußball nach Art von Bayern-Trainer Pep Guardiola ist vom Dortmunder Team noch nicht so verinnerlicht worden, wie das inzwischen bei den Bayern der Fall ist. Selbst an schlechten Tagen gewinnen sie ihre Spiele gegen schwächere Gegner immer noch.

Das ist Josep Guardiola i Sala

Anfänge beim FC Barcelona

Guardiola stammt aus Santpedor, wo seit 2007 der örtliche Sportplatz seinen Namen trägt. Im Alter von 13 Jahren trat er der Jugendakademie des FC Barcelona, La Masia, bei. Zuvor hatte er bei Gimnàstic de Manresa gespielt. In den Jugendmannschaften agierte er zunächst auf der rechten Mittelfeldseite. Erst Johan Cruyff, zu dieser Zeit Trainer der ersten Mannschaft, gab die Anweisung, Guardiola auf der zentralen Spielmacherposition aufzustellen.

Spielerkarriere beim FC Barcelona

Von der Saison 1990/91 an gehörte er zum Profikader und gab als 19-Jähriger sein Debüt in der Primera División. Guardiola spielte insgesamt 17 Jahre für den FC Barcelona. In den elf Profijahren gewann er mit der Mannschaft 16 Titel, darunter den Europapokal der Landesmeister. In der Saison 2000/01 entschloss sich Guardiola, den FC Barcelona zum Saisonende zu verlassen und seine Karriere im Ausland zu beenden.

Wechsel nach Italien

Seine Zeit in Italien war nicht annähernd so erfolgreich wie in Barcelona. Im September 2001 verpflichtete ihn Brescia Calcio. In Italien wurde Guardiola des Dopings beschuldigt, da ihm nach zwei Ligaspielen im Oktober und November Spuren von Nandrolon nachgewiesen wurden. Daraufhin sperrten ihn der FIGC und die FIFA am 22. November 2001 für vier Monate.. 2009 wurde er von sämtlichen Dopingvorwürfen freigesprochen. Ab der Saison 2002/03 spielte er für den AS Rom. Nach einem halben Jahr kehrte er jedoch bis zum Saisonende zu Brescia Calcio zurück

Abstecher nach Katar und Mexiko

2003 wechselte er nach Katar zu Al-Ahli. Er beendete im Sommer 2005 zunächst seine Spielerkarriere, schloss sich dann aber 2006 dem damaligen mexikanischen Erstligisten Dorados de Sinaloa an. Als zum Ende der Saison der Abstieg des Teams in die Primera División 'A' feststand, beendete er seine aktive Karriere endgültig.

Erfolge in der Nationalmannschaft

Guardiola holte mit Spanien 1992 Olympia-Gold. Am 14. Oktober 1992 gab er beim 0:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland seinen Einstand in der A-Nationalmannschaft. Er nahm an der Weltmeisterschaft 1994 und der Europameisterschaft 2000 teil. Die Weltmeisterschaften 1998 und 2002 verpasste er wegen einer Knieverletzung. Sein letztes Länderspiel bestritt Guardiola am 14. November 2001 gegen Mexiko (1:0). In 47 Einsätzen erzielte er fünf Tore.

Trainer beim FC Barcelona

2008 war Guardiola bei Amtsantritt mit 37 Jahren der drittjüngste Trainer in der Geschichte des Vereins. Zuvor hatte er bei den Katalanen bereits als Trainer der B-Mannschaft gearbeitet und in seiner Premierensaison 2007/08 prompt zum Aufstieg in die Segunda División B geführt.

Das Sextuple

Die Krönung war das Jahr 2009. Guardiola führte den FC Barcelona zum noch nie dagewesenen „sextuple“, also alle bedeutenden nationalen und internationalen Titel in einem Jahr: nationale Meisterschaft, spanischer Pokal, Champions League, spanischer Supercup, UEFA-Supercup und Klub-Weltmeisterschaft. Mit 14 Titeln ist er der erfolgreichste Trainer in der Vereinsgeschichte. 2012 verabschiedete er sich und legte ein Sabbatjahr in New York ein.

Trainer bei den Bayern

2013 unterschrieb er bei den Münchenern für drei Jahre. Am 30. August 2013 gab er beim UEFA Super Cup-Finale sein internationales Debüt für die Bayern und gewann den ersten Titel mit seiner neuen Mannschaft im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea. Außerdem sicherte er sich mit seiner Mannschaft am 21. Dezember 2013 die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft mit einem 2:0 über Raja Casablanca. Am 27. Spieltag der Saison 2013/14 feierte Guardiola mit dem FCB die früheste Meisterschaft in der Geschichte der Bundesliga. Wenige Wochen später folgte der DFB-Pokalsieg gegen den BVB. Auch 2014 holte er mit den Bayern die Meisterschaft.

Dortmund spielt dagegen oft Remis – und lässt sich außerdem den Sieg in letzter Minute noch aus der Hand nehmen. Dies zeigt: Es gibt für Tuchel noch viel zu tun. Außerdem wird der Verein die Mannschaft weiter verstärken müssen, um an das überragende Niveau der Münchener heranzukommen.

Die Trainer des Duells: Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (links) gilt als der Zauberlehrling, Bayern-Trainer Pep Guardiola als der große Meister seines Fachs. dpa

Thomas Tuchel und Pep Guardiola

Die Trainer des Duells: Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (links) gilt als der Zauberlehrling, Bayern-Trainer Pep Guardiola als der große Meister seines Fachs.

Dafür ist eine Qualifikation für die Champions League Pflicht. Hier ist der BVB auf gutem Weg. Wenn dies in den nächsten Jahren regelmäßig gelingt, hat der Klub gute Chancen, sich wirtschaftlich und sportlich auf Dauer als Nummer zwei in der Bundesliga zu etablieren. Denn der Vize-Meister aus Wolfsburg kann wohl – wegen des VW-Dieselskandals – in den nächsten Jahren finanziell nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen wie bisher.

Fußball: Der Trainer Thomas Tuchel

Person

Thomas Tuchel ist am 29. August 1973 in Krumbach geboren
Quelle: dpa

Vereine als Spieler

Stuttgarter Kickers (1992-1994), SSV Ulm 1846 (1994-1998)

Vereine als Trainer

VfB Stuttgart Jugend (2004-2008), FC Augsburg Jugend und Amateure (2006-2008), FSV Mainz 05 U 19 (2008-2009), FSV Mainz 05 (2009-2014), Borussia Dortmund (seit Mitte 2015)

Erfolgsquote als Trainer

Borussia Dortmund: 2,12 Punkte pro Spiel

Mainz 05: 1,43 Punkte pro Spiel
Quelle: Transfermarkt.de, Mai 2017

Bevorzugtes Spielsystem

4-2-3-1
Vier Abwehrspieler, zwei defensive Mittelfeldspieler, drei offensive Mittelfeldspieler, ein Stürmer

Größte Erfolge

5. Tabellenplatz in der Bundesliga 2010/2011 und 7. Tabellenplatz 2013/2014 (jeweils Qualifikation Europa League). Saison 2015/16: Pokalfinale erreicht, 2. Platz in der Bundesliga

Auszeichnungen

Trainerpreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 2011

Zu den großen Bayern werden sie aber selbst in den nächsten zehn Jahren wirtschaftlich kaum aufschließen. Zu riesig ist die Lücke, die zwischen beiden Vereinen klafft. Welche Kennzahl man auch betrachtet, ob Umsatz, Gewinn oder Festgeld: Meistens sind die Bayern mindestens doppelt so gut. Überdies ist ihr internationales Ansehen überragend.

Die Sportexperten von Forbes schätzen daher den Wert des FC Bayern München auf mehr als zwei Milliarden Euro. Der Börsenwert des BVB liegt bei knapp 400 Millionen Euro, der wahre Wert dürfte ein paar hundert Millionen Euro höher liegen.

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