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25.05.2014

15:40 Uhr

Der große Traum

Vom Bolzplatz zum Fußballprofi

VonThorsten Giersch

Fußballprofi ist für viele Kinder und Jugendliche ein Traumberuf. Tatsächlich handelt es sich wohl eher um die härteste Ausbildung, die junge Menschen meistern können. Über harte Burschen und ein knallhartes Geschäft.

Schüler kicken auf einem Schulhof in Braunschweig: Der Weg zum Fußballprofi ist lang und steinig. dpa

Schüler kicken auf einem Schulhof in Braunschweig: Der Weg zum Fußballprofi ist lang und steinig.

DüsseldorfEs war der Tiefpunkt des deutschen Fußballs: Am 20. Juni 2000 spielte die deutsche Nationalmannschaft in Rotterdam im letzten Spiel der EM-Vorrundengruppe gegen eine portugiesische B-Elf. Die Partie ging 0:3 verloren - die Europameisterschaft war beendet, bevor sie so richtig begonnen hatte.

Und der deutsche Fußball zur Lachnummer verkommen. Danach begann das große Aufräumen. Bei der Nachwuchsförderung blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Die Bundesliga-Vereine wurden gezwungen, massiv Geld in die Jugend zu investieren und gaben freiwillig noch viel mehr aus.

Das Ergebnis waren eine Vielzahl von großen Talenten, das Sommermärchen 2006 und weitere Großturniere mit sehr guten Ergebnissen und tollem Fußball – wenn auch noch ohne Titel. Und nun fahren Lahm, Müller, Schweinsteiger, Reus, Götze, Özil und Co als Mitfavorit nach Brasilien.

DFB verzeichnet erneuten Mitgliederrekord

Mitglieder

Die Zahl der Mitglieder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den höchsten Stand in der Verbandsgeschichte erreicht. Insgesamt 6.851.892 Mitglieder und damit 29.659 mehr als im Vorjahr sind derzeit in den 21 Landesverbänden des DFB gemeldet. Quelle: DFB

Steigerungen

Steigerungen gibt es zudem im Bereich der Vereine und der Frauenmannschaften. Mit 25.513 ist die Zahl der Klubs so hoch wie noch nie, im Jahr 2013 waren es 25.456. Und bei den im DFB registrierten Frauenteams konnte mit 5855 (2013/5782) ebenfalls eine Bestmarke erreicht werden.

Hohe Anziehungskraft des Fußballs

„Der Mitgliederrekord unterstreicht den enormen Stellenwert und die hohe Anziehungskraft des Fußballs in Deutschland. Dass wir trotz der allgemeinen demografischen Entwicklungen einen leichten Anstieg bei den Vereinen verzeichnen können, ist genauso erfreulich wie der positive Trend im Frauenfußball“, sagt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Maßnahmenpaket

Der DFB-Präsident weiter: „Um die vielen Mitglieder an der Basis in Zukunft noch besser erreichen und effektiver unterstützen zu können, haben wir mit dem Masterplan Amateurfußball ein umfangreiches Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht.“

Gesamtzahl der Mannschaften

Die Gesamtzahl der Mannschaften ist nur noch leicht rückläufig. 2013 waren 165.229 Teams gemeldet, 2014 sind es 164.384. Mit 0,51 Prozent ist der Rückgang bei den Mannschaften damit deutlich niedriger als im Zeitraum von 2012 bis 2013 – das Minus hatte damals 2,33 Prozent betragen.

Ursache der Entwicklung

Zentrale Ursache der Entwicklung ist auch hier der demografische Wandel. Er hat zur Folge, dass die rückläufige Tendenz im Bereich der Juniorinnen- und Juniorenteams am stärksten ausfällt. 2013 gab es in diesem Bereich 100.035 gemeldete Mannschaften, 2014 sind es 99.546.

Große Herausforderungen

Dazu erklärt Niersbach: „Die Entwicklungen bei den Jugendmannschaften machen uns deutlich, dass wir hier vor großen Herausforderungen stehen. Wir sehen bereits erste Resultate der gemeinsamen Anstrengungen von DFB, Landesverbänden und Vereinen, aber wir werden künftig durch innovative Konzepte und Ideen noch mehr für Jugendliche und die Ehrenamtlichen tun.“

Onlineportal für Fußballer

„Dazu gehört das neue Onlineportal Fussball.de, auf dem ab 29. Juli jeder Fußballer umfangreiche Serviceangebote finden wird und sich wie ein Profi darstellen kann,” fügt Niersbach hinzu.

Für Millionen Fans sind sie schon Helden. Kinder rufen ihre Namen – vielleicht jahrelang, womöglich auch nur für ein paar Tage. Das und ein stattliches Gehalt ist alle Mühen wert, sagen Hunderttausende junge Menschen, die den Traum vom Fußballprofi hegen.

Dabei vergisst man gern, wie hart der Weg in die Bundesliga ist. Selbst kurz vor Schluss kann man noch scheitern: 55 Prozent der der U18-Nationalspieler schaffen den Sprung in die deutsche Eliteliga nicht. Die meisten Spieler landen in der dritten Liga und verdienen dort durchschnittlich „nur“  120.000 Euro pro Jahr – oder spielen gar nur in der Regionalliga (40.000 Euro) oder Oberliga (20.000 Euro).

Doch selbst für die, die es schaffen, gilt laut Freiburgs Trainer Christian Streich: „Fußballprofi ist kein Traumjob.“ Denn ganz oben zu sein, mag traumhaft sein, der Weg dorthin ist es nicht: Die massive körperliche Belastung, Druck, brutaler Konkurrenzkampf, absolute Disziplin auch bei der Ernährung, Zeitknappheit, wegbrechende Freundschaften und unzählige Entbehrungen erfordern mehr als nur den unbedingten Willen. 7.30 Uhr Training, 9 Uhr Schule, anschließend Hausaufgaben, 16.30 Uhr Individualtraining, 18 Uhr Mannschaftstraining – so sieht der Tagesablauf eines U19-Spielers aus.

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