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17.06.2014

14:17 Uhr

Deutsche Fußball-Alphatiere

Sturm der Macht und Eitelkeiten

Was ist mit den deutschen Fußball-Funktionären los? Die DFB-Spitze reagiert mit nicht gekannter Wucht auf die Sticheleien von Ex-Boss Zwanziger. Und die Lichtgestalt Beckenbauer steht im Fokus von Fifa-Ermittlern.

Franz Beckenbauer, damals Chef der DFB-Bewerbungskommission für die Fußball-WM 2006, (r), und Mohamed bin Hammam, Mitglied von Katar im Fifa-Exekutivkomitee, am 25.07.2000 in Doha. dpa

Franz Beckenbauer, damals Chef der DFB-Bewerbungskommission für die Fußball-WM 2006, (r), und Mohamed bin Hammam, Mitglied von Katar im Fifa-Exekutivkomitee, am 25.07.2000 in Doha.

Rio de JaneiroDie erste Sitzung eines DFB-Präsidiums im Land des Rekordweltmeisters Brasilien sollte für die Funktionäre kurz vor dem furiosen WM-Start der Nationalmannschaft gegen Portugal (4:0) nur Beiprogramm unter Palmen sein. Der Dauerzoff mit Ex-Verbandsboss Theo Zwanziger veranlasste aber zu einem bislang einmaligen Vorstoß, der Beleg ist für schon lange gekränkte Befindlichkeiten und erstaunliche Egoismen. Nebenbei wie unfreiwillig sind die deutschen Fußball-Führungskräfte zudem zu Akteuren in einer Auseinandersetzung auf ganz anderer Ebene geworden - dem Machtkampf um den FIFA-Präsidententhron.

Während sich Franz Beckenbauer mit den neuen FIFA-Ethikhütern einen nicht für möglich gehaltenen und vom internationalen WM-Publikum mit Erstaunen beachteten Kleinkrieg rund um seine 90-Tage-Sperre liefert, sorgen die immer intensiveren Vorwürfe zwischen dem Lager um DFB-Chef Wolfgang Niersbach und dessen Vorgänger Zwanziger für ein nicht minder peinliches Bild der deutschen Fußball-Alphatiere.

Präsidium vs. Zwanziger: Der alberne Streit im DFB

Präsidium vs. Zwanziger

Der alberne Streit im DFB

Kurz vor dem ersten Deutschland-Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft eskaliert ein Streit zwischen Deutschem Fußball-Bund und Ex-Präsident Zwanziger. Der bleibt hart und wirft seinem Nachfolger Profillosigkeit vor.

Die öffentliche Rücktrittsforderung an Zwanziger als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees ist vorläufiger Kulminationspunkt, aber wohl kaum das Ende des gegenseitigen Konfrontationskurses. Fast schon entschuldigend angesichts des verursachten Wirbels merkte Niersbach an: „Ich empfinde es als zutiefst bedauerlich, dass so kurz vor dem Spiel unserer Mannschaft, auf das sich Millionen Fans freuen, diese absurde Diskussion angezettelt wurde.“

Angezettelt von Zwanziger - wie sich die komplette Führungscrew des Deutschen Fußball-Bundes einig ist. Verursacht durch falsche Schwerpunktsetzung im Verband, meint Zwanziger, der auch zweieinhalb Jahre nach seinem Rücktritt das Kapitel DFB für sich noch nicht abschließen kann.

„Die Scheidung zwischen Niersbach und Zwanziger - sie ist längst vollzogen. Aber auch geschiedene Leute sollten lernen, wieder miteinander statt übereinander zu reden“, kommentierte die „Rhein-Zeitung“ den Disput, der längst mehr als eine Posse ist.

Nach dem tollen WM-Start von Dreifach-Torschütze Thomas Müller und Co. lenkte Niersbach immerhin erstmals seit Wochen ein. „Finito. Jeder, der schreibt und kommentiert hat, das ist ein unnötiger Streit, ja der hat recht. Muss ich auch selbstkritisch sehen“, sagte der DFB-Chef.

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