Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.05.2012

18:43 Uhr

Deutsche Fußballklubs

Auf Eroberungszug durch Europa

VonThomas Mersch, Frederic Spohr

Nach langer Durststrecke holen die Bundesliga-Vereine in Europa auf: In der Champions-League, im Uefa-Cup, bei der Wirtschaftskraft und auch den TV-Rechten. Was zur perfekten Bilanz noch fehlt, ist ein Pokal.

Bayern hat Grund zu feiern: Der Verein steht nicht nur im Champions-League-Finale, sondern gehört auch zu den Top Fünf der wirtschaftsstärksten Fußballvereine. dpa

Bayern hat Grund zu feiern: Der Verein steht nicht nur im Champions-League-Finale, sondern gehört auch zu den Top Fünf der wirtschaftsstärksten Fußballvereine.

KölnDer Phantomschmerz ist heftig: Seit elf Jahren hat keine Fußball-Männermannschaft aus Deutschland mehr einen europäischen Titel geholt. Zuletzt gelang das Bayern München. 2001 besiegte der Klub den FC Valencia im Champions-League-Finale. Oliver Kahn parierte den entscheidenden Elfmeter. Riesige Freude - und der Beginn einer Leidenszeit. Am 19. Mai will der Klub erneut die Königsklasse gewinnen. Junge Spieler wie Toni Kroos oder Thomas Müller werden zu Schlüsselfiguren, wenn es auf höchstem Niveau gegen Chelsea London geht.

Der Finaleinzug ist ein Höhepunkt, auf den der deutsche Fußball seit Jahren hingearbeitet hat. Die Bundesliga klopfte nach langer Durststrecke immer lauter an: Schließlich stand schon 2011 und 2010 stets ein deutscher Erstligist im Halbfinale der Champions League. Ein Sieg der Bayern wäre keine Sensation mehr - er wäre fällig.

Wirtschaftsfakten der Champions League

Prämien

In der Saison 2010/2011 schüttete die Uefa insgesamt 754,1 Millionen Euro an die 32 Teilnehmer der Champions League aus. Neben einer Antrittsprämie von 3,9 Millionen gab es 550.000 Euro für jedes Vorrundenspiel, 400.000 Euro für ein Remis und 800.000 für einen Sieg in der Gruppenphase.
Die Qualifikation für das Achtelfinale war der Uefa 3 Millionen Euro wert, für das Viertel- und das Halbfinale gab es 3,3 und 4,2 Millionen Euro Prämie. Während sich der unterlegene Finalist mit 5,6 Millionen Euro trösten durfte, kassierte Sieger Barcelona für den Titel satte 9 Millionen Euro.

Market Pool

Neben den Siegprämien werden an die Vereine Anteile des Market Pools ausgeschüttet, in dem die Einnahmen durch Fernsehgelder gesammelt sind. In der vergangenen Saison waren das 341 Millionen Euro.
Der Anteil der einzelnen Teams ist dabei neben der Menge an Spielen auch von den im eigenen Land bezahlten Fernsehgeldern abhängig und der Ligaplatzierung des Vorjahres abhängig. So konnte Manchester United als unterlegener Finalist 2011 trotzdem insgesamt knapp 2 Millionen Euro mehr einnehmen als Sieger Barcelona.

Solidarzahlungen

Ein Teil der Prämien gingen zudem an Mannschaften, die bereits in einer der Qualifikationsrunden ausgeschieden sind. Jeder gescheiterte nationale Meister erhielt 200.000 Euro Antrittsprämie, jedes Team 130.000 Euro für das Erreichen der nächsten von insgesamt drei Runden, also maximal 590.000 Euro.

So viel Geld bekamen die Klubs

Die Einnahmen ausgewählter Teams in der Champions-League-Saison 2011:

FC Barcelona: 51,025 Millionen Euro
Manchester United: 53,197 Millionen Euro
Real Madrid: 39,822 Millionen Euro
FC Schalke: 39,288 Millionen Euro
Inter Mailand: 37,982 Millionen Euro
Bayern München: 32,562 Millionen Euro

Sponsoren

Die Uefa lässt in jeder Drei-Jahres-Periode nur maximal acht Hauptsponsoren für die Champions League zu, deren Branchen sich nicht überschneiden dürfen. Im Moment sind das die Firmen Ford, Mastercard, Sony Ericsson, Sony Europe, Playstation als Marke der Sony Computer Entertaintmend Europa, UniCredit und in allen Ländern, in denen Alkoholwerbung erlaubt ist, Heineken. Adidas als Lieferant des offiziellen Spielballs ist nur Ausrüster und damit Nebensponsor.
Die Vereine dürfen weiterhin ihren persönlichen Hauptsponsoren auf dem Trikot tragen, allerdings nur diesen einen. Der Mediawert der aktuell sieben Hauptsponsoren der Champions League wird auf 15 Millionen Euro geschätzt. Für die kommenden drei Jahre stehen als Sponsoren bereits Heineken, UniCredit, Ford, Mastercard und Playstation fest.

Fernsehrechte

Die Übertragungsrechte an der Champions League werden ebenfalls alle drei Jahre für die kommenden drei Spielzeiten vergeben, getrennt nach Free-TV- und Pay-TV-Sendern. Während in der Saison 2011 noch Sky Deutschland und Sat1 die Spiele übertragen, übernahm das ZDF ab Sommer 2012 für drei Jahre die Berichterstattung im Free-TV.
Die Rechte gelten für ein Spiel pro Matchwoche sowie die Übertragung des Finals und des Super Cups – online und im Fernseher. Außerdem umfasst der Vertrag das Zeigen von Spielzusammenfassungen anderer Partien. Offizielle Zahlen zu den Kosten der Rechte gibt es nicht, Experten schätzen den Preis pro Jahr aber auf über 50 Millionen Euro.

Der sportliche Erfolg geht einher mit einem finanziellen Aufstieg: Mit Rekordmeister Bayern München (321 Millionen Euro) und Schalke 04 (202 Millionen Euro) haben es dieses Jahr gleich zwei Klubs in die Liste der zehn umsatzstärksten Vereine Europas geschafft. Das gab es in dem seit der Saison 1996/97 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte veröffentlichten Ranking noch nie.

Das wichtigste Spiel des Jahres hat der deutsche Fußball bereits im April gewonnen - den Poker um die Rechte an der Fernsehübertragung. 628 Millionen Euro werden die Vereine jedes Jahr zwischen 2013 und 2017 einnehmen. Das sind rund 50 Prozent mehr als in der vorherigen Vereinbarung. „Der neue TV-Abschluss hat die Position der Bundesliga als umsatzstärkste Liga hinter der Premier League gefestigt", sagt Peter Peters, Vizepräsident des Ligaverbands. Jürgen Rothenbücher, Sportbusiness-Experte bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney erwartet, „dass die Bundesliga zur stärksten Liga in Europa wird".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×