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05.06.2016

08:36 Uhr

Deutschland - Ungarn

Löws erster Anzug sitzt

VonAlexander Möthe

Der abschließende Test vor der Euro 2016 wurde zum aussagekräftigsten dieser Länderspielsaison. „Die Mannschaft“ zeigt sich punktuell weltmeisterlich. Schon vorab gab es zwei Gewinner – die Veltins-Arena und den DFB.

Bastian Schweinsteiger (links) und André Schürrle feiern den Sieg im letzten Testspiel vor der EM. Reuters

2:0 gegen Ungarn

Bastian Schweinsteiger (links) und André Schürrle feiern den Sieg im letzten Testspiel vor der EM.

GelsenkirchenSamstagnachmittag. Eigentlich wäre jetzt Bundesligazeit, doch der Regionalexpress nach Münster ist wegen eines Länderspiels prall gefüllt. Im Zug in Richtung der Schalker Veltins-Arena, wo Weltmeister Deutschland auf Ungarn trifft, drängeln sich die Fans in weißen und schwarzen DFB-Trikots. Das Publikum ist mindestens so multikulturell wie die Nationalmannschaft selbst. Nur wenn in der Arena Betrieb ist, strömen die Massen nach Gelsenkirchen. Mit der Straßenbahn fahren sie durch die vom Strukturwandel gezeichnete Ruhrgebietsstand, deren Farbtupfer an den alten Arbeitersiedlungen meist königsblau sind.

Ein junger Mann erfragt am Telefon den Preis für ein Ticket, ruhrpottet letztlich „das interessiert dem nicht“ ins Handy. „Bist Du Schalke-Fan?“ ist die häufigste Frage. Jahrzehnte nach dem Schalker Kreisel oder dem Gewinn des Uefa-Cups ist wenigstens beim Fußball die Gier in Gelsenkirchen greifbar. Auf der Brücke zum Stadion werden nicht lizensierte Devotionalien und Getränke verkauft. Auf dem Gelände schließlich geht es rechts bei einer Verlosung um EM-Tickets, während links in die Büsche uriniert wird – Pissnes as usual. Das Spiel ist ein Event, das mit Rahmenprogramm, La Ola und Familienfreundlichkeit Lust auf Fußball und ein gutes Geschäft in Einklang bilden soll.

EM 2016: Wer verdient am Deutschland-Trikot?

Trikot

Das offizielle DFB-Trikot von Adidas ist ein beliebter Fanartikel. Zur WM 2014 wurden über drei Millionen Exemplare verkauft. Der Preis für das Trikot zur EM 2016 liegt im stationären Handel bei rund 85 Euro.

Quelle: Sparwelt.de

Umfrage

Ein Drittel der Deutschen (33 %) denkt, dass der Hersteller Adidas am meisten am Trikot verdient. Jeder Vierte (25 %) hält hingegen den DFB für den größten Profiteur. Am dritthäufigsten werden die Fußballverbände FIFA und UEFA genannt.

Tatsächlich auf Platz 1

„Nur fünf Prozent der Deutschen halten die Händler für die größten Verdiener am Trikot. Tatsächlich aber macht die Handelsspanne der Händler mit 44,4 Prozent (37,74 €) den größten Anteil am Verkaufspreis aus“, sagt Dr. Tim Seewöster von Sparwelt.de.

Platz 2

Es folgen die Handelsspanne des Herstellers Adidas (18,7 % bzw. 15,90 €)

Platz 3

und die Mehrwertsteuer (16 % vom Bruttoverkaufspreis bzw. 13,60 €).

Platz 4

Den viertgrößten Anteil von knapp einem Zehntel (9,7 % bzw. 8,24 €) erhalten Textilfabrikanten und Logistiker für das Material, die Näharbeiten und den Transport.

Platz 5

Lediglich sechs Prozent des Verkaufspreises (5,10 €) erhält der DFB als Lizenzgebühr.

Platz 6

Die restlichen 5,2 Prozent (4,42 €) entfallen auf das Marketing und den Vertrieb.

Wie viele wollen das Trikot?

Nur sechs Prozent der Deutschen wollen das aktuelle DFB-Trikot kaufen, haben es bereits gekauft oder denken zumindest darüber nach. Jeder Dritte (33 %) der Nichtinteressierten lässt sich durch den hohen Preis abhalten. „Die Mehrheit (63 %) derjenigen, für die ein Kauf infrage kommt, möchte weniger als 60 Euro ausgeben“, sagt Dr. Tim Seewöster.

Wer senkt den Trikotpreis?

Viele stationäre Händler halten sich an den von Adidas empfohlenen Verkaufspreis von rund 85 Euro. Zum Wunschpreis von unter 60 Euro erhalten Fans das Trikot in der Regel nur online. Dort ist das offizielle Deutschland-Trikot bereits ab rund 53 Euro erhältlich.

Preise anderer Länder

Die Trikots von Italien und Spanien sind online ebenfalls günstiger und für knapp 50 beziehungsweise knapp 45 Euro erhältlich. Für das Trikot der türkischen Nationalmannschaft zahlen Fans online aktuell rund 68 Euro.

Aber auch der sportliche Wert ist diesmal nicht zu unterschätzen. Wenn Joachim Löw die deutsche Fußballnationalmannschaft ein Testspiel bestreiten lässt, dann ist das in Regel wörtlich zu verstehen. Der Bundestrainer nutzt die spärliche gemeinsame Zeit mit dem Team, um neue Personalien, Abläufe und Varianten zu probieren. Das ist das Gegenteil von ergebnisorientiert und ärgert bisweilen Mannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der lieber Spektakel und begeisterte Menschenmassen in den Stadien sähe.

Nicht nur insofern ist der abschließende Test gegen die einstige Fußballgroßmacht Ungarn eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Beim 2:0 (1:0) in Gelsenkirchen sahen 52.104 Zuschauer eine punktuell an 2014 erinnernde Vorstellung des amtierenden Weltmeisters. Die Aufstellung mit Kroos, Khedira, Özil, Mario Götze im Sturm, Antonio Rüdiger als Ersatz für Mats Hummels und Lokalmatador Benedikt Höwedes als Außenverteidiger dürfte der Startelf zum EM-Auftakt gegen die Ukraine sehr nahe kommen. Götze erzwang das Eigentor des Ungarn Adam Lang in der 39. Minute, Thomas Müller besorgte in der 64. Minute den Endstand.

„Der Sieg gibt Stabilität und ein gutes Gefühl. Es war auch wichtig, zu Null zu spielen. Die Mannschaft hat sich ein Stück weit gefunden und sehr konzentriert gearbeitet. Ein paar Dinge müssen wir aber noch nachjustieren“, sagte Bundestrainer Joachim Löw nach der Partie. „Es gibt keine Wunschelf. Wir brauchen alle Spieler während des Turniers. Einige müssen noch etwas nachholen.“.

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