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22.10.2015

20:12 Uhr

DFB-Affäre

Die Luft für Niersbach wird dünner

VonVolker Votsmeier

Der DFB brachte keine neuen wesentlichen Erkenntnisse. Im Gegenteil: Niersbach blieb viele Antworten schuldig. Seine Kandidatur für den UEFA-Vorsitz dürfte sich erledigt haben – auch innerhalb des DFB gerät er unter Druck.

Wolfgang Niersbach kann trotz den großen PR-Aufwandes die wichtigsten Fragen nicht beantworten. dpa

DFB-Präsident unter Druck

Wolfgang Niersbach kann trotz den großen PR-Aufwandes die wichtigsten Fragen nicht beantworten.

DüsseldorfEigentlich, ja, eigentlich sollte es eine PR-Offensive sein, die alle Diskussionen beendet. Doch Wolfgang Niersbachs Versuch, mit einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz einen Befreiungsschlag zu landen, ist vorerst gescheitert. Es ist nicht neu, dass der DFB-Präsident einen Zusammenhang zwischen der Zahlung an die Fifa und der mögliche Bestechung der vier asiatischen Funktionäre energisch bestreit. „Das Fußballmärchen ist und bleibt ein Fußballmärchen“, lautet Niersbachs Credo, welches er auch am Donnerstag schon zum Mantra erhob.

Doch die wirklich heiklen Fragen konnte der Präsident auch auf der Pressekonferenz nicht beantworten: Angeblich verlangte die Fifa die 6,7 Millionen Euro, um einen Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro abzusichern. Der Vorgang an sich ist schon dubios, aber warum besorgte sich das Organisationskomitee das Geld nicht wenigstens beim DFB selbst oder lieh es sich bei einer privaten Bank? Dass ausgerechnet der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dafür in seine Privatschatulle griff, ist bislang überhaupt nicht schlüssig zu erklären. Eine Erklärung ist auch nicht, dass der Berater von Franz Beckenbauer, damals Leiter des WM-Organisationskomitees, den Namen ins Spiel gebracht haben soll.

Mysteriöse Millionenzahlung: Fifa geht auf Konfrontationskurs mit dem DFB

Mysteriöse Millionenzahlung

Fifa geht auf Konfrontationskurs mit dem DFB

6,7 Millionen Euro – warum zahlte der DFB diese Summe vor der WM 2006 an die Fifa? DFB-Präsident Niersbach erklärt die Transaktion, doch die Antwort bleibt unschlüssig. Und die Fifa sagt: die Antwort kann nicht stimmen.

Die Fifa tritt der Darstellung inzwischen in aller Schärfe entgegen. Nach heutigem Kenntnisstand wurde keine derartige Zahlung von zehn Millionen Franken bei der Fifa 2002 registriert“, erklärte eine Sprecherin des Weltverbands. Es entspreche „in keinster Weise den Fifa-Standardprozessen und Richtlinien dass die finanzielle Unterstützung von WM-OKs an irgendwelche finanziellen Vorleistungen seitens des jeweiligen OKs oder seines Verbandes gekoppelt ist“, hieß es weiter. Im Übrigen dürfe die Finanzkommission auch gar keine Gelder in Empfang nehmen, verfüge nicht einmal über ein eigenes Konto. Nur eine Variante der Geschichte kann richtig sein.

Niersbach kann die Rückzahlung des Darlehens 2004/05 über ein Konto der Fifa – angeblich, um die schließlich abgesagte Eröffnungsgala zu finanzieren – ohnehin nicht zufriedenstellend erörtern. „Ich habe davon nichts gewusst“, sagte Niersbach. Sein vom Spiegel zitierter persönlicher Vermerk „Das vereinbarte Honorar für RLD“? „Ich kann mich daran nicht erinnern, kann es aber auch nicht ausschließen.“

DFB: Die deutsche Bewerbung zur WM 2006

2. Juni 1993

DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder übergibt in Zürich als erster Bewerber die deutsche Kandidatur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an FIFA-Präsident Joao Havelange.

27. Dezember 1996

DFB-Präsident Egidius Braun setzt bei der Kandidatur auf "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer, der als WM-Botschafter für Deutschland werben soll.

2. März 1997

Der DFB gründet ein fünfköpfiges Bewerbungs-Komitee bestehend aus Egidius Braun, Franz Beckenbauer, Gerhard Mayer-Vorfelder, DFB-Generalsekretär Horst Schmidt und DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach.

27. Mai 1997

Die offizielle Präsentation der deutschen Bewerbung findet im Münchner Prinzregenten-Theater statt, unter dem Motto „Wir sehen uns im Herzen Europas“.

10. Februar 1998

Kehrtwende von Joao Havelange. Er wirft Deutschland vor, den Weltfußball dominieren zu wollen. Den Schweden Lennart Johansson erklärt er zu einem Strohmann der Deutschen und rät von dessen Wahl zum neuen Fifa-Chef ab.

30 November 1998

Ein aufgedeckter Bestechungsskandal bei der Wahl zum FIFA-Vizepräsidenten setzt Englands Verbandspräsident und Drahtzieher Keith Wiseman unter Druck. Wenig später tritt neben Wiseman auch FA-Generalsekretär Graham Kelly zurück.

31. Dezember 1998

Die Bewerbungsgfrist läuft ab. Offiziell gehören England, Brasilien, Südafrika, Ägypten, Nigeria, Marokko, Ghana und Deutschland zum Kreis der Kandidaten.

Steuerbefreiung

12. Januar 1999: Die FIFA verlangt von den Bewerbern eine Garantie über Steuerbefreiung für die WM.

18. Januar 1999: Bundesaußenminister Joschka Fischer sagt dem DFB die volle Unterstützung seines Ministeriums zu.

29. Januar 1999: Die FIFA erlässt einen fünfseitigen Pflichtenkatalog für die Kandidaten, um Bestechung vor der Vergabe der WM zu verhindern.

4. Februar 1999: Bundesinnenminister Otto Schily stellt dem DFB eine Befreiung der FIFA von der 25-prozentigen Ertragssteuer in Aussicht.

Rückzug der Konkurrenten

28. April 1999: Ghana zieht seine Kandidatur zurück, kurz darauf auch Ägypten und Nigeria.

WM-Dossier

10. August 1999: In Zürich übergeben die fünf Bewerber ihre offiziellen Dossiers. Das deutsche ist 1200 Seiten stark und wiegt 37 Kilogramm.

Lob für die deutsche Bewerbung

16.-21. Oktober 1999: Eine Inspektoren-Gruppe der FIFA besucht neun deutsche Städte und deren Fußball-Stadien. Delegastionsleiter Alan Rothenberg lobt die "phänomenale Vorarbeit" des DFB.

Beckenbauer will Deal mit Südafrika

14. Januar 2000: Franz Beckenbauer bietet Südafrika seine Hilfe für eine Kandidatur 2010 an, wenn die Afrikaner ihre aktuelle Bewerbung fallen lassen würden.

Empörung in England

30. Juni 2000: Am Rande des UEFA-Kongresses in Luxemburg sickert durch, dass Deutschland in der Rangliste des Welt-Verbandes nach den Inspektionsreisen des FIFA-Gremiums unter Führung des US-Amerikaners Alan Rothenberg an Nummer eins vor Südafrika, England, Marokko und Brasilien geführt wird. In England herrscht helle Empörung.

3. Juli 2000: Brasilien zieht seine Kandidatur zurück und kündigt seine Unterstützung für Südafrika an.

Boris und Schiffer als Glücksbringer

5. Juli 2000: Letzte 30-minütige Präsentation des DFB vor der FIFA. Als Daumendrücker sind Bundeskanzler Gerhard Schröder, Top-Model Claudia Schiffer und Tennisstar Boris Becker vor Ort.

And the winner is...

6. Juli 2000: Die DFB-Bewerbung behält bei der Abstimmung im FIFA-Exekutivkomitee im letzten Wahlgang mit 12:11 Stimmen die Oberhand gegen die Kandidatur Südafrikas. Deutschland ist zum zweiten Mal nach 1974 WM-Gastgeber.

Immer wieder verwies Niersbach auf die noch laufenden Untersuchungen des Kontrollausschusses beim DFB und der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, deren Ergebnisse man abwarten müsse. Niersbach räumt immerhin ein, die Präsidiumsmitglieder nicht rechtzeitig informiert zu haben. Zunächst hatte er noch erklärt, sofort im Juni 2015 die Ermittlungen eingeleitet zu haben.

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