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01.06.2015

12:22 Uhr

DFB als großer Gewinner

Der Pokal hat seine eigenen Märkte

VonMalte Laub

Nicht nur Wolfsburg feiert, auch in der DFB-Zentrale in Frankfurt dürfte gute Laune herrschen. Dem Verband ist es gelungen, aus dem lange Zeit wirtschaftlich eher vernachlässigten DFB-Pokal einen für Verband und Klubs lukrativen Wettbewerb zu machen. TV-Rechte und Sponsorenzuspruch haben dem DFB eine sprudelnde Einnahmequelle beschert, sportlich wurde der Wettbewerb in diesem Jahr verschärft.

Hunderttausende Fans feierten gemeinsam mit Dortmunds Trainer Jürgen Klopp das „Double“. Der Pokalsieg genießt nicht nur in Dortmund ein hohes Ansehen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht hat sich der DFB-Pokal in der jüngsten Vergangenheit große Schritte nach vorne gemacht. dpa

DFB-Pokalsieger Jürgen Klopp

Hunderttausende Fans feierten gemeinsam mit Dortmunds Trainer Jürgen Klopp das „Double“. Der Pokalsieg genießt nicht nur in Dortmund ein hohes Ansehen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht hat sich der DFB-Pokal in der jüngsten Vergangenheit große Schritte nach vorne gemacht.

KölnEs war deutlicher als gedacht: Mit 3:1 besiegte der VfL Wolfsburg Borussia Dortmund am Samstag im Finale des DFB-Pokals. Für den BVB wurde es nichts mit dem versöhnlichen Ende einer verkorksten Saison, Jürgen Klopp blieb der Wunsch verwehrt, die erprobte Kombination aus Pott, Doppeldecker-Bus und Jubelfahrt über den Borsigplatz ein letztes Mal zu genießen. Stattdessen krönte sein Amtskollege Dieter Hecking die Vizemeisterschaft seiner Wolfsburger und ließ sich folgerichtig mit einer „KING“-Basecap auf dem Kopf feiern.

Der fußballerisch überzeugende Sieg der Wolfsburger und die anschließenden ausgelassenen Feierlichkeiten inklusive Pressekonferenz-Bierdusche für den bemützten Hecking und Fensterplatz im ICE-Führerhaus für den Pott haben dem als Plastikklub verschmähten VfL Sympathien eingebracht. Gewürzt wurde der Erfolg von Manager Klaus Allofs, der ankündigte, als Vizemeister und Pokalsieger nun durchaus in Richtung Bayern München zu wollen.

Einnahmen und Ausgaben im DFB-Pokal.

Steigende Summen

Einnahmen und Ausgaben im DFB-Pokal.

Doch so groß der Pokalerfolg für die Niedersachen ist – gerade wenn es darum geht, Stars wie Kevin De Bruyne zu halten und neue zu verpflichten – der größte Sieger ist der Deutsche Fußball-Bund selbst. Schließlich hat er es in den vergangenen Jahren geschafft, aus dem finanziell zu vernachlässigenden DFB-Pokal einen wirtschaftlich vorzeigbaren Wettbewerb zu machen. Rund 71 Millionen Euro hat der DFB mit der aktuellen Runde eingenommen, eine Steigerung um mehr als ein Fünftel im Vergleich zur Spielzeit 2009/10. Auch die Ausschüttungen an die Klubs sind gestiegen und liegen nun bei mehr als 47 Millionen Euro, ein Plus von 13 Prozent. Der Zuschauerzuspruch in den Stadien und vor den Fernsehgeräten hat ebenfalls deutlich zugelegt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie zur Vermarktung des DFB-Pokals, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt.

„Der DFB und die Vereine haben in den vergangenen Jahren ein besonderes sportliches und gesellschaftliches Ereignis geschaffen“, sagt Peter Rohlmann, Autor der Studie und Geschäftsführer der Sportmarketingberatung PR Marketing aus Rheine. Er kommt zu dem Schluss, dass es vor allem Entscheidungen der jüngsten Zeit waren, die den Wettbewerb aufgewertet haben. „Der DFB-Pokal hatte viele Jahre nicht den Stellenwert, den er jetzt hat“, sagt Rohlmann.

Zuschauerentwicklung im DFB-Pokal

2004/2005

812.449 Zuschauer

2005/06

1.015.920 Zuschauer

2006/07

948.638 Zuschauer

2007/08

1.267.834 Zuschauer

2008/09

1.108.360 Zuschauer

2009/10

1.168.641 Zuschauer

2010/11

1.104.157 Zuschauer

2011/12

1.306.328 Zuschauer

2012/13

1.267.838 Zuschauer

2013/14

1.271.281 Zuschauer

2014/15

1.305.606 Zuschauer

Als Grundstein für den Aufschwung kann die Runde 2008/09 gelten. Erstmals wurden alle 63 Spiele des Wettbewerbs im Fernsehen übertragen – ganz egal, ob Finale mit Starbeteiligung oder Erstrundengeplänkel zwischen Zweitligist und Regionalliga-Truppe. Der Pokal hat schließlich seine eigenen Gesetze und die kommen bei den Fans an. „Es macht die Attraktivität aus, dass der Klassenniedrige den Großen rauswerfen kann“, sagt Rohlmann.

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