Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2014

16:37 Uhr

DFB-Fußballmuseum in Dortmund

„Das ist wie ein Sechser im Lotto“

VonVictor Fritzen

Adidas, Mercedes, das Land NRW und der DFB ziehen an einem Strang. Das Fußballmuseum in Dortmund, das am Mittag Richtfest gefeiert hat, soll bis 2015 stehen. Ob die Kommune die Betriebskosten decken kann, ist fraglich.

Manuel Neukirchner, Geschäftsführer der Stiftung DFB Fußballmuseum, der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD), Polier Günter Peters und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (v.l.n.r.) beim Richtfest. Das Dortmunder Fußballmuseum wird ein „historischer Meilenstein“, so Niersbach. dpa

Manuel Neukirchner, Geschäftsführer der Stiftung DFB Fußballmuseum, der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD), Polier Günter Peters und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (v.l.n.r.) beim Richtfest. Das Dortmunder Fußballmuseum wird ein „historischer Meilenstein“, so Niersbach.

DortmundDieses Stück Stoff ist derart einzigartig und wertvoll, dass es in ein Museum gehört: Mehr als 40 Jahre nach dem WM-Triumph von 1974 wird Gerd Müllers Endspieltrikot nach Deutschland zurückkehren – ins DFB-Museum nach Dortmund. 

Besitzer des Unikats ist Müllers einstiger Gegenspieler Wim Rijsbergen, der sich das Trikot nach dem Finale gesichert und dem niederländischen Fußballmuseum übergeben hatte. Nach der Eröffnung des DFB-Fußballmuseums im kommenden Jahr soll es als Dauerleihgabe mindestens bis 2019 in Dortmund zu sehen sein. Es ist eines von mehreren hundert Exponaten, die dort ausgestellt werden.

Die Bauherren überhäufen sich schon vor der geplanten Eröffnung im ersten Halbjahr 2015 mit verbalen Vorschusslorbeeren. DFB-Chef Wolfgang Niersbach sprach beim Richtfest am Mittag von einem „historischen Meilenstein“. NRW-Sportministerin Ute Schäfer bezeichnete das Museum als „ein Aushängeschild für Dortmund, aber auch eine Werbung für den Fußball und das Museumsland Nordrhein-Westfalen“. Gäste der Zeremonie waren unter anderem auch Ligapräsident Reinhard Rauball sowie der Trainer- und Managerstab der Nationalmannschaft um Joachim Löw und Oliver Bierhoff.

36 Millionen Euro kostet das Prestigeprojekt. 18,5 Millionen Fördermittel zahlt das Land Nordrhein-Westfalen, den Rest übernehmen der DFB und Sponsoren. Der Verband profitiert dabei vor allem von den Überschüssen der WM 2006.

An der Spitze der externen Geldgeber stehen Adidas und Mercedes Benz, die am Freitag als Premium-Partner vorgestellt wurden. Sie sollen über die werbliche Zusammenarbeit hinaus in das Gesamtkonzept integriert werden. So will Adidas nicht nur Exponate zur Verfügung stellen, sondern auch den Museumsshop betreiben. Mercedes stellt unter anderem einen Bus der Nationalmannschaft aus. Über die Höhe des finanziellen Engagements wurde Stillschweigen vereinbart. Sicher ist nur die Vertragslaufzeit von fünf Jahren.

Die Gesellschafter der Stiftung DFB-Fußballmuseum sind zu gleichen Teilen der DFB und die Stadt Dortmund. Letztere stellt das Grundstück in bester Stadtlage zur Verfügung: Das Museum wächst am Königswall direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Um die Betriebskosten zu decken, müssten nach vorsichtigen Schätzungen des Stiftungssprechers Knut Hartwig etwa 250.000 jährlich dorthin pilgern.

Sollte die Rechnung nicht aufgehen, könnte es vor allem für die Stadt Dortmund teuer werden. Der Bund der Steuerzahler NRW warnt im Schwarzbuch 2012 davor, dass sich die mit fast 2,5 Milliarden Euro verschuldete Kommune das Museum langfristig nicht leisten könne und die Folgekosten für den Steuerzahler undurchsichtig blieben. Die Stadt als Museumsgesellschafter hafte unbegrenzt und müsse mögliche Verluste in unbegrenzter Höhe tragen, der DFB aber nur bis zu 250.000 Euro pro Jahr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×