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24.10.2015

02:34 Uhr

DFB-Museum in Dortmund

Im Schatten des Korruptionsverdachts

VonVictor Fritzen

Die Eröffnung des DFB-Museums wird zur Belastungsprobe. Drei Ehrengäste kommen erst gar nicht. Wolfgang Niersbach ist zwar da – liefert aber keine neuen Erkenntnisse. In die Mangel genommen wird jedoch sein Vorgänger.

Wolfgang Niersbach huschte schneller über den roten Teppich als es den Medien lieb war. Reuters

Gala-Versuch in Dortmund

Wolfgang Niersbach huschte schneller über den roten Teppich als es den Medien lieb war.

DortmundSie hatten alles eindrucksvoll hergerichtet, sich schmuck herausgeputzt. Ein langer knallroter Teppich lag aus. Die Ausstellungsstücke waren noch einmal poliert worden. Und an der Balustrade warteten etliche Fans. Doch die Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund stand am Freitagabend deutlich unter dem Eindruck der Korruptions-Diskussion um die WM-Vergabe von 2006.

Nur wenige Stunden vor der Gala hatte der „Spiegel“ Aussagen von Theo Zwanziger veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins wurde mit scharfen Aussagen Zwanzigers beworben. Der ehemalige DFB-Chef hat im Interview seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach als „Lügner“ bezeichnet und sei sich sicher, dass es 2006 eine „schwarze Kasse“ gegeben habe.

Fragen und Antworten zum DFB-Streit

Ist Niersbach nach Zwanzigers Vorwürfen als DFB-Chef zu halten?

Intern bekam der angeschlagene Niersbach am Freitag Rückendeckung, das DFB-Präsidium mit den Vertretern der Deutschen Fußball Liga stellte sich hinter ihn. Doch dabei dürfte es sich wohl nur um eine Unterstützung auf Zeit handeln. Durch die neuen Vorwürfe von Zwanziger wird das Ansehen von Niersbach weiter beschädigt. Auf lange Sicht wird er sich kaum im Amt halten können.

Was bewegt Zwanziger zu seiner Attacke?

Zwanziger scheint es um persönliche Rache zu gehen. Der 70-Jährige hat nie verwunden, dass er nach großer Kritik offenbar zu einem Rücktritt als DFB-Präsident gedrängt wurde und Niersbach seine Nachfolge antrat. Zwanziger gibt sich oft als Mann von Ethik und Moral, doch auch er ist in die dubiosen Machenschaften rund um die WM 2006 tief verstrickt. Dabei scheint er wissentlich in Kauf zu nehmen, das auch sein Image weitere Kratzer bekommt. Hauptsache sein Nachfolger bekommt Probleme.

Wie geht es jetzt weiter?

Vor allem die Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer ist jetzt gefragt, die für den Deutschen Fußball-Bund die externen Ermittlungen führt. Aber auch die FIFA-Ethikkommission wird nach den neuesten Entwicklungen nicht umhin kommen, Ermittlungen aufzunehmen. Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball hat eine lückenlose Aufklärung gefordert, wohlwissend, „dass wir Wochen, Monate und vielleicht noch sehr viel länger mit diesem Thema befasst sein werden“. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt sprach am Freitag weiter von einem „Beobachtungsvorgang“. Es ist aber nicht auszuschließen, das auch sie jetzt aktiver wird.

Was sagt die Beckenbauer zu den ganzen Vorkommnissen?

Weiter nichts. Beckenbauer hat sich bislang dafür entschieden, öffentlich zu schweigen. Seinen Auftritt bei der Gala im Dortmunder Fußballmuseum sagte er ab. Der 70-Jährige, der sonst keine Kamera scheut, bleibt abgetaucht. Dabei wird der Fußball-Kaiser immer mehr zur Schlüsselfigur in dem Fall. Schließlich soll er mit FIFA-Boss Joseph Blatter den 6,7-Millionen-Deal unter vier Augen ausgehandelt haben, was der Schweizer jedoch bestreitet. Bislang will Beckenbauer nur der DFB-Untersuchungskommission Rede und Antwort stehen, wie sein Management am Donnerstag mitteilte.

Und die Fifa mit Boss Joseph Blatter an der Spitze?

Die wies die Aussagen von Niersbach am Donnerstag nach erstem Kenntnisstand als falsch zurück. Es entspreche in keinster Weise den FIFA-Standardprozessen und Richtlinien, dass die finanzielle Unterstützung von WM-OKs an irgendwelche finanziellen Vorleistungen seitens des jeweiligen OKs oder seines Verbandes gekoppelt sei, hieß es. Zudem sei 2002 kein Geldeingang in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken registriert worden. Auch Blatter erklärte am Donnerstag sofort, er sei mit einem solchen Vorgang nicht betraut gewesen und wollte damit von einem angeblichen Vier-Augen-Gespräch mit Beckenbauer in dieser Sache nichts wissen. Zu den neuen Zwanziger-Aussagen äußerte sich die FIFA bislang nicht.

Welche Rolle spielte die Fifa wirklich?

Der zeitliche Kontext der Dreyfus-Überweisung im Januar 2002 ist zumindest interessant. Schließlich tobte zu diesem Zeitpunkt ein erbitterter Präsidentschaftswahlkampf zwischen Blatter und dem Kameruner Issa Hayatou. Blatter musste sich schon damals heftiger Korruptionsvorwürfe erwehren, setzte sich bei der Wahl im Sommer 2002 aber doch überraschend deutlich gegen Hayatou durch. Auch weil es ihm gelungen war, den Großteil der Europäer und auch den DFB hinter sich zu vereinen.

Entsprechend gespannt harrten die Journalisten vor dem Museum aus. Und die Reaktionen der Gäste waren deutlich. Der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, forderte Aufklärung: „Es darf keine Fragezeichen mehr geben. Wir wollen Klarheit. Man fragt sich schon, warum Theo Zwanziger die nicht schon in seiner Amtszeit geschaffen hat. Wahrscheinlich hatte er andere Interessen zu verfolgen. Wichtig ist, dass wir das Thema von den Füßen kriegen.“

Auch DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock griff vor allem seinen ehemaligen Chef an: „Wir hatten unter Zwanziger eine Angst- und Krisenkultur beim DFB. Man hätte das Thema schon in seiner Amtszeit angehen müssen. Ich verstehe nicht, warum er das nicht gemacht hat. Wir stehen voll hinter Niersbach.“ Auch Bundestrainer Joachim Löw positionierte sich: „Wahnsinn, hier gibt es so viel Geschichte zu bestaunen. Aber die Ereignisse der letzten Tage geben Anlass zum Nachdenken. Ich stehe hundertprozentig zu Wolfgang Niersbach. Aber leider steht heute etwas anderes im Vordergrund.“

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Das ist ein schwerer Schlag für DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: Sein Intimfeind, der ehemalige Verbandschef Theo Zwanziger, bezichtigt ihn der Lüge. Er sagt: Es gab eine schwarze Kasse bei der WM-Bewerbung.

Zum eigentlichen Anlass, der Museumseröffnung, schlenderte zu allererst Reinhard Rauball überpünktlich über den roten Teppich am Dortmunder Königswall. Der Ligapräsident und BVB-Boss war dann auch der erste, der sich äußerte. Es müsse alles aufgeklärt werden, detailliert und lückenlos. Eine Aussage, die zum Motto des Abends wurde. „Schade, dass die Eröffnung unter so einem ungünstigen Stern steht, weil dieses Haus doch eigentlich so etwas Schönes ist“, sagte auch die Stuttgarter Ikone Hansi Müller. Der Schütze des Jahrhundert-Tors, Klaus Fischer, könne sich die ganze Korruptionsgeschichte gar nicht vorstellen und hoffe auch, dass da nichts war.

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