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17.11.2015

10:53 Uhr

DFB-Präsidentenwahl

Wer wird der neue Niersbach?

Quelle:dpa

Am Rande des Länderspiels gegen die Niederlande treffen sich die Landesverbandschefs des DFB. Es geht auch um die Nachfolge von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident. Als Favorit gilt Schatzmeister Grindel.

Derzeit führen Rainer Koch und Reinhard Rauball den DFB übergangsweise an. dpa

Interimslösung

Derzeit führen Rainer Koch und Reinhard Rauball den DFB übergangsweise an.

HannoverDie 21 Landesverbandspräsidenten des Deutschen Fußball-Bundes treffen sich in Hannover, um das weitere Vorgehen in der DFB-Krise zu besprechen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach einem außerordentlichen Bundestag. Dort könnte der Nachfolger des zurückgetretenen Verbandspräsidenten Wolfgang Niersbach gewählt werden. Derzeit führen Bayerns Verbandschef Rainer Koch und Ligapräsident Reinhard Rauball den DFB übergangsweise an.

Als derzeitige Favoriten des Amateurlagers gelten Koch und der DFB-Schatzmeister und CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel. Beide haben sich öffentlich noch nicht konkret zu einer Kandidatur geäußert. Rauball mahnte unterdessen die Landesverbände vor ihrer Sitzung zur Zurückhaltung in der Frage des Niersbach-Nachfolgers.

„Es ist das Recht der Landes- und Regionalverbände, Vorschläge zu machen. Die weitere Marschroute, was die Strategie, die Inhalte, die Termine und auch die Personen betrifft, sollte aber erst in der Präsidiumssitzung des DFB am kommenden Freitag besprochen, beschlossen und dann veröffentlicht werden”, sagte Rauball der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.

DFB-Affäre um WM 2006

16. Oktober

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) räumt in einer Pressemitteilung Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband Fifa ein.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass für den Zuschlag der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen sei, um damit vier entscheidende Stimmen im Fifa-Exekutivkomitee zu kaufen. Das Geld soll vom ehemaligen Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus gekommen sein. Der DFB weist den „Spiegel“-Bericht als haltlos zurück.

17. Oktober

Erstmals äußert sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu den Vorwürfen: „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat.“

18. Oktober

Franz Beckenbauer meldet sich zu Wort und dementiert den „Spiegel“-Bericht: „Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

19. Oktober

Die Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren. Als mögliche Tatbestände nennt eine Sprecherin Betrug, Untreue oder Korruption.

Niersbach weist die Korruptionsvorwürfe erneut vehement zurück, räumt aber erstmals „den einen offenen Punkt“ ein: „Dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden.“

Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger äußert Zweifel an der internen Aufarbeitung des DFB.

21. Oktober

Die DFB-Landesverbände fordern von Niersbach eine schnelle Aufklärung der Korruptionsvorwürfe.

22. Oktober

Niersbach tritt in Frankfurt sichtlich erschöpft vor die Presse und bringt nur wenig Licht ins Dunkel um die WM 2006.

23. Oktober

Das DFB-Präsidium stärkt Niersbach den Rücken, hält aber „strikt daran fest [...], dass lückenlos aufgeklärt wird.“

Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge und berichtet im „Spiegel“ von der vermeintlichen Existenz einer schwarzen Kasse „in der deutschen WM-Bewerbung“. Es sei „ebenso klar, dass der heutige Präsident des DFB davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005“.

26. Oktober

Beckenbauer räumt in der Affäre erstmals einen „Fehler“ ein. Das Organisationskomitee hätte nicht auf einen Vorschlag der Fifa-Finanzkommission eingehen dürfen, um einen Finanzzuschuss zu bekommen, teilte der damalige OK-Präsident mit.

27. Oktober

Die vom DFB beauftragte Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer erklärt, mit Ergebnissen in der Affäre sei nicht schnell zu rechnen.

28. Oktober

Zwanziger sagt vor den externen Ermittlern der Anwaltskanzlei aus: „Ich habe dort alle meine Dokumente vorgelegt, meine Anmerkungen und meine Einschätzungen präsentiert.“

3. November

Die Staatsanwaltschaft führt beim DFB in Frankfurt/Main eine Steuer-Razzia durch. Zudem durchsucht sie die Wohnungen von Niersbach, Zwanziger und dem ehemaligen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt. Die Beamten ermitteln im Zusammenhang mit 6,7-Millionen-Euro-Zahlung wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

6. November

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ veröffentlicht angeblich von Niersbach stammende handschriftliche Notizen auf einem Schreiben des WM-OK an die Fifa aus dem Jahr 2004. Diese sollen belegen, dass der heutige DFB-Präsident nicht erst in diesem Jahr von den umstrittenen Vorgängen Kenntnis hatte.

9. November

Nach einer Sitzung des DFB-Präsidiums und einem Treffen mit den Chefs der fünf Regional- und 21 Landesverbänden erklärt Wolfgang Niersbach seinen Rücktritt als Präsident des Deutschen Fußball-Bunds. Niersbach erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen und sieht sich mit vielen offenen Fragen konfrontiert. Umso schwerer sei ihm die Entscheidung gefallen, die politische Konsequenz daraus zu ziehen.

In der vergangenen Woche war bereits davon die Rede, dass sich die Landesverbände auf DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel als Niersbach-Nachfolger geeinigt hätten. Wie die Bild-Zeitung berichtet, soll Vizepräsident Rainer Koch (56) zugunsten des bisherigen Schatzmeisters Reinhard Grindel (54) auf seine Kandidatur verzichten. Koch führt derzeit gemeinsam mit DFL-Präsident Reinhard Rauball kommissarisch die Geschäfte beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Der CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel soll die Mehrheit der Landesverbandspräsidenten hinter sich wissen.

Rauball forderte die Amateur-Abteilung auf, „eine Blockbildung” im Ansatz und damit „englische Verhältnisse” zu verhindern. „Wir wollen ein Miteinander von Amateur- und Profiseite”, sagte der Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), der eine eigene Kandidatur erneut ausschloss.

Beckenbauer-Intimus Fedor Radmann: Der Geldbote des Fußballs

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Premium Der Geldbote des Fußballs

Seit langem ist er der Macher hinter Franz Beckenbauer. Jetzt werfen die Untersuchungen beim DFB ein grelles Licht auf lange verborgene Aktivitäten des Strippenziehers, der eine Schlüsselrolle bei der Vergabe der WM 2006 spielt.

Zudem geht es am Dienstag um die Aufklärung der Vorwürfe, wonach es bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nicht rechtmäßig zugegangen sei. Der hessische „Landesfürst” Rolf Hocke rechnet mit neuen Ermittlungsergebnissen. „Ich erwarte aktuelle Zwischenberichte von der Steuerbehörde und der Wirtschaftskanzlei Freshfields”, sagte Hocke der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kanzlei wurde vom DFB mit der externen Untersuchung beauftragt. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt im Zuge der dubiosen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des DFB an den Weltverband FIFA wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Koch hofft in der Präsidentenfrage auf eine „einheitliche Position” der Landesverbandsvertreter. Diese will man in die DFB-Präsidiumssitzung am Freitag in Frankfurt/Main tragen. Der nächste ordentliche Bundestag ist erst für Anfang November 2016 in Erfurt angesetzt.

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