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14.11.2015

12:15 Uhr

DFB-Skandal um WM 2006

Nun ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft

Laut einem Bericht der „SZ“ schlägt der DFB-Skandal weitere Wellen. Nun ermittelt wohl auch die Schweizer Bundesanwaltschaft. Die hat mittlerweile gut zu tun mit Skandalen rund um Fußball-Weltmeisterschaften.

Die WM 2006 ist nun ein Fall für die Schweizer Bundesanwaltschaft. ap

Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer

Die WM 2006 ist nun ein Fall für die Schweizer Bundesanwaltschaft.

FrankfurtIm Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006 ermittelt nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) inzwischen auch die Schweizer Bundesanwaltschaft. Die Behörde hatte bereits im Mai ein Strafverfahren eröffnet, um Unregelmäßigkeiten rund um die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu untersuchen.

Später leitete sich aus diesen Ermittlungen ein Verfahren ab, in dem FIFA-Präsident Joseph Blatter als Beschuldigter und UEFA-Boss Michel Platini als sogenannte Auskunftsperson geführt sind. Die beiden Topfunktionäre sind von ihren Ämtern suspendiert.

DFB-Affäre um WM 2006

16. Oktober

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) räumt in einer Pressemitteilung Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband Fifa ein.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass für den Zuschlag der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen sei, um damit vier entscheidende Stimmen im Fifa-Exekutivkomitee zu kaufen. Das Geld soll vom ehemaligen Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus gekommen sein. Der DFB weist den „Spiegel“-Bericht als haltlos zurück.

17. Oktober

Erstmals äußert sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu den Vorwürfen: „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat.“

18. Oktober

Franz Beckenbauer meldet sich zu Wort und dementiert den „Spiegel“-Bericht: „Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

19. Oktober

Die Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren. Als mögliche Tatbestände nennt eine Sprecherin Betrug, Untreue oder Korruption.

Niersbach weist die Korruptionsvorwürfe erneut vehement zurück, räumt aber erstmals „den einen offenen Punkt“ ein: „Dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden.“

Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger äußert Zweifel an der internen Aufarbeitung des DFB.

21. Oktober

Die DFB-Landesverbände fordern von Niersbach eine schnelle Aufklärung der Korruptionsvorwürfe.

22. Oktober

Niersbach tritt in Frankfurt sichtlich erschöpft vor die Presse und bringt nur wenig Licht ins Dunkel um die WM 2006.

23. Oktober

Das DFB-Präsidium stärkt Niersbach den Rücken, hält aber „strikt daran fest [...], dass lückenlos aufgeklärt wird.“

Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge und berichtet im „Spiegel“ von der vermeintlichen Existenz einer schwarzen Kasse „in der deutschen WM-Bewerbung“. Es sei „ebenso klar, dass der heutige Präsident des DFB davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005“.

26. Oktober

Beckenbauer räumt in der Affäre erstmals einen „Fehler“ ein. Das Organisationskomitee hätte nicht auf einen Vorschlag der Fifa-Finanzkommission eingehen dürfen, um einen Finanzzuschuss zu bekommen, teilte der damalige OK-Präsident mit.

27. Oktober

Die vom DFB beauftragte Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer erklärt, mit Ergebnissen in der Affäre sei nicht schnell zu rechnen.

28. Oktober

Zwanziger sagt vor den externen Ermittlern der Anwaltskanzlei aus: „Ich habe dort alle meine Dokumente vorgelegt, meine Anmerkungen und meine Einschätzungen präsentiert.“

3. November

Die Staatsanwaltschaft führt beim DFB in Frankfurt/Main eine Steuer-Razzia durch. Zudem durchsucht sie die Wohnungen von Niersbach, Zwanziger und dem ehemaligen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt. Die Beamten ermitteln im Zusammenhang mit 6,7-Millionen-Euro-Zahlung wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

6. November

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ veröffentlicht angeblich von Niersbach stammende handschriftliche Notizen auf einem Schreiben des WM-OK an die Fifa aus dem Jahr 2004. Diese sollen belegen, dass der heutige DFB-Präsident nicht erst in diesem Jahr von den umstrittenen Vorgängen Kenntnis hatte.

9. November

Nach einer Sitzung des DFB-Präsidiums und einem Treffen mit den Chefs der fünf Regional- und 21 Landesverbänden erklärt Wolfgang Niersbach seinen Rücktritt als Präsident des Deutschen Fußball-Bunds. Niersbach erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen und sieht sich mit vielen offenen Fragen konfrontiert. Umso schwerer sei ihm die Entscheidung gefallen, die politische Konsequenz daraus zu ziehen.

Eine Bestätigung der Schweizer Bundesanwaltschaft, dass sie auch in Sachen Deutscher Fußball-Bund ermittelt, gibt es allerdings nicht. Ein Sprecher der Behörde kommentierte das auf Anfrage der „SZ“ nicht. Der DFB war wegen einer dubiosen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung an den Weltverband ins Zwielicht geraten, deren Verwendung weiter ungeklärt ist. Das Geld lief zunächst über den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus.

In Erklärungsnot steckt vor allem Franz Beckenbauer als damaliger Chef des deutschen WM-Organisationskomitees. Der „Kaiser“ hat sich bislang nicht öffentlich zu Details des Finanztransfers geäußert und steht nach dem Fund eines Vertragsentwurfs beim DFB unter Verdacht, kurz vor der WM-Vergabe einen schmutzigen Deal mit dem damaligen FIFA-Wahlmann Jack Warner aus Trinidad und Tobago zumindest geplant zu haben. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den DFB wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Von

dpa

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