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14.07.2017

14:13 Uhr

DFB-Sponsor

VW sticht Mercedes bei Nationalmannschaft aus

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bekommt einen neuen Automobilpartner: Volkswagen lässt sich das einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr kosten. Der VW-Vorstand jubelt. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Neuer DFB-Sponsor VW

Win-win-Situation: Image-Boost für VW, mehr Geld für den DFB

Neuer DFB-Sponsor VW: Win-win-Situation: Image-Boost für VW, mehr Geld für den DFB

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DüsseldorfEs ist eine historische Entscheidung. Nach 45 Jahren trennt sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vom Sponsor Mercedes-Benz. Künftig wird Volkswagen der größte Geldgeber werden, wie der DFB am Freitag bekanntgab. Volkswagen soll als Hauptsponsor zwischen 25 bis 30 Millionen Euro pro Jahr zahlen, berichten Insider. Das ist offenbar deutlich mehr, als Mercedes bislang bereitstellte. Der Stuttgarter Autobauer hatte sein Engagement beim DFB 1972 begonnen. 1990 wurde der Konzern Generalsponsor. Zuletzt sollen dafür rund acht Millionen Euro pro Jahr an den DFB geflossen sein.

Zum ersten Mal hatte der Fußball-Bund das Sponsoring für die Nationalmannschaft und den DFB-Pokal gemeinsam ausgeschrieben. VW ist bereits seit 2012 Sponsor des DFB-Pokals, der Vertrag wird entsprechend verlängert, hieß es. Der DFB habe sich nach einem offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Ausschreibungsprozesses einstimmig für eine Zusammenarbeit mit dem Wolfsburger Autohersteller ausgesprochen, erklärte der Verband.

Daimler und der DFB

Vertragsverlängerung

Am 9. August 2011 verlängerten der DFB und Mercedes Benz den 2012 endenden Vertrag vorzeitig um abermals sechs Jahre, womit die bewährte Partnerschaft mit dem DFB-Generalsponsor bis 2018 fortgesetzt wird.

Freude pur

Daimler-Chef Dieter Zetsche betonte: „Die Zusammenarbeit zwischen Mercedes-Benz und dem Deutschen Fußball-Bund ruht auf einem starken Fundament – den gemeinsamen Werten Verantwortung, Faszination und Perfektion. Dies sind auch künftig beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kooperation.“

Exklusiv und langfristig

Mit dieser Vertragsverlängerung bleibt der DFB seinen wichtigsten Marketing-Grundsätzen treu: Produktexklusivität zu garantieren, Langfristigkeit der Verträge zu erreichen und damit Planungssicherheit und Kontinuität für sich und seine Partner zu gewährleisten.

Lange Partnerschaft

1972 war die Partnerschaft begonnen worden, 1990 wurde sie mit dem Vertrag als Generalsponsor ausgeweitet. Das ist ungewöhnlich lange im Sport.

Werbung

Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, wirbt als Testimonial für die Mercedes-Kommunikation – genauso wie Bundestrainer Joachim Löw, der als Markenrepräsentant für Mercedes-Benz tätig ist.

Vertraulichkeit

Über die wirtschaftlichen Details des neuen Vertrags wurde Vertraulichkeit vereinbart. Klar ist, dass Mercedes-Benz das exklusive Recht behält, auf der Trainings- und Freizeitkleidung der Männer- und Frauen-Nationalmannschaften weiterhin mit dem Stern und dem Namen des Unternehmens zu werben.

Gerüchte

„Sport Bild“ schrieb von 50 Millionen Euro, die der Autobauer in den sechs Jahren angeblich überweist. Bisher flossen dem Vernehmen nach sechs Millionen Euro pro Jahr – künftig wären es also gut acht Millionen Euro pro Jahr, also mindestens zwei Millionen mehr.

Preise

Zu den Vertragsinhalten zählt außerdem, dass Mercedes-Benz auch in Zukunft gemeinsam mit dem DFB den alljährlichen Integrationspreis vergeben wird und weitere gesellschafts- und sozialpolitische Aktionen, zum Beispiel im Bereich Klima- und Umweltschutz, geplant und entwickelt werden sollen.

Der Vertrag mit VW werde am 1. Januar 2019 beginnen und habe eine Laufzeit bis zum 31. Juli 2024. „Wir wollen künftig nicht nur Partner der Nationalmannschaften sein, wir wollen an der Seite des gesamten deutschen Fußballs mit seinen 25.000 Vereinen und sieben Millionen Mitgliedern stehen“, betonte VW-Markenchef Herbert Diess. Die Partnerschaft des DFB mit Mercedes-Benz endet zum 31. Dezember 2018, nach der Weltmeisterschaft. DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärte: „Wir freuen uns sehr, Volkswagen ab 2019 als Mobilitätspartner an unserer Seite zu haben. Es passt zum DFB, dass VW mit seinem Engagement den gesamten Fußball von der Spitze bis zur Basis im Blick hat, das zeigt sich nicht zuletzt in den vielen regionalen und lokalen Partnerschaften der VW-Händler mit Amateurvereinen.“

Gleichzeitig sei Volkswagen als global agierendes Unternehmen ein starker Partner, um die Internationalisierung vor allem in China weiter voranzutreiben. Die „signifikante Steigerung der Einnahmen“ durch den neuen Vertrag gebe dem DFB künftig mehr Spielraum, den vielfältigen Aufgaben des Verbandes nachzukommen und die gemeinnützigen Zwecke noch nachhaltiger umzusetzen, fügte Grindel hinzu.

VW erhofft sich nach dem Skandal um manipulierte Diesel-Autos einen deutlichen Imagegewinn durch die Partnerschaft mit dem Fußball-Verband. Fußball ist ein emotionaler Sport, es bietet sich für den Autobauer also kaum ein besserer Weg, die Menschen zu erreichen - und beispielsweise für Elektromobilität zu sensibilisieren. „Über Sponsoring können Zielgruppen erreicht werden, die sich klassischer Werbeoffensiven weitestgehend entziehen“, erklärt Marketingexperte Frank Huber von der Universität Mainz. Akzeptanz sowie Toleranzgrenzen der Empfänger seien wesentlich höher als bei allen anderen Kommunikations- und Werbeformen. Hinzu kommt, dass die Firmen natürlich vom positiven Bild eines Vereins - oder eben der Nationalmannschaft - profitieren wollen, um mehr Aufmerksamkeit für die eigene Marke zu bekommen. „Auch wenn die Vorgänge nicht vergleichbar sind, eint den DFB und VW die Notwendigkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die richtigen Maßnahmen für die Zukunft abzuleiten“, räumte Grindel ein und spielte dabei auf die intransparente Aufarbeitung rund um die Vergabe der WM 2006 in Deutschland an.

Kommentare (10)

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Herr Old Harold

14.07.2017, 13:46 Uhr


"Geld stinkt nicht!", hat sich der DFB offenbar gesagt.

(Nach den Diesel-Betrügern, sollte sich die Camorra schon `mal vormerken lassen.)

Herr Tomas Maidan

14.07.2017, 14:29 Uhr

Wer hat denn überhaupt noch Lust auf die WM in RUSSLAND? Wenn Putins Trolle auch im deutschen Wahlkampf eine Trump-Show abziehen wollen, vergeht einem wirklich die Lust auf russische "Lebensart"... Vielleicht gibts bis dahin sowieso einen totalen Russland-Boykott.

Herr Mirko Schlutz

14.07.2017, 14:39 Uhr

Bei der WM in Katar (während wir in Deutschland Fussball schauen und Glühwein trinken können) bekommt man auch schon richtig Vorfreude.

Aber wenigstens haben wir bei beiden VW als Hauptsponsor.
Darauf: "Bitte ein Bit!"

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