Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.10.2015

07:51 Uhr

DFB-Sponsoren

Daimler fordert Aufklärung, Adidas schweigt

Quelle:dpa

Eine Reihe wichtiger Sponsoren des Deutschen Fußballbundes fordern eine lückenlose Aufklärung der finanziellen Vorgänge rund um die WM 2006. Offensiv wirken Daimler und Allianz. Defensiv agiert dagegen Adidas.

Im Hintergrund immer sichtbar: Die zahlreichen Sponsoren der Nationalmannschaft. Foto: Marcus Brandt dpa

Hintergrund

Im Hintergrund immer sichtbar: Die zahlreichen Sponsoren der Nationalmannschaft. Foto: Marcus Brandt

Allianz: «Die Allianz hat seit 2011 eine gute und erfolgreiche Partnerschaft mit dem Deutschen Fußball-BundDie Sponsoren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben eine lückenlose Aufklärung der Affäre um mögliche schwarze Kassen bei der WM 2006 gefordert. „Wir begrüßen, dass der DFB eine internationale Wirtschaftskanzlei beauftragt hat und erwarten, dass es zu einer schnellen und umfassenden Aufklärung der Fakten kommt”, hieß es bei Coca Cola.

„Wir beobachten die Entwicklung genau und begrüßen eine lückenlose Aufklärung”, sagte ein Daimler-Sprecher. Die Deutsche Telekom stärkte dem Verband den Rücken. Der DFB habe zugesichert, die erhobenen Vorwürfe zu prüfen und aufzuklären, sagte Konzernsprecher Stephan Althoff am Mittwoch in Bonn.

„Wir als Partner der WM 2006 und Partner des DFB begrüßen dieses Vorgehen”. Die Verantwortlichen des DFB wüssten, dass sie dabei unter großem Zeitdruck stehen, betonte Althoff. Das Softwareunternehmen SAP und die Deutsche Post wollten sich nicht zu der Affäre äußern. Von der Commerzbank gab es zunächst keine Antwort. Zuerst hatte die „Sport Bild” über die Forderung nach Aufklärung durch die Sponsoren berichtet.

Fifa, DFB und der ISL-Skandal

Was ist ISL?

Ins Leben gerufen wurde die International Sport and Leisure (ISL) Mitte der 1980er-Jahre vom damaligen Adidas-Chef Horst Dassler. Die Schweizer Agentur war eine Tochtergesellschaft der ISMM-Gruppe, die mit den Rechten für die Fußball-Weltmeisterschaften handelte.

Was zahlte ISL?

Allein für die außereuropäischen TV-Rechte zur WM 2002 und 2006 zahlte die ISL der FIFA 1,4 Milliarden Franken. Aber auch die Olympischen Spiele sowie Tennis- und Motorsport-Wettbewerbe gehörten zum Portfolio.

Was passierte 2001?

Im Jahr 2001 ging die ISL bankrott. Der FIFA entstand dadurch ein Schaden von 51 Millionen Schweizer Franken – ein Verlust, der durch höhere neue Vermarktungseinnahmen später auf 36,9 Millionen Franken begrenzt werden konnte.

Wer folgte auf die ISL?

Die Fernsehrechte an der WM 2006 übernahm die Agentur Infront um Manager Günter Netzer und Gesellschafter Robert Louis-Dreyfus. Der Franzose soll dem DFB vor der WM 2006 das Geld für die kürzlich publik gewordene ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro geliehen haben.

Welche Rolle spielt Netzer?

Von Netzer will der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger laut einem aktuellen „Spiegel“-Bericht erfahren haben, dass das Geld zum Stimmenkauf für die WM-Vergabe genutzt wurde – Netzer bestreitet das.

Gab es Korruption?

In einem Strafprozess gegen die ISL wurden 2008 mehrere Zahlungen an hochrangige Sportfunktionäre bekannt, unter anderem der FIFA und des Internationalen Olympisches Komitees IOC. 138 Millionen Franken sollen zwischen 1989 und 2001 über eine Stiftung in Liechtenstein verteilt worden sein – offenbar, um sich die lukrativen Marketingrechte zu sichern.

Wer ist betroffen?

Der ehemalige FIFA-Präsident João Havelange erhielt demnach 1,5 Millionen Franken, Ricardo Teixeira als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees rund 12,7 Millionen Franken. Eine Strafuntersuchung gegen die FIFA wegen Korruptionsvorwürfen stellte die Schweizer Staatsanwaltschaft im Jahr 2010 gegen eine Zahlung von 5,5 Millionen Franken ein.

Was muss noch aufgeklärt werden?

Zwanziger forderte schon im Jahr 2012, dass auch die Rolle der ISL bei der WM-Vergabe 2006 untersucht werden solle. Dem „Spiegel“ zufolge nahm Zwanziger die ISL-Akte zudem zum Anlass, einen Anwalt prüfen zu lassen, ob er sich bei der 6,7-Millionen-Zahlung des DFB möglicherweise selbst strafbar gemacht hat - was dessen Gutachten zufolge nicht der Fall gewesen sein soll.

Im Zentrum der Affäre steht eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die laut Darstellung von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach an die Finanzkommission der FIFA gegangen sein soll. Durch diese soll das Organisationskomitee eine Unterstützung in Höhe von 170 Millionen Euro erhalten haben. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach von einer „schwarzen Kasse”. Den im Raum stehenden Vorwurf eines Stimmenkaufs wies der DFB mehrfach zurück.

„Zu den Gerüchten und Spekulationen rund um die WM-Vergabe äußern wir uns aktuell nicht, da wir Gerüchte und Spekulationen grundsätzlich nicht kommentieren”, hieß es bei Adidas. Auf die Frage, ob ein Engagement beim DFB angesichts der Korruptionsgerüchte künftig auf den Prüfstand gestellt werden könnte, antwortete Daimler ausweichend. Die Frage, ob das Engagement auf den Prüfstand gestellt werde, sollte die Affäre nicht aufgeklärt werden, stelle sich derzeit nicht”, sagte ein Sprecher. Andere Sponsoren wollten sich dazu nicht äußern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×