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16.11.2015

09:42 Uhr

DFB-Team gegen Oranje

Sicherheit steht an erster Stelle

Quelle:dpa

An einem freien Sonntag konnten sich die Fußball-Nationalspieler von den schrecklichen Eindrücken in Paris erholen. Nun beginnt die Vorbereitung auf den Jahresabschluss gegen Holland. Kein normales Länderspiel.

Löw zum Länderspiel

„Rivalität von Deutschland und Holland soll in den Hintergrund treten“

Löw zum Länderspiel: „Rivalität von Deutschland und Holland soll in den Hintergrund treten“

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Jérôme BoatengNach den Terroranschlägen von Paris trifft sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Montagmittag in Barsinghausen zur Vorbereitung auf das Testländerspiel gegen die Niederlande. „Jetzt sind wir gefordert, ein Signal zu setzen”, sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch der ARD mit Blick auf die Partie am Dienstagabend in Hannover. Angesichts der Ereignisse in Frankreich sei klar: „Sicherheit hat Prio 1”, betonte Koch.

Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff werden sich um 13.00 Uhr bei einer Pressekonferenz zu dem letzten Länderspiel des Jahres äußern. Man wolle als Mannschaft ein Zeichen der Gemeinschaft setzen, mit dem französischen Volk und mit den Angehörigen der Opfer, hatte Bierhoff angekündigt. Auch Kanzlerin Angela Merkel wird mit Bundesministern am Dienstagabend im Stadion dabei sein.

„Wir dürfen gemeinsam dem Terror nicht weichen. Wir sind wehrhaft”, sagte Koch. „Die Gesellschaft muss natürlich Trauer zeigen. Und sich dann überlegen, wie geht es weiter”, betonte der Funktionär.

Reaktionen der Nationalspieler

Mats Hummels

„Zurück in Deutschland. Unglaublich, was gestern passiert ist. Diese Welt ist jetzt wirklich beschissen. Meine Gedanken sind bei denjenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben.“

Ilkay Gündogan

„Wir sind sicher angekommen. Nach einer schockierenden Nacht sind unsere Gedanken bei all den Leuten, die von den Attacken betroffen sind.“

André Schürrle

„Was für eine schreckliche Nacht. Meine Gedanken sind bei den Familien, die ihre Liebsten verloren haben.“

Mario Götze

„Unglaublich - was für eine Tragödie. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Toni Kroos

„Was ist das für eine kranke Welt?“

Antonio Rüdiger

„Wir sind gesund zurück, aber was bleibt, ist ein Schock und die Trauer über all die Opfer und ihre Familien.“

Bernd Leno

„Wir sind daheim gesund angekommen und können nun zu unseren Familien. Meine Gedanken sind aber bei den Opfern und deren Familien.“

Paul Pogba

„Das ist kein Angriff auf Paris, das ist eine weitere Attacke auf die Menschheit. Menschen aus einigen Religionen und Ländern hassen die Freiheit und die Werte des Westens. Sie wollen herkommen, um andere Menschen zu töten. Diese Terroristen werden wir besiegen. Die Kraft der Franzosen und der ganzen Welt muss steigen. Steht auf und sagt nein zu diesen Terroristen und Religionen. Baut keinen Hass auf, seid gute Menschen und verändert die Welt positiv.“

Antoine Griezmann

„In Gedenken an die Opfer der Attacken. Ich danke Gott, dass es meine Schwester rechtzeitig aus dem Bataclan geschafft hat. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Laurent Koscielny

„Keine Worte. So traurig. Beten.“

Löw hat den Kader im Vergleich zu dem von Anschlägen mit mehr als 120 Toten überschatteten Spiel am vergangenen Freitag in Paris gegen EM-Gastgeber Frankreich um sechs Spieler auf 18 Akteure verkleinert. Nicht mehr im Aufgebot stehen Kapitän Bastian Schweinsteiger, Torwart Manuel Neuer und Lukas Podolski, die von Löw eine Pause bekommen.

Jérôme Boateng (Knie) und Jonas Hector (Oberschenkel) sind angeschlagen. Leroy Sané reist wie vorab vereinbart zur U 21. Nach der Rückkehr aus Paris hatte Löw die Spieler zunächst nach Hause zu ihren Familien entlassen. 

DFB-Team im Terror von Paris: Der Sport ist nicht einmal mehr Nebensache

DFB-Team im Terror von Paris

Der Sport ist nicht einmal mehr Nebensache

Die Nacht mit 70 Menschen im Kabinentrakt verbracht, lange Ungewissheit, mittendrin im Terror: Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft endet eine albtraumhafte Nacht in Frankfurt, in Sicherheit.

„Der Sport steht jetzt total im Hintergrund”, hatte Löw unter dem Eindruck der Ereignisse in Paris gesagt. Gemeinsam mit „den Freunden vom holländischen Fußballverband” werde man sich „einige Aktionen einfallen lassen”, um der Partie gegen die Niederlande einen würdigen Rahmen zu verleihen, versicherte Koch. 

Stellungnahme der Nationalmannschaft zum Terror in Paris

Länderspiel-Kader

DFB-Teammanager

Oliver Bierhoff berichtet über die Nacht in Paris

DFB-Teammanager: Oliver Bierhoff berichtet über die Nacht in Paris

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Die Schauplätze des Terrors in Paris im November 2015

Das Bataclan

Der Musikclub am Boulevard Voltaire gehört zu den bekanntesten Konzerthallen der Stadt. Ein Sichtschutz versperrt am Sonntag den Blick auf den Eingang des Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert. Auf der Anzeigetafel wird noch für das Konzert der US-Rockband „Eagles of Death Metal“ geworben, bei dem mindestens 80 Menschen getötet wurden. Journalisten aus aller Welt stehen aufgereiht an den Absperrgittern, ein Meer aus Teelichtern, Blumen und kleinen Zetteln erinnert an die Opfer. Auf dem Pflasterstein liegt auch ein Notenblatt von John Lennons „Imagine“, umrahmt von herzförmig gelegten Kerzen. „Hier wird nichts mehr so sein, wie es war“, sagt Hermano, ein italienischer Tänzer. Er kenne das „Bataclan“ von seinen Abenden, er hat Tränen in den Augen.

Rue Alibert

Eine kleine Kreuzung im 11. Arrondissement, fünf Straßen kommen hier zusammen, graue fünfstöckige Häuser ohne größeren Charme. Vor zwei kleinen Bars, zwei Schauplätzen des Terrors, dieselbe Szenerie: Blumen, Kerzen, Zettel. Der metallene Rollladen des beliebten Le Petit Cambodge ist verschlossen, gleich gegenüber stecken Rosen in den Einschusslöchern des Cafés Le Carillon, einer weiteren stark frequentierte Bar. Die Speisekarte hängt noch an der Türe. Es drückt eine schwere Stille auf den Platz, auf dem am Sonntagmittag Dutzende Menschen zusammengekommen sind. „Das Leben wird weitergehen, aber es wird nicht wiederzuerkennen sein“, sagt Alain (48), der in der Straße wohnt.

Rue de la Fontaine-au-Roi

Nur wenige Schritte sind es von der Rue Alibert zur nächsten Kreuzung, an der der Terror seine Spuren hinterlassen hat. Auch vor dem Café Bonne Bière und dem gegenüberliegenden Restaurant Bar Cosa in der Nähe des beliebten Kanal Saint-Martin haben sich Trauernde und Neugierige versammelt, sie lesen die Zettel, die Mut machen sollen. „Trotzdem keine Angst“, heißt es da und „Wir gehen nicht unter“. Im Bonne Bière stehen noch Gläser auf den Tischen, vor der Bar Cosa verdeckt feiner Sand die teils noch immer deutlichen Blutspuren. Der Blumenhändler an der Kreuzung verpackt hektisch einzelne Rosen. „Natürlich ist mehr los als sonst“, sagt er.

Stade de France

Der Bereich, in denen zwei Bomben gezündet wurden, ist weiter abgesperrt. Polizisten bewachen die etwa 150 Meter der Avenue Jules Rimet entlang der Eingänge C bis G. Vor der Brasserie gegenüber von Tor D liegen noch zusammengekehrte Trümmer. Berichten zufolge wollte mindestens einer der insgesamt drei Attentäter seine Bombe eigentlich im Stadion zünden. Aber auch so wirkt die Nähe zum Stade de France, das am Freitag mit fast 80 000 Menschen gefüllt war, zwei Tage später noch beklemmend. Nur ein paar Meter sind es zum Finalort der EM 2016. Dort, wo am Freitagabend Fans teilweise Schutz auf dem Rasen suchten, herrscht am Sonntag Leere.

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