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31.08.2016

23:17 Uhr

DFB-Team gewinnt gegen Finnland

Abschied mit Tränen: „Servus Basti“

Es flossen viele Tränen, das Publikum applaudierte nur für ihn: Bastian Schweinsteiger absolvierte sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft. Die Partie gegen Finnland konnte das DFB-Team für sich entscheiden.

Länderspiel: Deutschland gegen Finnland im Stadion im Borussia-Park in Mönchengladbach: „Dass es so schön sein würde, hatte ich mir nicht vorstellen können“, sagte Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel im ZDF. dpa

Deutschland - Finnland

Länderspiel: Deutschland gegen Finnland im Stadion im Borussia-Park in Mönchengladbach: „Dass es so schön sein würde, hatte ich mir nicht vorstellen können“, sagte Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel im ZDF.

MönchengladbachDie Luft reichte für 66 Minuten. Dann war der Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger Geschichte. Der 32 Jahre alte Kapitän umarmte den Schiedsrichter, applaudierte den Fans und ging strahlend vom Rasen. 1:0 führte Weltmeister Deutschland da gegen Finnland.

Schweinsteiger umarmte erst am Spielfeldrand den für ihn eingewechselten Dortmunder Julian Weigl, dann verabschiedete er sich nacheinander von Bundestrainer Joachim Löw und allen, die auf und neben der deutschen Ersatzbank saßen. Die schwarz-rot-goldene Kapitänsbinde blieb am rechten Arm, sie übernahm am Mittwochabend später Thomas Müller. Schweinsteiger ging als Käpt'n.

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Einen emotionalen Abend hatte Schweinsteiger vorhergesagt. Aber es kam noch extremer als von ihm selbst erwartet. Schon vor dem Anpfiff übermannten ihn die Gefühle. „Dass es so schön sein würde, hatte ich mir nicht vorstellen können“, sagte der Star des Abends nach dem Spiel im ZDF. „Die Nationalmannschaft ist wie eine Familie.“ Bundestrainer Joachim Löw würdigte ihn: „Ohne ihn wären die Erfolg nicht möglich gewesen.“

Die Tränen rannen nur so aus Schweinsteigers Augen, als er vor den Nationalhymnen auf dem Rasen verabschiedet wurde, das Publikum ihm stehend applaudierte. In der Fankurve gab es eine Choreographie: „Deine Leidenschaft und dein Kampfgeist haben die Mannschaft geprägt - Basti wir sagen danke und wehmütig SERVUS.“

Nach Worten des Danks von DFB-Präsident Reinhard Grindel wandte sich Schweinsteiger auch via Mikrofon an die Zuschauer: „Das bedeutet mir sehr viel, dass jeder einzelne hier steht.“ 30 121 Besucher waren immerhin gekommen, um ihn ein 121. und letztes Mal im Nationaltrikot spielen zu sehen. „Es war für mich eine große Ehre, für Deutschland und euch Fans zu spielen“, sagte der Weltmeister. Die Fans klatschten lange, „Fußball-Gott“ schallte durch den Borussia-Park.

Joachim Löw hatte seinem Kapitän zum Abschied zehn überwiegend sehr junge Spieler an die Seite gestellt, die es vor dem Anpfiff zusammen auf weniger Länderspiele brachten als ihr Anführer - 117 zu 120. Das Testspiel-Tempo stellte ihn nicht vor größere Probleme, zudem hielten die finnischen Gegenspieler einen Sicherheitsabstand. Die Zuschauer beklatschten jede Aktion, und Deutschlands Nummer 7 hatte noch ein paar auffällige Szenen: Schweinsteiger passte fein in die Tiefe auf Karim Bellarabi (12.). Ein Freistoß von ihm wurde abgeblockt (17.).

Bastian Schweinsteiger – die Höhepunkte im DFB-Dress

1. Länderspiel

Gemeinsam mit Lukas Podolski feiert Bastian Schweinsteiger als 19-Jähriger am 6. Juni 2004 gegen Ungarn sein Länderspieldebüt. Als er von DFB-Teamchef Rudi Völler in Kaiserslautern zur Pause eingewechselt wird, steht das Endresultat bereits fest: 0:2.

14. Länderspiel

Beim 2:2 in Mönchengladbach gegen Russland gelingen dem Bayern-Profi seine ersten zwei Treffer im Nationaltrikot.

35. Länderspiel

Beim deutschen WM-Sommermärchen trumpft Schweinsteiger im Spiel um Platz drei auf: Er erzielt zwei Tore beim 3:1 gegen Portugal in Stuttgart – im letzten Länderspiel von Torwart-Titan Oliver Kahn.

50. Länderspiel

Kein Sieg zum Jubiläum: Im 50. Länderspiel reicht es kurz vor der EM 2008 beim Test gegen Weißrussland lediglich zu einem 2:2.

53. Länderspiel

Sein einziger Platzverweis: Im zweiten Gruppenspiel der EM 2008 sieht Schweini gegen Kroatien (1:2) in der Nachspielzeit wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte. Es folgt ein Spiel Sperre.

56. Länderspiel

Sein erstes Finale mit der Nationalmannschaft endet mit Tränen der Enttäuschung: Deutschland unterliegt bei der EM 2008 in Wien gegen Spanien 0:1.

67. Länderspiel

Am 2. Juni 2009 führt Schweinsteiger die Nationalelf beim 7:2 in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate erstmals als Kapitän aufs Spielfeld.

100. Länderspiel

Turbulentes Jubiläum: 5:3-Sieg im 100. Länderspiel am 15. Oktober 2013 im WM-Qualifikationsspiel in Stockholm gegen Schweden.

108. Länderspiel

Das größte Spiel seiner Karriere: Blutverschmiert führt er als kämpferisches Vorbild Deutschland im WM-Finale am 13. Juli 2014 in Rio zum 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien.

109. Länderspiel

Nach dem Rücktritt von Bayern-Kollege Philipp Lahm ernennt Bundestrainer Joachim Löw Schweinsteiger zum neuen Kapitän. Aber erst ein halbes Jahr später kann der ständig verletzte Weltmeister das DFB-Team am 29. März 2015 beim 2:0 in Georgien erstmals auf dem Platz anführen.

111. Länderspiel

Beim 7:0 gegen Gibraltar 2015 verschießt er zum einzigen Mal einen Elfmeter für Deutschland (ohne Elfmeterschießen). Zuvor verwandelt er fünfmal vom Punkt.

116. Länderspiel

Das 24. und bislang letzte Tor für Deutschland gelingt ihm am 12. Juni zum 2:0-Endstand im EM-Gruppenspiel gegen die Ukraine in Lille wenige Sekunden nach seiner Einwechslung in der 90. Spielminute.

120. Länderspiel

Mit einem unglücklichen Handspiel im Strafraum leitet der Kapitän in Marseille das Aus im EM-Halbfinale gegen Frankreich (0:2) ein. Wenige Tage später erklärt er das Ende seiner DFB-Laufbahn.

121. Länderspiel

In Mönchengladbach gegen Finnland soll Schweinsteiger am Mittwoch ein letztes Mal für Deutschland auflaufen. Löw ermöglicht ihm ein Abschiedsspiel, das der DFB offiziell abgeschafft hat.

Das erste Tor des Schalkers Max Meyer in der 54. Minute durfte Schweinsteiger noch auf dem Feld mitfeiern. Für einen Plausch mit dem ehemaligen Schalker Teemu Pukki war zwischendurch Zeit. Und ein Flitzer bekam sogar ein Selfie mit seinem Idol. Immerhin trug der Anhänger ein Deutschland-Trikot mit Schweinsteigers „7“.

Zumindest dessen Länderspiel-Karriere ist nun beendet. Es war eine Ära, die im Juni 2004 in Kaiserslautern mit dem Debüt im Alter von 19 Jahren beim 0:2 gegen Ungarn begann und ihren absoluten Höhepunkt zehn Jahre später bei der Weltmeisterschaft in Brasilien mit dem „wohlverdienten Titelgewinn“ fand, wie es Schweinsteiger ausdrückte.

Der Bayer geht nach einer erfüllten Zeit. „Ich wollte immer die Europameisterschaft noch voll angreifen, das war mein Ziel.“ Er erreichte es, auch wenn das Turnier in Frankreich ohne die erhoffte Krönung endete. Es folgte - mit kurzer Verzögerung - der Rücktritt. „Im Urlaub habe ich mir die Frage gestellt, kannst du nochmal die gleiche Leidenschaft wie 2014 bei einer WM bringen? Da musste ich ehrlich zu mir sein und sagen, dass ich das mit Nein beantwortet habe.“

Zu seiner Fußball-Zukunft meinte der Profi, der bei seinem Verein Manchester United derzeit nicht erste Wahl ist: „Ich hoffe, dass noch ein paar Jahre dazukommen, solange die Lust da ist.“ Er höre auf sich selbst, „auf mein Herz“.

Von

dpa

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