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24.03.2014

17:19 Uhr

DFL beschließt Ticket-Zweitmarkt

Das Ende der Fan-Abzocke

VonDésirée Linde

Zweitmarkt statt Schwarzmarkt: Nach Fanprotesten wegen massiver Preisaufschläge einigen sich die Profiklubs auf ein zentrales Portal zum Ticket-Weiterverkauf. Damit sagen sie kommerziellen Anbietern den Kampf an.

Die Fans von Borussia Dortmund haben eine klare Meinung: Nein zum Schwarzmarkt. Imago

Die Fans von Borussia Dortmund haben eine klare Meinung: Nein zum Schwarzmarkt.

DüsseldorfSie haben gewettert und geschimpft, sie sind vor Gericht gezogen, haben eigene Börsen aufgebaut, und einige haben sogar mit dem Konkurrenten im Halbschatten der Legalität zusammengearbeitet. Doch jetzt wollen die deutschen Fußballklubs den Sumpf des Schwarz- und halblegalen Graumarktes beim Ticketweiterverkauf trockenlegen.

Legalisieren und gemeinsam organisieren lauten die Heilmittel. Die Mitglieder der Deutschen Fußballliga (DFL) haben am Montag beschlossen, gemeinsam einen Zweitmarkt aufzubauen. Das teilte die DFL im Anschluss an ihre Mitgliederversammlung mit, in der bereits das Aus für die Torlinientechnik in Deutschland beschlossen wurde. Legaler Weiterverkauf statt kleinteiligem, intransparenten Handel unter der Hand.

Schon ab Herbst richten die 36 Klubs der beiden höchsten Ligen in zwei Stufen die zentrale Zweitmarkt-Ticketbörse ein. Die Klubs einigten sich am Montag darauf, die DFL mit der Ausschreibung dieses offiziellen Ticket-Zweitmarkts zu beauftragen.

Der Ticket-Weiterverkäufer Viagogo

Anfänge

„viagogo“ wurde 2006 in London gegründet. Heute betreibt das Unternehmen den weltweit größten Online-Ticket-Marktplatz und ist in nahezu 30 Ländern vertreten. „viagogo“ stellt den Kunden eine sichere Onlineplattform bereit, um Tickets aus den Bereichen Sport, Musik, Theater und Comedy zu kaufen oder zu verkaufen. Das Unternehmen ermöglicht durch seinen Service den Zugang zu schwer erhältlichen Tickets, auch wenn diese offiziell als ausverkauft gelten.

Geschäftsprinzip

Alle über die Plattform verkauften Tickets unterliegen der viagogo-Garantie. Der Verkäufer erhält sein Geld erst, wenn die Veranstaltung vom Käufer besucht wurde. Zudem erfolgt die Zustellung der Tickets ausschließlich elektronisch oder über Kurierdienstleistungen.

Deutsche Partner

Führende Sport- und Entertainmentveranstaltungen kooperieren bereits mit viagogo, um den Zweitmarkt für Tickets besser zu kontrollieren und zu managen. In Deutschland arbeitet viagogo zum Beispiel mit Bundesliga-Vereinen wie FC Bayern München zusammen.

Internationale Partner

Hinzu kommen Partner aus ganz Europa: Dazu gehören mehrere Fußballklubs der spanischen Primera División, der Serie A Italiens und der niederländischen Eredivisie sowie der französische Verein Paris Saint-Germain FC. Auch zehn Clubs aus der englischen Premier League zählen dazu, etwa der FC Chelsea. Auch für die Tennis Turniere French Open oder die ATP World Tour Finals hat viagogo Karten im Angebot.

Musik

Im Bereich Musik hat viagogo zahlreiche Festivals im Programm. Auch Größen wie Madonna lassen ihre Karten über die Plattform vertreiben.

Kritik

2011 konnten Kunden von viagogo mit ihren Karten nicht die Konzerte von „Take That“ in Hamburg und München besuchen. Daraufhin untersagte ein deutsches Gericht viagogo zu behaupten, das die Richtigkeit ihrer „Take That“-Karten sei „zu 100 % garantiert“. 2012 kam viagogo in die Schlagzeilen, weil sie Karten von ursprünglichen Ticketverkäufern aufkauften um sie zu erhöhten Preisen weiterzuverkaufen.

Im Gegensatz zum Streitthema Torlinientechnik herrschte beim Kampf gegen den Ticket-Schwarzmarkt große Einigkeit. Zunächst sollen „bestehende Klub-Angebote von dem offiziellen Ticket-Zweitmarkt aus verlinkt werden“, teilte die DFL mit. „Danach ist eine zusätzliche technische Lösung für interessierte Klubs geplant, die bis dato über kein eigenes Angebot verfügen."

Karten sollen künftig nur zum Nennwert weitergegeben werden dürfen – die Bearbeitungsgebühr soll 15 Prozent des Preises nicht überschreiten. Doch diese Regelung birgt auch Gefahren. „Diese Kappung des möglichen Verkaufspreises als wesentlicher Bestandteil der DFL-Fairplay-Regeln ist aus unserer Sicht unabdingbar und absolut richtig“, sagt Felix Holzhäuser, Associate Partner bei der auf Sportrecht spezialisierten Kanzlei Lentze Stopper Rechtsanwälte gegenüber Handelsblatt Online.

Allerdings berge diese Kappung des Verkaufspreises auch das Risiko, „dass sogenannte Fans, die mit ihrem Ticket-Weiterverkauf lediglich den maximalen Gewinn erzielen wollen, nach wie vor auf nicht autorisierte Plattformen ausweichen. Es ist daher ebenso unabdingbar, den von einigen Klubs bereits eingeschlagenen Weg fortzuführen, das heißt parallel zur Schaffung eines legalen Zweitmarkts auch weiter konsequent gegen den illegalen Ticket-Zweitmarkt vorzugehen“, sagt Holzhäuser dessen Spezialgebiet das Ticketing ist. Bereits in der kommenden Saison soll es für die Ticketbörse eine erste Testphase geben.

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