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06.10.2011

00:00 Uhr

DFL-Chef Seifert

„Die Selbstverpflichtung soll Angst aus dem Markt nehmen“

VonStefan Merx

Die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund haben sich verpflichtet, Einladungen in Vip-Bereiche vom Korruptionsverdacht zu befreien. Im Interview sprach DFL-Chef Christian Seifert über die Hintergründe.

Christian Seifert: "Wir zielen auf keine Quote." dapd

Christian Seifert: "Wir zielen auf keine Quote."

Handelsblatt: Schon die Großsponsoren haben jüngst einen Leitfaden mit Wohlverhaltensgrundsätzen vorgelegt. Warum sind Sie nun ebenfalls aktiv geworden?

Christian Seifert: Wegen der rechtlichen Unsicherheit droht Ungemach, wir sehen Risiken für die Klubs. Die Hospitality- und Compliance-Thematik betrifft zehn bis fünfzehn Prozent des Gesamtumsatzes der Fußball-Bundesliga. Wir handeln als Dienstleister der Klubs.

Es stehen im Jahr bis zu 250 Millionen Euro auf dem Spiel. Geizen die Sponsoren bereits aus Angst vor dem Staatsanwalt?

Noch gibt es keinen dramatischen Umsatzeinbruch, denn die Wartelisten sind lang genug. Doch Sie finden keinen Klub, der nicht von Sponsoren berichtet, die reduziert haben oder von der Loge auf andere Werbeformen umsteigen.

Kritiker sagen, das Argument der Rechtsunsicherheit könnte vorgeschoben sein.

Da ist nichts dran. Wirtschaftliche Gründe mögen auch mal eine Rolle gespielt haben, aber in Kündigungsgesprächen geht es vor allem um Verunsicherung. Wir haben daher aus einem juristischen Memorandum die freiwillige Selbstverpflichtung abgeleitet und diese prüfen lassen von Staatsanwaltschaften und Transparency International. Es ist ein praxistaugliches Instrument, das Klubs ihren Sponsoren an die Hand geben können.

Wollen Sie die Klub-Unterschrift zum Teil des Lizenzverfahrens der Liga machen?

Nein, sie ist freiwillig. Denkbar ist, dass man es als eine Art Präambel aufnimmt. Ein Klub und der Sponsor verständigen sich quasi darauf, dass mit dieser Sportveranstaltung und diesem Sponsorship kein Unfug getrieben wird. Es kann aber natürlich auch ohne Selbstverpflichtung alles mit rechten Dingen zugehen.

Wie viele sollen es unterschreiben? Womit rechnen Sie?

Wir zielen auf keine Quote. Es dreht sich darum, dass einer Einladung, die völlig normal ist im geschäftlichen Miteinander, der irrationale Makel der versuchten Bestechung genommen wird. Am sinnvollsten wäre es gewesen, einen Ausnahmetatbestand im Gesetz zu schaffen. Das steht aber nicht zur Debatte, das muss man akzeptieren.

Nach Umfragen stehen als Ziele der Einladenden ganz oben: Verkaufsförderung und Anbahnung von Geschäften. Ist es da nicht Augenwischerei zu unterschreiben, dass man in der Loge geschäftliche Entscheidungen ausklammert?

Es geht ja nicht darum, im Stadion unter dem Tisch Aufträge zu verschachern oder Einkaufskonditionen kartellrechtswidrig zu besprechen. Sinn und Zweck ist es, dass man über das Geschäft spricht - in einem etwas anderen Rahmen. Und das ist in Ordnung, wenn dahinter ein konkretes Marketingkonzept liegt und man alles offen dokumentiert. Es ist zynisch, jedem eine kriminelle Handlung zu unterstellen.

Führt das Papier zu Verhaltensänderungen?

Diese Selbstverpflichtung soll Angst aus dem Markt nehmen. Und vielleicht überdenkt der eine oder andere Sponsor seine Einladungspraxis, um künftig auf der relativ sicheren Seite zu sein. Was auf dem Tisch liegt, ist das derzeit denkbar stärkste Bekenntnis von Wirtschaft, Politik und Sport, das man bekommen kann.

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