Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.05.2011

16:21 Uhr

DFL-Chef Seifert

Europas Klubs fehlt wirtschaftliche Basis

VonStefan Merx, Thomas Mersch

ExklusivVernichtendes Urteil von DFL-Chef Christian Seifert: Viele europäische Spitzenklubs sind viel zu sehr von vermögenden Einzelpersonen abhängig. Im Hinblick auf „Financial Fair Play“ kann das fatal enden.

DFL-Chef Christian Seifert kritisiert die wirtschaftliche Lage europäischer Spitzenklubs. Quelle: dpa

DFL-Chef Christian Seifert kritisiert die wirtschaftliche Lage europäischer Spitzenklubs.

FrankfurtDer Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, hat Europas Spitzenvereine aufgefordert, ihr Geschäftsmodell zu überprüfen. „Eine 15-Milliarden-Euro-Industrie, die mehrere Hunderttausend Arbeitsplätze schafft in Europa, braucht ein vernünftiges und nachhaltig tragfähiges wirtschaftliches Grundprinzip“, sagte Seifert dem Handelsblatt. Die DFL organisiert und vermarktet die Bundesliga.

Einige große Vereine in Europa verließen sich „auf den Goodwill vermögender Einzelpersonen, die gerade nichts anderes zu tun haben, als sich für Fußball zu interessieren“, kritisierte Seifert.

Die Klubs müssten die Uefa-Regeln des „Financial Fair Play“ ernst nehmen, fordert Seifert. Bei Täuschungsversuchen und bei Nichterreichen der Vorgaben müsse Uefa-Präsident Michel Platini auch Spitzenvereine von der Champions League ausschließen.

Die „Financial Fair Play“-Regeln sollen ab der Saison 2013/14 wirksam werden. Fußballklubs, die an europäischen Wettbewerben teilnehmen wollen, dürfen nur noch operative Verluste von höchstens fünf Millionen Euro pro Jahr schreiben.

Bislang werden viele Vereine im europäischen Fußball den strengen Fair Play Bedingungen nicht gerecht: „Würden Sie in einigen der Topligen Europas Financial Fair Play durchziehen, vom ersten bis zum letzten Tabellenplatz, dann spielten da künftig nur noch fünf Klubs - wenn überhaupt“, sagte Seifert. Ob alle 18 deutschen Bundesligisten unter den Auflagen spielberechtigt wären, konnte er nicht sagen.

Um der Bundesliga Zugang zu weiteren Finanzmitteln zu verschaffen, plädiert Seifert für die kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarkts in Deutschland. Der Entwurf der Länder zum Glücksspielstaatsvertrag sei aber untauglich. Den staatlichen Anbietern von Sportwetten warf Seifert „propagandistische Polemik“ vor. Die potenziellen zusätzlichen Werbegelder für den Profifußball durch private Wettanbieter taxierte er auf 100 bis 200 Millionen Euro.
Seifert kündigt zudem Lösungsvorschläge für das sogenannte Compliance-Problem an. Um die unsichere Rechtslage bei Einladungen von Geschäftspartnern zu Sport- oder Kulturevents zu verbessern, könnten „Konkretisierungen sicherlich weiterhelfen“, sagte Seifert. Er kündigte er eine Selbstverpflichtung der Ausrichter großer Events an, auch über den Sport hinaus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×