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27.01.2016

18:10 Uhr

DFL stellt Jahresbilanz vor

Warum die Bundesliga noch teurer wird

VonThomas Schmitt

Der deutsche Profifußball liefert ein Rekordjahr nach dem anderen. Auch 2014/15 war das so. Doch das reicht nicht. Die Liga braucht in den nächsten zehn Jahren doppelt so viel Geld wie bisher – glaubt der Verband DFL.

Christian Seiferts Urteil ist klar: Die Bundesliga braucht mehr Geld. dpa

DFL-Vorsitzender

Christian Seiferts Urteil ist klar: Die Bundesliga braucht mehr Geld.

KölnDie meisten Tore pro Spiel, die meisten Zuschauer weltweit und der elfte Umsatzrekord in Folge: Das ist die Bilanz der Fußball-Bundesliga-Saison 2014/15. Zum ersten Mal haben die 18 Vereine der ersten Liga mehr als 2,5 Milliarden Euro umgesetzt, stellte der Geschäftsführer des Ligaverbandes DFL, Christian Seifert, in Köln fest. In den vergangenen zehn Jahren hat sich damit der Umsatz verdoppelt – auf 2,62 Milliarden Euro. Dennoch ist das viel zu wenig, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Wenn die Bundesliga auch 2025 noch zu den drei Top-Ligen in Europa gehören will, dann müssen die 18 Klubs ihren Umsatz in den nächsten zehn Jahren erneut mindestens verdoppeln – auf 5,5 bis sechs Milliarden Euro, stellte Seifert fest. Wie das gelingen soll, wollte er nicht sagen. Zunächst ist seine Absicht nur, die Liga zu sensibilisieren. Die Vereine sollen darüber nachdenken, was sie wo tun können.

Bundesliga Report 2016: Die Saison 2014/15

Was die Bundesliga auszeichnet

Das Wachstum geht weiter: In der Saison 2015/16 stieg der Umsatz erstmals über drei Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 23,7 Prozent.

2. Bundesliga

In Liga 2 setzten die Vereine erstmals mehr als 600 Millionen Euro um.

Lizenzfußball

Die 36 Profivereine in Deutschland verzeichneten einen Umsatz von 3,85 Milliarden Euro (plus 23,2 Prozent).

Wirtschaftliche Bedeutung

Die positive wirtschaftliche Entwicklung machte sich auch bei den Steuern und Abgaben bemerkbar. Diese betrugen erstmals mehr als eine Milliarde Euro. Insgesamt zahlten die Clubs 1,13 Milliarden Euro an das Finanzamt sowie die Sozial- und Unfallversicherungen. Von 50.237 auf 53.114 stieg erneut auch die Zahl der Arbeitsplätze in direkter Anstellung oder durch Beauftragung der 36 Proficlubs und deren Tochtergesellschaften.

In Zahlen

Für die 18 Clubs der Bundesliga ergab sich im Vergleich zum Vorjahr ein vier Mal so hoher Gewinn von 206,2 Millionen Euro (Ergebnis nach Steuern) – eine Summe, die so hoch ist wie alle Überschüsse der Bundesliga in den vier Jahren zuvor.

DFL-Fazit

Der deutsche Profifußball hat seinen erfolgreichen Kurs auch in der Saison 2015/16 fortgesetzt.

Profitabel

16 der 18 Clubs erwirtschafteten einen Gewinn. Legt man das EBITDA zugrunde, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, haben 2015/16 sogar sämtliche 18 Bundesliga-Clubs schwarze Zahlen geschrieben. Zusammen mit der 2. Bundesliga waren es wie im vorherigen Jahr 34 der 36 Clubs.

Über der Schallgrenze

13 der 18 Clubs verzeichneten 2015/16 einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

Kostenquote sinkt

Trotz gestiegener Aufwendungen für Spieler, Trainer und Betreuerstab sank die Personalkostenquote, also die Ausgaben im Verhältnis zum Gesamtumsatz, in der Bundesliga auf 32,6 Prozent.

Dabei ist für den Strategen des Ligaverbandes klar, dass dieser Umsatzsprung allein über höhere TV-Einnahmen nicht gelingen kann. „Es reicht nicht, alle paar Jahre zum Fernsehsender Sky zu sagen: Es muss etwas mehr sein“, sagte Seifert.

„Wir müssen in allen Einnahmekategorien langfristig nach vorne denken“, lautet sein Credo. Was bedeutet dies? Alle Beteiligten – Fans, Unternehmen, Medienhäuser – müssen tiefer in den Geldbeutel greifen. Dies betrifft vor allem fünf Bereiche. Die beiden wichtigsten sind die Einnahmen im Stadion und durch Sponsoren.

1. Die Ticketpreise für Fans müssten sich verdoppeln.

Durch den Spielbetrieb in den Stadien nimmt die Bundesliga derzeit 520 Millionen Euro pro Saison ein. Dies entspricht einem Viertel der Gesamteinnahmen. In zehn Jahren sollte dann durch diesen Bereich mehr als eine Milliarde Euro in die Kassen fließen.

2. Die Anzeigenpreise für Unternehmen sollten enorm hochgehen.

Durch Werbung kassierten die Bundesligisten in der vergangenen Saison 672,7 Millionen Euro. Das sind immerhin gut ein Viertel der Erlöse. Um die ehrgeizigen DFL-Ziele zu erreichen, sollten es in zehn Jahren jedoch rund 1,5 Milliarden Euro sein. Ob die Wirtschaft bereit ist, das zu zahlen? Die Chancen sind gar nicht so schlecht, weil der Fußball in Deutschland die mit Abstand beliebteste Sportart bei Sponsoren ist.

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