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05.05.2015

07:57 Uhr

Die dunklen Machenschaften des Sepp Blatter

„Es muss Böses im Herzen der Fifa geben“

VonMarcel Reich

Der Fußball-Weltverband Fifa gilt als Brutstätte der Korruption. Präsident Sepp Blatter gibt sich mittlerweile eher als Staatsmann denn als Funktionär. Eine ARD-Doku beweist nun: Er hat ordentlich Dreck am Stecken.

Fifa-Chef Sepp Blatter beim Asian Football Confederation (AFC) regional Congress am 30. April 2015 in Manama. AFP

Der Herrscher

Fifa-Chef Sepp Blatter beim Asian Football Confederation (AFC) regional Congress am 30. April 2015 in Manama.

DüsseldorfFür viele Fans hat der Fußball-Weltverband Fifa schon lange nichts mehr mit Sport zu tun. Stattdessen wird auch der Präsident Sepp Blatter immer wieder mit Korruption und anderen illegalen Machenschaften in Verbindung gebracht. Die ARD-Doku „Der verkaufte Fußball“, die am Montagabend gesendet wurde, liefert nun die Beweise für das, was eigentlich schon lange klar war: Die Fifa ist eine Ausgeburt des Bösen.

In drei Wochen will sich der Präsident und Alleinherrscher Sepp Blatter zum fünften Mal wiederwählen lassen. Allein seine Kandidatur ist bereits ein Wortbruch: Bei seiner letzten Wahl vor vier Jahren kündigte der 79-Jährige an, nicht noch einmal antreten zu wollen.

Nun tut er es doch, und seine Wahl ist schon jetzt reine Formsache. Denn Blatter ist gut vernetzt, weltweit schulden ihm Verbandschefs Gefälligkeiten für hohe Spendengelder. So haben bereits alle 54 Vertreter der afrikanischen Verbände Sepp Blatter ihre Stimme versprochen – allein diese sind schon mehr, als er überhaupt zur Wiederwahl benötigen würde.

Die Fifa residiert in der Schweiz, als eingetragener, nicht profit-orientierter Verein ist sie dort steuerbefreit. Bei einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Auf „freiwilliger“ Basis zahlte die Fifa im Jahr 2013 dennoch eine Abgabe von 17 Millionen Franken. Anträge im Schweizer Parlament zur Abschaffung der Fifa-Steuerprivilegien scheitern regelmäßig.

Joseph Blatter

Blatter als Fußballer

Blatter war selbst von 1948 bis 1971 aktiver Fußballer und schaffte es bis in die oberste Schweizer Amateurliga.

Karriere vor der Fifa

Joseph Blatter studierte an der Rechtsfakultät der Universität Lausanne und schloss sein Studium mit dem Lizentiat der Handels- und Volkswirtschaftswissenschaften ab. Er begann er seine Karriere als Journalist und PR-Fachmann im sportlichen und privatwirtschaftlichen Sektor. Kontakte zur internationalen Sportszene knüpfte Blatter als Direktor für PR und Sport der Longines S.A., die an der Organisation der Olympischen Spiele 1972 und 1976 beteiligt war.

Mitgliedschaft im Exekutivkomitee

Schon seit 1981 gehört Blatter zum Exekutivkomitee des Fussball-Weltverbandes und war somit an insgesamt fünf Weltmeisterschaften beteiligt. Einen Namen machte sich Blatter zusammen mit dem damaligen Präsidenten Havelanges bei den Verhandlungen für Fernseh- und Marketingverträge zur kommerziellen Verwertung der Fussball-Weltmeisterschaften bis 2006.

Präsidentschaft

1998 wurde Blatter zum achten Präsidenten der Fifa gewählt. Seit 1999 ist er auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Im Laufe seiner Amtszeit setzte Blatter viele Projekte um, die sein Vorgänger João Havelanges initiiert hatte. Dazu gehören die Wettbewerbs- und Ausbildungsprogramme der Fifa, die Weltmeisterschaften in den Alterskategorien U-20 und U-17 sowie im Frauen- und Hallenfußball. Blatter wurde 2002 für eine zweite Amtsperiode gewählt und 2007 erneut für eine weitere Amtszeit bestätigt.

Soziales Engagement

Joseph Blatter engagiert sich seit langem für verschiedene humanitäre Projekte und untermauert dadurch seine Überzeugung, dass Fußball eine gesellschaftliche Verantwortung trägt. Er begann 1994 eine Partnerschaft mit den SOS Kinderdörfern, die die Fifa finanziell und materiell unterstützt. Seit 1998 führt Blatter auch immer wieder Kampagnen mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, durch.

Seine Fußballphilosophie

„Fußball für alle, alle für den Fußball“ - Neben der gesellschaftlichen Verantwortung liegt Blatter das Fairplay am Herzen. Fußball ist für ihn eine Möglichkeit für eine bessere Völkerverständigung. Er setzt zudem darauf, sämtliche Akteure des Fußballs über ein modernes Kommunikationsnetz zu verknüpfen und mit Politik und Wirtschaft in Kontakt zu treten. In erster Linie aber bedeutet der Fußball für Blatter natürlich Leidenschaft und Emotionen.

Das eingenommene Geld wird gekonnt reinvestiert. Pro Jahr schüttet die Fifa eine Viertelmillion Euro an jeden Verband aus. Viel Geld für Länder wie Honduras oder Paraguay, durch die Blatter in den vergangenen Monaten für seinen „Wahlkampf“ getourt ist.

Auch sein Gegenkandidat Louis Figo ist bei den geschlossenen Veranstaltungen dabei. Wahlkampf ist jedoch ein ziemlich hohes Wort. Denn: Nur Blatter darf reden, nicht seine Kontrahenten. Dabei lässt sich Blatter wie ein Heiliger verehren. So nennt Osiris Guzman, Präsident des dominikanischen Fußballverbands, Blatter einen „Visionär“ und stellt ihn in eine Reihe mit Winston Churchill, dem Papst und (kein Scherz) Mutter Theresa.

Diese Form der Verehrung wird ihm in Europa nicht erst seit der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar eher weniger zu teil. Schon lange gab es einen Korruptionsverdacht rund um die Abstimmung durch die 22 Exekutivmitglieder im Dezember 2010. Die ARD-Doku liefert nun Beweise.

Denn: Phaedra Almajid, damals Mitglied im Bewerbungskomitee der Kataris, bricht ihr Schweigen. Katars Bewerbung wurde noch im Vorfeld der Abstimmung von einem Fifa-Prüfer als die schlechteste eingestuft, dennoch findet das Turnier 2022 nun dort statt. Im Winter, mit einem Finale am vierten Advent. Almajid berichtet von geheimen Treffen mit drei Fifa-Vorständen am Rande einer Fifa-Tagung in Luanda in Angola. Für 1,5 Millionen Dollar sollen diese ihre Stimmen an Katar verkauft haben. Die drei genannten Personen sind auch ohne diese Anschuldigungen bereits bekannte Größen, wenn es um Korruption geht.

Kommentare (7)

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Herr Jürgen Dannenberg

05.05.2015, 08:46 Uhr

Und was passiert nun? NiX, absolut nix. Mitten mang, immer reines Gewissen - Beckenbauer. Das reine Gewissen des deutschen Fußball.
"liefert nun die Beweise für das, was eigentlich schon lange klar war: Die Fifa ist eine Ausgeburt des Bösen".
Zu Katar wäre zu sagen: was haben die eigentlich mit Sport, oder gar Fußball zu tun? Werde internationale Fußballer wen die den Koran nicht huldigen, oder gar abfällig darüber äußern hingerichtet. Zumindest doch ein bisschen ausgepeitscht. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt an Fragen.

Herr Max Nolte

05.05.2015, 09:35 Uhr

wann geht der Blatter endlich ein? Es ist gut dass die Medien dieses Korruptionsmonster endlich aufgreifen! Die Vergabe nach Russland fand ich eigentlich ganz gut, die Menschen dort wünschen sich auch sowas und es ist ein riesiges Land, Fußball verbindet, es kann auch eine Chance für Russland sein, außerdem kann man da sorgenfrei Bier trinken, während man in Katar aufpassen muss ;-).
Trotzdem soll das alles mit rechten Dingen zugehen und es liegt einfach zu viel gegen Blatter vor. Der hat zu viel Macht, was nicht richtig seien kann für den Vorsitzenden des Fußballweltverbandes...
Katar ist ein Witz und der größte Schwachsinn...die Handball WM war schon der größte Witz der Handballgeschichte, nur noch das Geld grassiert....

Gegen den modernen Fußball!

Herr Lung Wong

05.05.2015, 10:35 Uhr

Die Existenz dieser mafiösen Gangsterbande Fifa ist eine Sache. Noch abstoßender ist die Politik der Staaten, die sich mit diesen Verbrechern in ein Bett legen und die Bevölkerungen der Staaten zu Gunsten der Fifa ausplündern.

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