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24.06.2013

13:25 Uhr

Die Marke Pep Guardiola

Der etwas andere Ober-Bayer

VonChristopher Spall

Was macht die Faszination von Pep Guardiola tatsächlich aus? Markenexperte Christopher Spall wirft einen Blick hinter die Fassade eines Mannes, der ohne markige Sprüche zur erfolgreichsten Trainer-Marke der Welt wurde.

Heimat schafft Marke: Guardiolas Identität ist untrennbar mit Katalonien verbunden. dapd

Heimat schafft Marke: Guardiolas Identität ist untrennbar mit Katalonien verbunden.

NürnbergDas Stadion ist bereits nahezu menschenleer. Die gedimmte Stadionbeleuchtung wirft nur noch ein schwaches Licht ins Rund der katalanischen Arena. Ein letztes Mal nimmt der elegant gekleidete Mann auf jener Trainerbank des Camp Nou Platz, auf der er in den Jahren zuvor die Spielkultur einer Epoche entstehen ließ. Nur seine Frau und seine Kinder sollen jetzt, in diesem Moment, bei ihm sein. Es soll ein stiller Abschied sein, mit seinen Liebsten und jenseits des Scheinwerferlichts.

Es ist der Moment des Abschieds als Trainer des FC Barcelona im Mai 2012, unmittelbar nach seiner letzten Pressekonferenz. Und er erzählt viel über den Trainer, nein, über den Menschen Josep Guardiola i Sala.
Guardiolas Markenidentität ist eng mit seiner Herkunft verbunden. Der Sohn eines Maurers wuchs in dem verschlafenen Dorf Santpedor in Katalonien auf. Die Bescheidenheit seines Vaters Valenti und die Disziplin seiner katholischen Schulerziehung prägten seine Persönlichkeit.

Er selbst ist stolzer Katalane, kehrt häufig an den Dorfplatz von Santpedor zurück, wo er einst als Junge das Balljonglieren erlernte und seine Leidenschaft für die Eleganz des Spiels entdeckte. Und er nimmt auch in Pressekonferenzen immer wieder Bezug auf seine Heimat, wo heute das Fußballstadion nach ihm benannt ist. Es sind die Lehren seiner Jugend, die Prinzipien einer Arbeiterfamilie und die enge Verbindung zur Heimat, die sein Wertegerüst beeinflussen.

So wie der Heimatbegriff häufig bei starken Markenpersönlichkeiten klar verortet ist, so verhält es sich auch mit den eigenen Naturbegabungen. Durch tiefe Kenntnis der eigenen Talente können in der Folge bessere Entscheidungen getroffen werden. Das zeigt Guardiola bei seiner Rückkehr nach Barcelona im Jahr 2007. Für viele unverständlich schlug er das Angebot des damaligen Sportdirektors Beguiristains aus, als Direktor des Nachwuchsbereichs einzusteigen.

Nach den Erzählungen seines Biographen Balagué deutet vieles darauf hin, das Guardiola genau spürte, dass seine außergewöhnliche Naturbegabung in der Entwicklung und im Umgang mit Menschen lag, nicht im Organisieren: „Ich arbeite auch auf einem Kartoffelacker mit Kleinkindern, aber ich will ein Trainer sein, der praktische Arbeit leistet“, erwiderte der sprichwörtlich eigenwillige Katalane dem Sportdirektor. Und so trug es sich zu, dass ihm stattdessen die Verantwortung über das B-Team übertragen wurde.

Seiner Natur folgend folgte das Unvermeidliche: der Erfolg. Guardiola schaffte abseits der Scheinwerfer mit einem durchschnittlichen Team noch im selben Jahr den Aufstieg in die Segunda División B. Für ihn allerdings noch wichtiger: er erwarb mit Hilfe seiner Menschenführung das Vertrauen vieler junger Spieler, die ihm wenig später ins A-Team des FC Barcelona folgen sollten. Dies zeigt: nur wer weiß, was ihn im Kern ausmacht, wird zur erfolgreichen Markenpersönlichkeit.

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