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18.12.2014

16:15 Uhr

Dietmar Hopp

Hoffenheim-Mäzen bekommt Stimmenmehrheit

Quelle:SID

Dietmar Hopp wird 2015 wohl die Mehrheit der Stimmrechte an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH übernehmen. Nur noch das DFB-Präsidium muss zustimmen.

Dietmar Hopp übernimmt die Mehrheit der Stimmrechte bei Hoffenheim. SID

Dietmar Hopp übernimmt die Mehrheit der Stimmrechte bei Hoffenheim.

ZuzenhausenDietmar Hopp, Mäzen des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim, darf mit Wirkung zum 1. Juli 2015 die Mehrheit der Stimmrechte an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH übernehmen. Dies bestätigte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Donnerstag.

Zur Wirksamkeit der von der DFL erlassenen Genehmigung bedarf es jedoch noch einer Bestätigung durch das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Die sogenannte „50+1“-Regel sieht eigentlich eine Stimmenmehrheit beim Mutterverein vor. Maßgeblich für die Bewertung des Hoffenheimer Antrags war das jahrelange finanzielle Engagement des SAP-Gründers Hopp sowohl für den Profi- als auch den Amateurfußball der Kraichgauer. Denn Ausnahmen erlässt die DFL auf Antrag nur in Fällen, „in denen ein Rechtsträger seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat“.

Investoren im Fussball: Die 50+1-Regel

Regel

Die 50+1-Regel ist ein Paragraph in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sie soll verhindern, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgliedern.

Hintergrund

Hintergrund dieser Regelung ist das Interesse von Großunternehmen oder Investoren am Fußball. Die Liga möchte einer Entwicklung wie in England, Spanien oder Italien vorbeugen, wo Fußballvereine zum Spielball für Investoren wurden.

Streit

Um die Regel gibt es seit Jahren Streit. Manche Investoren wollten sie kippen, doch ein Schiedsgericht bestätigte die Regel im Kern.

Ausnahme

Liga-Präsident Reinhard Rauball ist sicher: „Im deutschen Profi-Fußball werden Investoren weiterhin nur im Ausnahmefall und sehr eingeschränkt die Stimmenmehrheit bei einzelnen Clubs übernehmen können.“

Charakter

Die Bundesliga behält damit nach Einschätzung der DFL ihren unverwechselbaren Charakter und kann weiter auf die Faktoren setzen, die in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zum Erfolg beigetragen haben: Stabilität, Kontinuität, Vorrang des Wettbewerbs und gelebte Bodenständigkeit.

Investoren

Allerdings ist künftig im Liga-Fußball mehr Platz für Investoren. Das ist ein Erfolg von Hannovers Präsident Martin Kind, der gegen die Regel vorgegangen war.

Zukunft

Nach Einschätzung von Experten erhalten Klubs fortan die Möglichkeit, eng verbundene Finanziers, Sponsoren oder Mäzenen nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapitalmehrheit und Stimmenmehrheit an der Fußball-Kapitalgesellschaft zu übertragen.

Hoffenheim und München

Auch hinter 1899 Hoffenheim und 1860 München stehen potente Einzelpersonen – SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp (Hoffenheim) und der jordanische Multimillionär Hasan Ismaik (München) –, die die Mehrheit des Vereins besitzen. Jedoch haben sie ihre Stimmanteile formal auf 49 Prozent beschränkt, um nicht gegen die 50+1-Regel zu verstoßen.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ besagte, dass Investoren erlaubt sind, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. In unteren Ligen machen auch als Betriebssportgemeinschaften gegründete Vereine wie der FC Carl Zeiss Jena oder Wacker Burghausen von der Regel Gebrauch. Deshalb dürfen Jena oder Leverkusen den Sponsor im Vereinslogo und -namen tragen und der VfL Wolfsburg eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG sein.

Anteile an Fußballvereinen

Beim börsennotierten Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile. Wobei ein Tochterunternehmen von Audi auch 20 Prozent bei Zweitligist FC Ingolstadt 04 hält. Und bei Hertha BSC stieg Anfang des Jahres der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) ein.

1899 Hoffenheim begrüßte die Entscheidung der DFL. „Dietmar Hopp erfüllt beispielhaft die Kriterien, die in den Satzungen und Ordnungen von Ligaverband und DFL für die Erteilung einer Ausnahmeregelung zur 50+1-Regel aufgestellt sind“, sagte Präsident Peter Hofmann und fügte an: „Er hat mit diesem Engagement Maßstäbe gesetzt und Einzigartiges geschaffen.“

„Der Gradmesser muss doch heißen: Was würde sich in Hoffenheim ändern, wenn Dietmar Hopp mehr als 50 Prozent der Anteile hielte? Die Antwort ist: nichts. Absolut nichts. Ich sehe Dietmar Hopp auch nicht als Mäzen. Er ist aktives Mitglied, Förderer und Leitfigur des Vereins, einer ganzen Region und das in einer Person“, hatte TSG-Geschäftsführer Peter Rettig bereits zu Beginn des Jahres in einem Interview mit Handelsblatt Online betont.

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