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02.11.2015

15:22 Uhr

Diskussion um Schiedsrichter

Kölns Schmadtke fordert Runden Tisch

Die Schiedsrichter stehen mal wieder im Mittelpunkt. Vereinsfunktionäre klagen und fordern Maßnahmen - manche rufen nach technischen Hilfsmitteln. Über eine Videotechnologie wird aber nicht in Deutschland entschieden.

Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke fordert einen Runden Tisch mit Trainern, Spielern, Managern und Unparteiischen. dpa

Jörg Schmadtke

Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke fordert einen Runden Tisch mit Trainern, Spielern, Managern und Unparteiischen.

StuttgartDie Debatte um Schiedsrichterentscheidungen in der Fußball-Bundesliga reißt nicht ab. Nachdem der 1. FC Köln am Samstag beim 0:0 gegen 1899 Hoffenheim in zwei strittigen Situationen keinen Elfmeter bekommen hatte, fordert Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke einen Runden Tisch mit Trainern, Spielern, Managern und Unparteiischen. „Es muss eine Diskussion auf Augenhöhe sein. Offen und ehrlich. Die Schiedsrichter müssen ihre Probleme benennen“, sagte Schmadtke im Fachmagazin „Kicker“.

Am Wochenende gab es weitere fragwürdige Entscheidungen. So ärgerte sich Bayer Leverkusen über eine nicht geahndete Abseitsstellung vor dem 0:1 beim 1:2 in Wolfsburg. „Wenn uns am Ende ein Punkt zur Champions-League-Teilnahme fehlt, kostet uns das 15 bis 20 Millionen Euro“, sagte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Fußball ist ein Spiel, bei dem es um viel Geld geht. Deshalb sollte es so gerecht wie möglich gemacht werden.“ Schade plädierte dafür, dass „alle technischen Möglichkeiten eingesetzt werden, die anwendbar sind“.

Krasse Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern

31. Oktober 2015: VfL Wolfsburg – Bayer Leverkusen

Das Führungstor der Gastgeber durch Nicklas Bendtner resultierte aus dem Fehler von Schiedsrichter Manuel Gräfe, der nicht auf eine von seinem Assistenten angezeigte Abseitsposition reagierte. Gräfe hatte angenommen, dass ein Pass auf Tor-Vorlagengeber Vieirinha vom Leverkusener Kevin Kampl kam. Allerdings war André Schürrle zuletzt mit dem Fuß am Ball. Wolfsburg siegt am Ende 2:1

31. Oktober 2015: 1. FC Köln – Hoffenheim

Hoffenheims Abwehrspieler Tobias Strobl spielt nach einem Kopfball von Anthony Modeste (57.) den Ball im Strafraum mit der Hand. Für fast alle im Stadion war das Vergehen klar ersichtlich – außer offenbar für Schiedsrichter Günter Perl. „Mehr Hand geht nicht. Aus 50 Metern habe ich es gesehen“, sagte Kölns Trainer Peter Stöger nach dem 0:0. „Hand wird in Köln etwas anders bewertet, ist o.k. so. Darauf werden wir uns einstellen und bald auch etwas mehr mit der Hand spielen.“

18. Oktober 2015: 1. FC Köln – Hannover 96

Durch eines der klarsten Hand-Tore der Bundesliga-Geschichte hat der 1. FC Köln die erste Heimniederlage seit mehr als zehn Monaten kassiert. „Volleyballer“ Leon Andreasen hatte den Ball aus drei Metern mit dem rechten Arm über die Linie geschlagen. Schiedsrichter Bastian Dankert und seine Assistenten hatten dies im Gegensatz zu den meisten der 48.700 Zuschauer nicht gesehen.

12. September 2015: Bayern München – FC Augsburg

Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg) schenkt dem Bayern München in der 90. Minute einen Foulelfmeter zum 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg. Auch Kircher selbst hatte im Nachhinein eingeräumt, dass ihm und seinen Assistenten ein Fehler unterlaufen war.

21. Oktober 2014: Schalke – Sporting Lissabon

Der russische Schiedsrichter Sergej Karassew entschied in der Nachspielzeit nach einem Kopfball Huntelaars ins Gesicht von Jonathan Silva auf Drängen seines Torrichters fälschlicherweise auf Elfmeter. Eric Maxim Choupo-Moting verwandelte den Strafstoß zum Schalker Siegtor (90.+3). „Erst habe ich gedacht, was wäre Hand“, berichtete Huntelaar, „dann habe ich im Fernsehen gesehen, dass es Kopf war.“

14. September 2014: FC Augsburg – Eintracht Frankfurt

Erst übersah er einen glasklaren Foulelfmeter, dann bewies Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) Größe. „Er ist zu mir gekommen und hat sich dafür entschuldigt. Herr Gräfe sagte, dass es ein klarer Elfmeter gewesen war. Ich finde gut, dass er so klar Stellung bezogen hat“, sagte Trainer Thomas Schaaf vom Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt nach dem 0:1 gegen den FC Augsburg am Sonntag.

22. Juni 2014: Belgien - Russland

Geheimfavorit Belgien erreichte vorzeitig das Achtelfinale der WM in Brasilien: durch ein 1:0 (0:0) gegen Russland. Die Belgier profitierten von einem Fehler des deutschen Schiedsrichters Felix Brych: Er verweigerte den Russen einen Elfmeter (27.).

13. Juni 2014: Brasilien – Kroatien

Der Brasilianer Fred provoziert nach einer Berührung an der Schulter des Kroaten Dejan Lovren theatralisch einen Strafstoß. Ex-Schiedsrichter Urs Meier im ZDF: „Ein Schiedsrichter auf Weltklasseniveau hätte das sehen müssen.“ Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann bei Sport1: „Da braucht man keine Zeitlupe", um die Unrechtmäßigkeit des Elfmeters, den Neymar zum 2:1 nutzte (71.), zu erkennen.

17. Mai 2015: Borussia Dortmund – Bayern München

Schiedsrichter Florian Meyer gibt ein klares Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München (0:2 n.V.) in der regulären Spielzeit nicht. „Ich werfe ihm aufgrund der deutlichsten Fehlentscheidung persönlich gar nichts vor, aber dass er offenbar nicht das Mindestmaß an Respekt vor dem BVB hat und sich nicht einmal bei den Spielern entschuldigt, ärgert mich sehr“, sagte Borussia-Chef Watzke der Sport Bild.

18. Oktober 2013: Hoffenheim – Bayer Leverkusen

Stefan Kießling schießt in Sinsheim an Außennetz, der Ball landet jedoch durch ein Loch im Tor. WM-Schiedsrichter Felix Brych aus München erkannte das Phantom an. Als Folge der Fehlentscheidung wurde die Einführung der Torlinientechnik beschlossen, die beim Pokalfinale ihre Premiere in Deutschland feiern soll.

November 2009: Frankreich – Irland

In der Verlängerung besorgte der französische Verteidiger William Gallas den Ausgleichstreffer zum 1:1 – und sicherte seinem Team damit die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika, während Irland aus dem Wettbewerb flog. Den Treffer leitete Stürmer Thierry Henry jedoch irregulär mit einem Handspiel ein, was er später freimütig zugab. Die Fifa hat dem irischen Verband als Entschädigung für den WM-Einzug 2009 einen Kredit über fünf Millionen Dollar (rund 4,4 Millionen Euro) gewährt. Das räumte der Weltfußballverband ein.

Derartige Hilfsmittel können derzeit allerdings noch gar nicht auf nationaler Ebene eingeführt werden. Ende Februar hatte das für Regelfragen zuständige International Football Association Board IFAB eine schnelle Entscheidung zur Videotechnologie abgelehnt. Das Gremium hatte mehr Informationen über ein Pilotprojekt des niederländischen Verbands angefordert, um über ein solches Experiment entscheiden zu können.

In den Niederlanden wird ein fünfter Offizieller getestet, der in einem Übertragungswagen alle Kamerabilder betrachtet und die Kommunikation der Unparteiischen hören kann. Wenn das IFAB zustimmt, kann der Video-Referee zukünftig auch mit dem Schiedsrichter auf dem Feld sprechen. Das IFAB wird bei seiner kommenden Sitzung im März erneut über das Thema befinden.

In der Bundesliga wähnte sich auch der HSV nach dem 1:2 gegen Hannover 96 im Nachteil, forderten einen Handelfmeter. „Das Spiel ist anspruchsvoller geworden, man muss sich fragen, ob es irgendwann sinnvoll ist, technische Hilfsmittel hinzuzunehmen. Reklamieren bringt nichts“, sagte HSV-Sportdirektor Peter Knäbel im NDR.

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In der Bundesliga hatte es in dieser Saison schon mehrfach Diskussionen um den Videobeweis gegeben. Am 9. Spieltag hatte Hannovers Leon Andreasen den Ball mit dem Oberarm ins Tor befördert und seiner Mannschaft dadurch einen 1:0-Auswärtssieg in Köln beschert. Am 4. Spieltag gab es bei der Heimpartie des FC Bayern gegen den FC Augsburg kurz vor Schluss einen fragwürdigen Strafstoß für die Gastgeber - dem Thomas Müller zum Siegtreffer verwandelte.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach lehnte seinerzeit die Einführung des Videobeweises im Fußball ab. „Der Videobeweis führt doch nicht zum Erfolg. Es gibt jedes Wochenende fünf andere Szenen. Der Videobeweis wird nie kommen, weil es so viele strittige Szenen gibt“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

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dpa

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