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05.10.2015

11:28 Uhr

Dominator FC Bayern

Die Bundesliga braucht spanische Verhältnisse

VonThomas Schmitt

Dieser FC Bayern hat in der Bundesliga keine Konkurrenz mehr. Der Meistertitel ist nur noch Formsache. Die Dominanz eines Teams schadet der Liga jedoch. Die Konkurrenten müssen aufholen, so wie in Spanien. Ein Kommentar.

Die Bayern-Stürmer Thomas Müller (l.) und Robert Lewandowski feiern eines der fünf Tore gegen Borussia Dortmund. AFP

Torschützen

Die Bayern-Stürmer Thomas Müller (l.) und Robert Lewandowski feiern eines der fünf Tore gegen Borussia Dortmund.

DüsseldorfDer Bundesliga droht die große Langeweile an der Spitze. Drei große Konkurrenten haben die Bayern scheinbar mühelos abgefertigt: zuerst Leverkusen, dann Wolfsburg und nun Dortmund. Die Duelle gegen direkte Konkurrenten zeigen, wie stark der Rekordmeister in dieser Saison aufgestellt ist – und das, obwohl die Stars Arjen Robben und Franck Ribéry weiter verletzt sind.

Noch mehr als die klaren Ergebnisse verblüfft die Art und Weise, wie die Münchner ihre Siege herausspielen. Sie lassen selbst starken Gegnern kaum den Hauch einer Chance. Entscheidend dafür ist nicht nur die individuelle Klasse der Spieler, sondern darüber hinaus eine große Vielfalt an Spielvarianten, die das Team inzwischen beherrscht.

Beispiel Borussia Dortmund am Sonntag: 25 Minuten funktionierte das übliche Kombinationsspiel der Münchner überhaupt nicht gegen früh störende und ballsichere Dortmunder. Sehr ungewöhnlich dabei war: Der Ballbesitz, eigentlich eine Domäne der Münchener, verteilte sich zu gleichen Teilen auf die beiden Kontrahenten.

Ranking: Welche Bundesliga-Klubs die Deutschen mögen

Umfrage

Die Technische Universität Braunschweig hat in einer Umfrage erhoben, wie die „Einstellung“ der Menschen zu 36 Bundesligavereinen ist. Die Befragten beurteilten dies anhand von drei Kriterien auf einer Skala von 1 bis 5: Wie sympathisch ist der Verein? Wie attraktiv ist er? Und wie gut? Vereine, die nicht so stark polarisieren, bekommen oft ein sehr gutes Sympathie-Ranking - was sich dann positiv auf die Gesamtplatzierung auswirkt.

Markenmeister
Champions League

2 Bor. Mönchengladbach  61,35
3 FC Augsburg  60,64
4 1. FSV Mainz 05  58,79

Europa League

5 SC Freiburg  58,1
6 FC Bayern München  58,04
7 FC St. Pauli  57,28

Mittelfeld

8 1. FC Union Berlin  56,33
9 1. FC Köln  55,46
10 SV Werder Bremen  55,3
11 SV Darmstadt 98  54,64
12 FC Schalke 04  54,11
13 VfL Wolfsburg  53,82
14 1. FC Nürnberg  53,74
15 Eintracht Braunschweig  53,46

Bundesliga-Absteiger

16 Bayer 04 Leverkusen  53,14
17 1. FC Heidenheim  52,92
18 SC Paderborn 07  52,83

Zweitliga-Meister

19 Karlsruher SC  52,81

Zweitliga-Aufsteiger

20 FC Ingolstadt 04  52,11
21 VfL Bochum  51,41

Zweitliga-Mittelfeld

22 1. FC Kaiserslautern  51,39
23 Fortuna Düsseldorf  51,32
24 SV Sandhausen  51,24
25 MSV Duisburg  50,58
26 Eintracht Frankfurt  50,14
27 1899 Hoffenheim  50,08
28 Hannover 96  49,61
29 SpVgg Greuther Fürth  48,74
30 Hertha BSC  48,21
31 Arminia Bielefeld  48,04
32 TSV 1860 München  48,01
33 Hamburger SV  47,79

Zweitliga-Absteiger

34 FSV Frankfurt  47,52
35 VfB Stuttgart  46,93
36 RasenBallsport Leipzig  43,03

Als das Bayern-Team merkte, dass es so nicht voran ging, brach ein langer Ball in die Spitze das Eis. Die Abwehrspieler der Dortmunder schauten nur zu, wie Thomas Müller geschickt zuschlug. Und weil es so gut geklappt hat, wiederholten die Bayern die Variante gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit. Diesmal profitierte Robert Lewandowski von der BVB-Schlafmützigkeit. Das war die frühe Entscheidung.

Die beiden Beispiele zeigen: Gerade ihre Unberechenbarkeit macht die Bayern in dieser Saison so gefährlich. Die Mannschaft ist in der Lage, mehrmals im Spiel Tempo, Rhythmus und Spielsystem zu wechseln. Beobachter sprechen davon, dass sie sich ihren Gegner zurechtlegen. Hinzu kommt: Selbst die kleinsten Schwächen des Gegners nutzen die Bayern immer gnadenloser aus.

FC Bayern München: Fakten für Fußball-Fans

Gründungsjahr

1900.

Heimatstadion

Allianz Arena, 2005 errichtet und für 30 Jahre an den Namen des Versicherungskonzerns gebunden.

Deutsche Meistertitel

26, zuletzt 2015/2016.

Pokalsiege

18 Siege, zuletzt 2015/2016 gegen Borussia Dortmund

Champions-League-Siege

5, zuletzt 2012/2013.

Wertvollste Spieler

Thomas Müller (75 Millionen Euro), Robert Lewandowski (75 Millionen Euro), Jérôme Boateng (45 Millionen Euro), Manuel Neuer (45 Millionen Euro), David Alaba (45 Millionen Euro)

Kader

Wert des Kaders für die Saison 2016/17: rund 580 Millionen Euro
Quelle: Transfermarkt.de, August 2016

Umsatz

Konzernumsatz

432,8 Millionen Euro (2012/13)

528,7 Millionen Euro (2013/14)

523 Millionen Euro (2014/15)

626,8 Millionen Euro (2015/16)

Reingewinn

Gewinn nach Steuern:
14 Millionen Euro (2012/13), Steuern: 131,9 Millionen Euro

16,5 Millionen Euro (2013/14), Steuern: 174,4 Millionen Euro

23,8 Millionen Euro (2014/15)

33 Millionen Euro (2015/16)

Betriebsgewinn

Gewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda)

98,7 Millionen Euro (2013/14)

111,3 Millionen Euro (2014/15)

142,5 Millionen Euro (2015/16)

Eigenkapital

405 Millionen Euro (2013/14)

411 Millionen Euro (2014/15)

424,6 Millionen Euro (2015/16)

Diese Qualität im Münchener Spiel ist in erster Linie ein Verdienst ihres Trainers Pep Guardiola. Er hat das Team auf eine neue Ebene gebracht, an die derzeit nicht annähernd irgendein anderer Bundesligaklub herankommt. Diese Lücke sollte jedoch so schnell wie möglich geschlossen werden. Denn zur Attraktivität des Fußballs gehört auch Spannung an der Spitze.

Kommentare (1)

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Herr Paul Kersey

05.10.2015, 12:54 Uhr

Ich wage jetzt mal eine steile These:
Um auf spanische Verhältnisse zu kommen, braucht man nicht nur das sogenannte "Spielermaterial" sondern auch das "Trainermaterial".

Der FCB hat den vielleicht besten Trainer der Welt engagiert.
Die vier Verfolger Dortmund, Schalke, Wolfsburg und Leverkusen beschäftigen sicherlich hochtalentierte, aber international wirklich unbedeutende Trainer, die alle noch wenig bis nichts gewonnen haben (außer Hecking den DFB-Pokal). Das reicht womöglich nicht, um einen Pep und damit einen FCB in Verlegenheit zu bringen.

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