Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.05.2013

11:04 Uhr

Dubiose Häuserkäufe

Die unsportlichen Methoden des FC Liverpool

VonKatharina Slodczyk

Wie der englische Fußballverein angeblich jahrelang heimlich Häuser und Grundstücke aufkaufte und den Niedergang in der Gegend um sein Stadion herum beschleunigte, um so die Erweiterung seines Geländes möglich zu machen.

„You'll never walk alone“ prangt über dem Eingang des Liverpool-Stadions Anfield. Viele Fans des englischen Traditionsklubs glauben, ihr Verein habe sein eigenes Motto mit Füßen getreten. dpa - picture-alliance

„You'll never walk alone“ prangt über dem Eingang des Liverpool-Stadions Anfield. Viele Fans des englischen Traditionsklubs glauben, ihr Verein habe sein eigenes Motto mit Füßen getreten.

LondonDer Mann hat sich richtig in Rage geredet: „Das ist skandalös“, schimpft Bill Hingham. 55.000 Pfund (umgerechnet 65.000 Euro) bietet ihm die Stadt für sein Haus im Norden von Liverpool, ganz in der Nähe des Fußballstadions des Premier-League Clubs FC Liverpool.

„Ich werde hier aus meinem Haus rausgedrängt, und die wollen das Ganze für einen Spottpreis kaufen.“ Dabei könnten die locker richtige Preise zahlen, und die lägen dann noch immer unter dem durchschnittlichen Verdienst eines Liverpool-Spielers.

So schildert Hingham seinen Ärger einem Journalisten der britischen Tageszeitung „Guardian“. Anlass dafür sind die fragwürdigen Methoden, mit denen der englische Fußballverein bereits in den 90er Jahren die Erweiterung seines Stadions vorangetrieben haben soll und die der „Guardian“ jetzt detailliert beschreibt.

Demnach soll der Club heimlich, still und leise durch Strohmänner Grundstücke und Häuser um sein Gelände herum an der Anfield Road aufgekauft, die Gebäude bewusst leer gelassen und so den Niedergang des Viertels beschleunigt haben.

Die umsatzstärksten Fußballklubs in Europa (Rang 1-10)

Platz 1

Der umsatzstärkste Fußballklub der Saison 10/11 ist Real Madrid mit 479,5 Mio. Euro. Damit bleibt der Verein seinem Platz des Vorjahres weiterhin treu.

Quelle: Studie „Football Money League“, Deloitte (März 2012)

Platz 2

Auf der zweiten Position bleibt der FC Barcelona in der Saison 10/11 mit 450,7 Millionen Euro.

Platz 3

Der Verein Manchester United behält ebenfalls seine Position 3 als umsatzstärkster Fußballklub. In der Saison 10/11 machte er einen Umsatz von 367,0 Millionen Euro.

Platz 4

Auch Bayern München hält sich wacker auf der vierten Position vom Vorjahr mit 321,4 Millionen Euro Umsatz in der Saison 10/11.

Platz 5

Arsenal London gibt ebenfalls seinen Platz vom Vorjahr nicht ab und machte in der Saison 10/11 einen Umsatz von 251,1 Millionen Euro.

Platz 6

Kurz dahinter liegt Chelsea London weiterhin auf dem sechsten Platz mit 249,8 Millionen Euro.

Platz 7

Der AC Mailand nimmt - wie im Vorjahr auch - mit 235,9 Millionen Euro die siebte Position des umsatzstärksten Fußballklubs ein.

Platz 8

Inter Mailand hingegen stieg von Platz neun auf Platz acht auf und erzielte einen Umsatz von 211,4 Millionen Euro.

Platz 9

Vom achten Platz auf den neunten Platz fiel der FC Liverpool. Sein Umsatz in der Saison 10/11 betrug 203,3 Millionen Euro.

Platz 10

Den zehnten Platz nimmt schließlich der FC Schalke ein. Im Vorjahr war er noch auf Platz 16 und schaffte es jetzt, mit einem Umsatz von 202,4 Millionen Euro auf den zehnten Platz vorzudringen.

Inzwischen ist es offiziell, dass an der Stelle des alten Stadions mit gut 45.000 Plätzen ein Neubau mit einer Kapazität von 60.000 Zuschauern kommen soll. Ian Ayre, der Geschäftsführer des FC Liverpool, hat das bereits im Herbst vergangenen Jahres bestätigt.

Die neuen Besitzer des Clubs haben das auf den Weg gebracht. Der FC Liverpool gehört der amerikanischen Fenway Sports Group, die den Verein 2010 von den bei den Fans äußerst unpopulären US-Investoren George Gillett und Tom Hicks übernommen hat.

Jetzt ist auch die Stadt Liverpool an dem Vorhaben des Clubs beteiligt und versucht den Besitzern der noch bewohnten Häuser in direkter Nachbarschaft zum Stadion ihre Immobilie abzukaufen.

Die Menschen reagieren mit großer Verbitterung: „Wenn Liverpool von Anfang an ehrlich mit uns gewesen wäre und offen gesagt hätte, dass sie unsere Grundstücke für die Expansion des Vereins brauchen, dann wäre uns einiges erspart geblieben“, klagt ein Bewohner im Gespräch mit dem „Guardian“.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

SebFro

09.05.2013, 12:14 Uhr

Ich möchte an dieser Stelle eine Korrektur anbringen: Es wird keinen Stadion-NEUBAU geben, sondern das Stadion wird auf 60.000 Plätze ERWEITERT!

robertP

09.05.2013, 12:35 Uhr

Ich habe in Walton (L'pool) gewohnt und bin jeden Tag am Stadion vorbeigeradelt. Man muss einfach wissen, dass der Nordwesten Englands und damit Liverpool in einem strukturschwachen Teil liegt. Zum wirtschaftsliberalen GB gehoert es auch, dass es gute und schlechte Wohngegenden gibt, sogar solche, bei denen man beim Durchfahren die Autotueren verriegelt. Anfield ist als "rough" bekannt und das Stadion steht mitten in einer Wohngegend. Im Gegensatz zu Deutschland werden Haeuser in GB gekauft und verkauft, so wie man in Deutschland Wohnungen mietet. D.h. Leute die dort gekauft haben, haben auf eine Erweiterung des Stadions spekuliert. Die Beschwerden, die jetzt gegen den FC Liverpool vorgebracht werden, muss man also "with a pinch of salt" geniessen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×