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26.02.2013

12:17 Uhr

Düsseldorfs Manager Wolf Werner

„Wir in der Bundesliga sind relativ scheinheilig“

Wolf Werner ist als Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf der älteste Manager der Bundesliga. Im Interview hält er ein Plädoyer für solidere Umgangsformen: „Wir sollten alle ehrlicher miteinander umgehen.“

Nachdenklich: Wolf Werner, Manager von Fortuna Düsseldorf. dpa

Nachdenklich: Wolf Werner, Manager von Fortuna Düsseldorf.

DüsseldorfWarum tut sich ein Mann mit fast 71 Jahren noch diesen Stressjob an?

Werner: Gegenfrage. Warum wird mir immer die Frage nach dem Alter gestellt?

Weil Sie aktuell der älteste Bundesliga-Manager sind.

Meiner Meinung nach hat die berufliche Qualifikation nichts mit dem Alter zu tun. Das ist ja schon fast Diskriminierung. In den Managementbereichen der Wirtschaft gibt es Leute, die viel älter sind als ich. Ich bin aber nicht sauer, dass mir diese Frage immer wieder gestellt wird. Anscheinend ist man in der Bundesliga nicht gewohnt, dass man auch auf Erfahrung setzen kann. Schließlich steckt auch sehr viel Know-how dahinter. Und mit meiner Verpflichtung hat die Fortuna nichts falsch gemacht. Als ich 2007 hier anfing, waren Dinge wie Ruhe, Besinnlichkeit und Ausstrahlung von Fachwissen gefragt. Fortuna brauchte damals keinen, der einfach nur Geld ausgibt.

Wie lange dauert bei Ihnen ein durchschnittlicher Arbeitstag, und wie schalten Sie von diesem Tag ab?

Einen durchschnittlichen Arbeitstag gibt es ja fast gar nicht. Es gibt sehr stressige Phasen, wenn was Neues ansteht, in den Transferperioden zum Beispiel. Zwischendurch hat man auch ruhigere Phasen, so wie jetzt. Da kann man das Handy auch mal ignorieren.

Die Bundesliga in Zahlen

Zuschauerschnitt

1963/64: 27.000
1973/74: 22.500
1983/84: 20.000
1993/94: 27.000
2003/04: 37.500
2011/12: 45.100

Einnahmequellen der Klubs

Mediale Verwertung: 27 Prozent
Werbung: 27 Prozent
Spieltagseinnahmen: 21 Prozent
Transfererlöse: 10 Prozent
Merchandising: 4 Prozent
Sonstiges: 11 Prozent

Gemessen an den 1,94 Milliarden Gesamteinnahmen der 18 Klubs in der Saison 2010/11.

Quelle: DFL

Meisterschaften

Bayern München (22)
Borussia Mönchengladbach (5)
Borussia Dortmund (5)
Werder Bremen (4)
Hamburger SV (3)
VfB Stuttgart (3)
1. FC Köln (2)
1. FC Kaiserslautern (2)

Die meisten Abstiege

Arminia Bielefeld (7)
1. FC Nürnberg (7)
VfL Bochum (6)
MSV Duisburg (6)
Karlsruher SC (6)
Hertha BSC (6)

Was ist heute anders als vor 25 Jahren? Was nervt Sie beispielsweise heutzutage?

Mich nervt eigentlich gar nichts. Aber es gibt bestimmte Dinge, die ich nicht gut finde.

Zum Beispiel?

Ich finde es zum Beispiel nicht gut, dass wir in der Bundesliga relativ scheinheilig sind. Alle tun immer so, als würden sie sich an die Regularien halten. Dass ein Spieler erst ein halbes Jahr vor Ende seines Vertrages angesprochen werden darf. Kein Mensch hält sich dran.

Halten Sie sich dran?

Wir sind ja gar nicht in der Lage, an Spieler aus der ersten Liga ranzugehen, die wir aus einem Vertrag rauskaufen könnten. Grundsätzlich mag mancher denken, dass ich ein angestaubtes Moralempfinden habe. Aber das werde ich auch weiterhin nicht brechen. Manche Geschichten sind im Übrigen auch medial begründet. Unlautere Geschichten wie derzeit die mit Robert Lewandowski. Das ist ja ein Possenspiel, das da von den Medien aufgezogen wurde.

Bewertung der Trikotsponsoren 2012/2013

Bayern München

Sponsor: Deutsche Telekom
Investitionssumme: 23 Millionen Euro
Laufzeit: bis 2013

VfL Wolfsburg

Sponsor: Volkswagen
Investitionssumme: mindestens 20 Millionen Euro
Laufzeit: unbefristet

Schalke 04

Sponsor: Gazprom
Investitionssumme: bis zu 18 Millionen Euro
Laufzeit: 2017

Borussia Dortmund

Sponsor: Evonik
Investitionssumme: bis zu 15 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

Hamburger SV

Sponsor: Emirates
Investitionssumme: bis zu 8,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2015

Werder Bremen

Sponsor: Wiesenhof
Investitionssumme: 6 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

Werder Bremen sind durch Vermarkter Infront für die Trikotwerbung acht Millionen garantiert.

VfB Stuttgart

Sponsor: Mercedes Bank
Investitionssumme: 6 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

Bayer Leverkusen

Sponsor: Sunpower
Investitionssumme: 6 Millionen Euro
Laufzeit: 2016

Eintracht Frankfurt

Sponsor: Krombacher
Investitionssumme: 5,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2018

Der Vertrag von Eintracht Frankfurt mit Krombacher läuft zwar bis 2018. Nach einem Jahr als Trikotsponsor wird die Brauerei ab dem zweiten Vertragsjahr aber zum Premiumsponsor.

1899 Hoffenheim

Sponsor: Suntech
Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

Borussia Mönchengladbach

Sponsor: Postbank
Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

Hannover 96

Sponsor: Tui
Investitionssumme: 4 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

FSV Mainz 05

Sponsor: Entega
Investitionssumme: 4 Millionen Euro
Laufzeit: 2017

1.FC Nürnberg

Sponsor: NKD
Investitionssumme: 3,5 bis 4 Millionen Euro
Laufzeit: 2016

Fortuna Düsseldorf

Sponsor: o.tel.o
Investitionssumme: 2,8 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

SC Freiburg

Sponsor: Ehrmann
Investitionssumme: 2,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2014

SpVgg Greuther Fürth

Sponsor: Ergo Versicherungen
Investitionssumme: 2,2 Millionen Euro
Laufzeit: 2018

FC Augsburg

Sponsor: Al-Ko
Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2013

Sagen Sie Ihren jüngeren Kollegen, dass sie sich an diesen Ehrenkodex halten sollen?

Nein! Ich glaube, die würden mich auslachen. Sie würden zwar alle sagen, na ja, du hast ja recht. Aber im Grunde würden sie hinterher sagen, mein Gott, ist der naiv. Aber dieses Getue ist schon kurios. Dass man sich nach außen an alles hält, aber jeder hinter dem Rücken der anderen handelt. Und am Schluss will sich keiner einer Schuld bewusst sein. Wie jetzt mit Jupp Heynckes und Schalke. Da gefällt mir, bei allem Verständnis, diese mediale Vorgehensweise nicht. Der Fantasie wird damit freier Lauf gelassen, und keiner kann sich dagegen wehren. Das mag vielleicht ein Schuss naiv sein von mir, aber ich bin froh, dass ich mir das noch bewahrt habe. Kurzum: Es könnte ruhig etwas seriöser ablaufen. Wir sollten alle ehrlicher miteinander umgehen.

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