Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.03.2014

07:04 Uhr

DWS-Experte zum Steuerfall Hoeneß

„Lieber Freund, hilf dir und tritt zurück“

ExklusivCorporate-Governance-Experte Strenger kritisiert Adidas, Audi und Telekom. Die Anteilseigner und Großsponsoren des FC Bayern hätten ihre Richtlinien im Fall Hoeneß nicht befolgt. Sie sollten ihn zum Rücktritt drängen.

Drahteln zum Diktat

Hoeneß vor der Steueraffäre: „Ich brauche keine Berater“

Drahteln zum Diktat: Hoeneß über sein Geld: "Ich brauche keine Berater"

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MünchenDer Corporate-Governance-Experte Christian Strenger hat die Anteilseigner des FC Bayern München wegen ihres Umgangs mit dem Steuerfall Hoeneß scharf kritisiert. „Sie sollten zu Hoeneß sagen: Lieber Freund, hilf dir und der Sache mal und tritt zurück“, sagte der Aufsichtsrat und frühere Chef der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe).

Die Anteilseigner Adidas, Audi und der Großsponsor Deutsche Telekom hätten die bei ihnen selbst geltenden Compliance-Richtlinien nicht befolgt. Strenger ist auch Mitglied der Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung.

Die Steuer-Affäre um Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Oktober 2010

Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten.

April 2012

Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu.

November 2012

Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern.

Dezember 2012

Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.

12. Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird. Die Rede ist von einer Kaution in Millionenhöhe.

20. April 2013

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt in München, er sei „seit geraumer Zeit“ über das Verfahren gegen Hoeneß informiert. Später präzisiert die Landesregierung: Das Finanzministerium wusste seit 17. Januar von der Selbstanzeige, Seehofer wurde am 25. Januar vom Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft informiert.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. In der Folge häuft sich die Kritik, vor allem die Politik erkennt das Potenzial zum Wahlkampfthema. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben hingegen die Reihen beim FC Bayern.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht trotzdem das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über ein 4:0.

1. Mai 2013

Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Seinen FC Bayern, dessen Spiel er am Abend in Barcelona bejubelt, nimmt er gegen jeden Verdacht in Schutz. Der Vereinspräsident schließt Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister aus. Frühzeitig verlässt er das nächtliche Bankett.

4. Mai 2013

Hoeneß verzichtet auf einen Besuch des brisanten Bundesliga-Auswärtsspiels bei Borussia Dortmund. Stattdessen schaut er sich das Playoff-Match seiner Basketballer gegen Alba Berlin an.

6. Mai 2013

In München ist eine Aufsichtsratssitzung des FC Bayern angesetzt. Dort geht es auch um die Zukunft des allmächtigen Vereinspatrons gehen. Der Aufsichtsrat stellt sich hinter Hoeneß und lässt ihn im Amt – bis möglicherweise neue Erkenntnisse vorliegen.

11. Mai 2013

Die Anwälte von Uli Hoeneß erstellen Anzeige gegen Unbekannt wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Die Schuldigen, die Informationen über die Steuerhinterziehung haben durchsickern lassen, werden auch in der Münchner Staatsanwaltschaft gesucht.

1. Juni 2013

Mit dem Sieg im DFB-Pokal holt sich der FC Bayern endlich das ersehnte Triple. Hoeneß ist auf der Tribüne mit dabei und wirkt angespannt. Die Fans feiern ihn mit Sprechchören.

13. Juli 2013

Der SPIEGEL meldet, dass Uli Hoeneß mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann. Die meisten der Straftaten seien nämlich mittlerweile verjährt.

30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München teilt mit, dass sie gegen „Ulrich H.“ Anklage wegen Steuerhinterziehung erhoben hat. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München müsse nun über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Präsidenten des FC Bayern München entscheiden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

4. November

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München lässt die Anklageschrift gegen Uli Hoeneß in vollem Umfang zu. Prozessbeginn ist demnach am 10. März 2014.

23. Januar 2014

Die Münchner Staatsanwaltschaft durchsucht bayerische Finanzbehörden. Hintergrund ist eine Strafanzeige von Uli Hoeneß wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Im Oktober 2013 hatten Journalisten dem Präsidenten des FC Bayern München ein Dokument aus seiner Steuerakte vorgehalten. Die Staatsanwaltschaft will nun herausfinden, wer das interne Dokument weiterleitete.

Am Montag beginnt der Prozess wegen Steuerhinterziehung gegen den Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden des Bundesligisten FC Bayern. Hoeneß will nach einem möglichen Urteil eine außerordentliche Hauptversammlung über sein weiteres Schicksal entscheiden lassen. Im Aufsichtsrat gibt es aber Unbehagen, weil bei den beteiligten Unternehmen strenge Compliance-Richtlinien gelten.

„Wenn diese Unternehmen konsequent ihre eigenen Ansprüche leben würden, wäre dem eben nicht so“, sagte Strenger mit Blick auf die Tatsache, dass Hoeneß trotz des Prozesses noch im Amt ist. Falls es zu einer Verurteilung kommt, sollten die Anteilseigner nach seiner Einschätzung auch bei einer Bewährungsstrafe nochmal auf Hoeneß zugehen und ihn zum Rücktritt drängen.

Das vollständige Interview mit dem Corporate-Governance-Experten Christian Strenger finden Sie im Download-Paket in unserem Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Von

ax

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.03.2014, 09:12 Uhr

Um welchen Betrag soll Herr Hoeneß das Gemeinwesen geschädigt haben?

Eines steht fest:
Würde man Gleiches mit Gleichem vergleichen, hätten wir keine Politiker mehr. Und ich bin davon überzeugt, dass mancher Politiker mehr Bestechungsgeld in cash eingestrichen hat, als hier zur Diskussion steht.

Will die Justiz Herrn Hoeneß "hinrichten", sollte sie den Gleichheitsgrundsatz beachten. Nur dann können wir Bürger von Rechtssicherheit in unserem Staat ausgehen.

Nicht das ich falsch verstanden werde. Ich bin nicht gegen eine Bestrafung von Hoeneß wegen seinem Fehlverhalten. Ich bin nur für Gerechtigkeit.

Jeder, der sich im Land umschaut, wenn er in den Norden nach Hamburg, wenn er nach Berlin, wenn er auf den Nürburgring, wenn er nach Stuttgart, wenn er nach Bayern, wenn er auf die Bahn, wenn er auf die Maut, wenn er auf ... schaut, muss die gleiche Frage wie ich aufwerfen.

Ein Staat, der sich das Recht herausnimmt mit unterschiedlicher Meßlatte zu richten, kann kein Rechtsstaat sein.

Account gelöscht!

06.03.2014, 09:32 Uhr

@ Mazi:

Das ist ja genau das Problem:

Man redet uns ständig ein, daß wir in einem Rechtsstaat leben würden und singt Loblieder auf die Demokratie.

Dabei hatten wir vielleicht unter Kaiser Wilhelm einen Rechtsstaat, sicher aber jetzt nicht und unsere hochgelobte "Demokratie" ist eine Gesinnungsdiktatur des Gutmenschentums und vereinnahmt vom Großkapital.

Bei der letzten Bundestagswahl sind fast 7 Millionen Stimmen einfach unter den Tisch gefallen, Demokratie ist sowas jedenfalls nicht, denn da hat JEDE Stimme das gleiche Gewicht.

Account gelöscht!

06.03.2014, 09:35 Uhr

Ich bin dafür, dass Hoeness seinen Hut als Bayern-Präsident nimmt. Als oberster Repräsentant des Vereins ist er einfach nicht mehr tragbar und das sage ich als Fan des FC Bayern. Wär jahrelang bewusst Steuern hinterzieht, damit den Staat um sein Geld bringt und letztendlich auch der Gesellschaft schadet, dem sollen keine Sympathien entgegen gebracht werden. Bei einem Onlinevoting, welches gerade stattfindet und wo danach gefragt wird, ob Hoeneß seine Demission einreichen soll, kann man erkennnen, dass die Mehrheit der Leute hier meiner Meinung ist. Siehe hier: http://bit.ly/hoeness-ruecktritt_ja-oder-nein

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×