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25.10.2014

17:08 Uhr

Ebola

Die Seuche bedroht den Fußball in Afrika

VonWolfgang Drechsler

Marokko hat Angst vor Ebola. Der Gastgeber des Afrika-Cups möchte daher das größte Fußball-Event auf dem Kontinent verschieben. Denn viele Spieler und Fans kommen aus der Region, wo die Seuche gerade wütet.

JohannesburgSie liegt tief im Westen des schwarzen Kontinents, in einem knapp 1500 Kilometer breiten Küstenstreifen zwischen der Elfenbeinküste und dem ölreichen Golf von Guinea: Afrikas derzeitige Fußballhochburg. „Die Ecke ist das, was der Ruhrpott für Deutschland ist“, meint der südafrikanische Fußballexperte Marc Gleason.

„Ähnlich dicht ist die Fußball-Kompetenz nirgendwo anders in Afrika geballt.“ Gleich vier der fünf afrikanischen Teams, die sich für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert hatten, kamen aus Westafrika: Kamerun, die Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria. Als einziges anderes Team aus Afrika war noch Algerien dabei; Süd-und Ostafrika waren fußballerisch in Brasilien überhaupt nicht vertreten.

Was eigentlich Anlass zum Stolz sein sollte, ist nun für den Afrika-Cup, der in drei Monaten in Marokko stattfinden soll, zu einer schweren Hypothek geworden: Die Angst der Nordafrikaner, dass sie sich mit den vielen starken Teams aus Westafrika womöglich auch den Ebola-Virus ins Land holen könnten, ist riesengroß.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Schließlich sorgt die Seuche derzeit in gleich drei westafrikanischen Ländern für chaotische Zustände. Fast 5000 Menschen sind in Sierre Leone, Guinea und Liberia dem Virus bereits zum Opfer gefallen – und die jüngsten Projektionen deuten eher auf eine Verschärfung der Lage hin.

Genau deshalb hat Marokko nun das eigentlich Undenkbare getan und den Afrikanischen Fußballverband (CAF) gebeten, das Turnier um bis zu einem Jahr zu verschieben. Auf diese Weise hofft der Mittelmeeranrainer Zeit im Kampf gegen die Epidemie zu gewinnen. Sollte eine Verschiebung nicht zustande kommen, erwägt Marokko einen kompletten Rückzug als Gastgeber des prestigeträchtigen Turniers.

Die sportlichen Auswirkungen eines solchen Verzichts wären wohl gravierend: Neben einer saftigen Geldstrafe droht dem Nationalteam eine internationale Sperre. Auch würde das Land die automatische Qualifikation für das Turnier sofort verlieren.

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