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13.07.2015

17:29 Uhr

Ein Jahr nach dem Finale von Rio

Was von einer Weltmeisterschaft bleibt

VonJohannes Steger

Kostenverschwendung oder Wirtschaftsförderung für Schwellenländer? Eine aufwendige Dokumentation geht der Frage nach, wer von einer Fußball-WM profitiert – und wer nicht. Entscheidender Faktor ist der Weltverband Fifa.

Was bleibt nach der großen WM-Party? Eine Web-Dokumentation geht dieser Frage nach. dpa

Deutsche Elf feiert den Weltmeistertitel

Was bleibt nach der großen WM-Party? Eine Web-Dokumentation geht dieser Frage nach.

DüsseldorfAm 13. Juli 2014 gab es nur noch eins: Jubel. Der deutschen Elf gelang im Stadion von Maracana der Sieg gegen Argentinien und damit der vierte Weltmeistertitel für Deutschland. Nicht nur die Fans in der fernen Heimat feierten, sondern auch viele Brasilianer freuten sich für die siegreichen Gäste. Das ganze Land eine riesige WM-Party. Vergessen waren da die Bilder aus dem Vorjahr. Denn bevor das sportliche Großereignis mit Hochglanz und Positiv-Stimmung über die Bildschirme der Welt ging, waren es die Aufnahmen wütender Demonstranten in den Straßen von Sao Paulo oder Rio de Janeiro. 18 Milliarden Dollar hat die Regierung in das Großereignis investiert. Geld, das nach Ansicht der Demonstranten besser in den Sozialsysteme oder der Bildung aufgehoben gewesen wäre. Die Regierung versprach indes, dass das WM-Geld gut angelegt sei, Brasilien langfristig profitieren würde.

Auch Yaniv Wolf hat diese Bilder gesehen und die kritischen Artikel über die WM-Vergabe gelesen. Aber er hörte auch von den Berichten, dass Länder, in denen die WM ausgetragen wird, von dem Mega-Event profitieren würden und die Fifa vernünftig handele, wenn sie das Mega-Event an Schwellenländer gäbe. Wolf arbeitet für die unabhängige niederländische Produktionsfirma Submarine, deren Online-Division Submarine Channel für ein Projekt über Piraterie 2014 mit einem Emmy ausgezeichnet wurde.

Eine Idee begann zu reifen im Dezember 2013: Wolf und sein Team wollten die Geschichte über die Weltmeisterschaft anders erzählen: „Aus der Sicht der Menschen, die wirklich in den WM-Städten leben“, erzählt der Produzent. Doch nicht nur Rio de Janeiro wollte Wolf in den Fokus nehmen, sondern auch WM-Austragungsorte der vorherigen Turniere, in diesem Fall Johannesburg und Leipzig. Als Kooperationspartner fand sich die niederländische Tageszeitung „NRC Handelsblad“. Die niederländische Film- und Medienförderung, Fonds21 und die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien bezuschussten unter anderen das Projekt, das rund 100.000 Euro kosten sollte.

In jeder der drei Städte arbeiteten ein Radio- und ein Printjournalist mit einem Fotografen zusammen, der die Menschen und ihre Geschichten dokumentierten – zwölf in jeder Stadt. Besonders wichtig sei dabei die Unvoreingenommenheit gewesen, sagt Produzent Yaniv Wolf. Es sei nicht darum gegangen, besonders positive oder negative Geschichte zu suchen, sondern zu schauen, was die Menschen wirklich empfanden. Herausgekommen ist „Who are the Champions?“ – eine multimediale Web-Dokumentation, die die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen der WM beleuchtet. Dabei soll sie dem Betrachter keine Meinung vorgeben, sondern lässt Raum für das eigene Bild. Und das ist keineswegs so eindeutig, wie das manch einer gerne hätte.

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