Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.03.2017

08:17 Uhr

Einfluss von Geldgebern im Fußball

Guter Investor, schlechter Investor?

VonThomas Schmitt

Hannover 96 gegen 1860 München: In dem Spiel geht es um mehr als Auf- und Abstieg. Hier treffen zwei Eigentümer aufeinander, die wenig gemeinsam haben – und die Debatte um Investoren im deutschen Fußball neu entfachen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Hauptanteilseigner des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München, Hasan Ismaik, kritisiert Journalisten und Ex-Mitarbeitern. dpa

TSV 1860 München

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Hauptanteilseigner des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München, Hasan Ismaik, kritisiert Journalisten und Ex-Mitarbeitern.

DüsseldorfEin Jordanier entfacht die Debatte um gute und schlechte Investoren im deutschen Fußball neu. Hasan Ismaik ist zwar bereits seit 2011 hierzulande aktiv, doch in diesem Jahr fällt der Geldgeber von 1860 München erst so richtig negativ auf. Nur vordergründig geht es dabei um rüdes Verhalten gegenüber Gegnern und Journalisten.

Tatsächlich stellt sich erneut die Grundsatzfrage im deutschen Fußball: Was ist ein guter und was ein schlechter Investor? Und: Wie viel Einfluss dürfen Geldgeber auf einen Profiverein erhalten? Dürfen sie ihn am Ende sogar übernehmen? Bisher ist dies hierzulande nur in Ausnahmefällen möglich. Die Regel soll sein: Der Fußballverein gehört seinen Mitgliedern.

Ausgerechnet an diesem Samstag spielt Ismaiks Verein 1860 München gegen Hannover 96. Dort regiert seit rund 20 Jahren der Unternehmer Martin Kind, der ein ausgewiesener Gegner der geltenden Investoren-Regel (50+1) ist – genauso wie Ismaik. Im Gegensatz zu dem Jordanier genießt Kind jedoch einen ungleich besseren Ruf. Was hat Ismaik falsch gemacht?

Geliebt, gehasst, gebraucht – Investoren im deutschen Profi-Fußball

Die 50+1-Regel

Die 50+1-Regel soll den Einfluss von Geldgebern bei den deutschen Profivereinen begrenzen. Dabei handelt es sich um einen Paragrafen in den Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL), wonach Kapitalanleger grundsätzlich nicht die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen dürfen. Erlaubt ist jedoch, dass sich die Mehrheit des Kapitals im Besitz privater Investoren befindet. In den vergangenen Jahren wurde die Regel jedoch zunehmend aufgeweicht. Immer mehr Clubs suchen neue Wege für ihre Finanzierung.

Quelle: dpa

Hamburger SV

Im Januar verkündete der Hamburger SV nach langem Hin und Her, dass Spediteur Klaus-Michael Kühne als erster Investor in die Fußball-AG des klammen Traditionsvereins einsteigt. Dazu wird ein Darlehen von 18,75 Millionen Euro in Anteile der Gesellschaft umgewandelt, was Kühne eine Beteiligung von 7,5 Prozent bringt. Ähnliche Modelle gibt es bereits bei vielen anderen Vereinen – oder sie sind in Planung.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ ließ schon länger Investoren zu, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg.

1899 Hoffenheim

Im vergangenen Dezember überarbeitete und präzisierte der Ligaverband die Statuten für den Umgang mit Ausnahme-Anträgen zu 50+1. Danach dürfen nunmehr nicht nur Wirtschaftsunternehmen die Mehrheit an einem Club halten. Auf der Versammlung am Montag machten die anwesenden Mitglieder einstimmig den Weg frei für eine Übernahme der Stimmenmehrheit an der ausgegliederten Profi-Abteilung durch Mäzen Dietmar Hopp. DFL und DFB hatten zuvor bereits ihre Zustimmung gegeben.

Hannover 96

Etwas länger gedulden muss sich Hörgeräte-Hersteller Martin Kind. Der Präsident von Hannover 96 kämpft seit Jahren gegen 50+1, erreichte etwa vor Gericht, dass der Stichtag 1. Januar 1999 aufgehoben wurde. Kind wartet nun auf das Jahr 2017, dann wird er 20 Jahre bei den Hannoveranern involviert sein und dürfte den Club übernehmen.

RB Leipzig

Eine andere Ausnahme ist RB Leipzig, das als Marketing-Instrument von Geldgeber Red Bull gilt, aber dennoch vor dieser Saison die Lizenz für die 2. Bundesliga erhielt.

FC Bayern München

Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile.

Borussia Dortmund

Beim einzigen börsennotierten deutschen Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Im vergangenen August beschloss der Club eine Kapitalerhöhung, um weitere 114,4 Millionen von Investoren einzusammeln.

Eine mögliche Antwort: Zu wenig Bewusstsein für die Verantwortung, die ein Engagement bei einem Traditionsverein mit sich bringt. Kind antwortet auf Nachfrage des Handelsblatts: „1860 München ist es im Jahr 2011, als Ismaik eingestiegen ist, wohl nicht gelungen, bayerische Unternehmer zu engagieren und vom Klub zu überzeugen.“ Er selbst sieht sich da besser aufgestellt: Bei Hannover 96 sind nur Unternehmer aus der Region investiert.

Hannover-96-Präsident Kind: „1860 München fehlen bayerische Unternehmer“

Hannover-96-Präsident Kind

„1860 München fehlen bayerische Unternehmer“

Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, über Regeln für Geldgeber im Fußball, seinen umstrittenen nächsten Gegner aus München und wie viel Verlust er in den zweiten Bundesliga in Kauf nimmt.

Dem Jordanier empfiehlt Kind, mehr auf seine Berater zu hören, die das deutsche Verbands- und Unternehmensrecht kennen. Damit spielt er auf Auseinandersetzungen mit Journalisten an, die ihre Freiheit eingeschränkt sehen. Kind dazu: „Fußball ist in Deutschland längst ein öffentliches Gut.“ Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch auf Information. „Und das ist auch gut so.“

Ob Ismaik im Stadion von Hannover 96 auftaucht, war im Vorfeld nicht klar. Doch Kind zeigt sich schon mal großzügig: „Ich kann Hasan Ismaik, alle seine Mitarbeiter und die Vorstandschaft nur herzlich einladen, unsere Gäste zu sein. Und wenn für die Münchner ein Tor fallen sollte, dann dürfen natürlich alle nach Herzenslust jubeln“, sagte Kind dem „Münchner Merkur“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×