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02.12.2011

16:36 Uhr

EM-Geschäft mit den VIPs

Schampus und Spiele

VonStefan Merx

Tickets zur Fußball-EM sind bei Firmenkunden begehrt. Nach der Auslosung am Freitagabend erwarten Vermarkter einen Ansturm auf die VIP-Karten. Einige Pakete dürften aber nur für Oligarchen und Konzerne interessant sein.

KölnMan nehme: eine Torwand, Büffelgras-Wodka und Lukas Podolski. Im polnischen Konsulat in Köln-Marienburg wuchs zu später Stunde die Vorfreude auf die nahende Europameisterschaft. Und das war der Plan. Als im Oktober der Rechtevermarkter Sportfive in die feine Villa eingeladen hatte, sollte sich bei den anwesenden Mittelständlern vor allem ein Wunsch verfestigen: Ich muss zur EM.

Selbst der neben Podolski als Überraschungsgast einbestellte Lothar Matthäus stand im kleinen Kreis zum Smalltalk bereit. Derweil führten hochrangige Sportfive-Manager diskret Verkaufsgespräche für VIP-Sitze zum Top-Fußballereignis des Jahres 2012. Für das preiswerteste Paket, eine Städteserie im "Club Prestige Gold", ruft die Agentur 11.600 Euro auf - knapp 1.000 Euro pro Ticket. Das Topprodukt, es umfasst 384 Logenkarten in der "Platinum"-Kategorie, soll 990.000 Euro kosten - eher ein Fall für Oligarchen und Konzernkunden.

Für Philipp Hasenbein, Geschäftsführer von Sportfive Deutschland, ist der Verkauf der sogenannten Hospitality-Pakete zur EM in jedem Fall ein prestigeträchtiges Geschäft. Ob es auch einträglich ist, muss sich noch erweisen. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat Sportfive als Exklusivvermarkter für den deutschen Markt ausgewählt. Rund zehn Prozent Provision erhält die Agentur angeblich für den reinen VIP-Ticketverkauf. Hinzu kommt die Organisation der Reisen, die für Kunden aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz die Firma VIP Sportstravel regelt, an der Sportfive indirekt beteiligt ist.

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Für die Ukraine ist die Ausrichtung der Fußball-EM in erster Linie eine Imagesache. In Polen, wo die Milliarden-Investitionen für das Turnier wie ein Konjunkturprogramm wirkten, sieht die Lage völlig anders aus.

"In den Monaten vor der Auslosung haben wir eine überraschend starke Nachfrage von Privatpersonen und aus dem Mittelstand gespürt", sagt Hasenbein. Besonders gefragt sind neben K.o.-Spielen und Partien im benachbarten Polen vor allem Spiele mit deutscher Beteiligung. Die teamspezifischen Serien hat die Uefa erst auf Drängen der Vermarkter nachträglich ins Hospitalityprogramm aufgenommen.

Hasenbein wird am Freitag die Auslosung im Kiewer Kunstpalast miterleben. Auch dort schnüren die Uefa-Offiziellen unmittelbar nach der Ziehung die VIP-Angebote neu, auch um weniger attraktive Partien geschickt unterzumischen. Zeitgleich sind Sportfive-Verkäufer in Berlin und vor dem Bundesligaspiel in Leverkusen im Einsatz. "Noch warten manche ab. Wenn aber feststeht, wer wo auf wen trifft, gibt es den großen Run", schätzt Hasenbein. "Ab Freitagnacht geht es los, die Anfragen der Bestandskunden werden zuerst bearbeitet."

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