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14.10.2014

22:57 Uhr

EM-Qualifikation

Kroos knackt das irische Bollwerk – doch vergeblich

VonThorsten Giersch

Gegen Irland ist die deutsche Nationalmannschaft überlegen und tonangebend. Doch die DFB-Elf macht es lange zu umständlich – und wird am Ende bestraft. Den 1:0-Sieg verspielte der Weltmeister in der Nachspielzeit.

Irlands John O'Shea (links) lässt sich für seinen späten Treffer zum 1:1 Endstand feiern. dpa

Irlands John O'Shea (links) lässt sich für seinen späten Treffer zum 1:1 Endstand feiern.

GelsenkirchenViele Verletzte, ein clever verteidigender Gegner und fehlendes Fortune: Die deutsche Nationalmannschaft muss nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Irland um die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich bangen. Dabei spielten die Mannen von Bundestrainer Joachim Löw erneut recht ordentlich und wurden 20 Minuten vor Schluss für das Anrennen endlich belohnt: Gegen tief stehende Iren war es Toni Kroos, der Fußball-Deutschland mit einem perfekten Fernschuss erlöste.

Bis dahin war der Weltmeister mit starkem Willen gegen die irische Defensive angerannt. Um sich dann in den Schlussminuten mit fahrigem und teilweise arrogantem Auftreten wieder alles zu verspielen. Im Vergleich zum Polen-Spiel musste Löw seine Elf auf zwei Positionen verändern: Für Christopher Kramer spielte Matthias Ginter im defensiven Mittelfeld. Auf links durfte Julian Draxler für André Schürle in seinem Heimatstadion ran. Beide leiden an einem Infekt.

Den ersten Aufreger gab es gleich in der fünften Minute: Erik Durm jagte den Ball aus gut 20 Metern an die Querlatte. Irlands Keeper David Forde stand zu weit vor dem Tor und hätte den Ball wohl nicht gehalten. Die Szene gab der deutschen Elf die nötige Sicherheit.

Stimmen zum Irland-Spiel

Joachim Löw

„Wut ist vielleicht das falsche Wort, aber wir haben den Vorsatz, dass wir gegen Irland unbedingt die drei Punkte einfahren wollen“, sagte der Bundestrainer kämpferisch. „Konsequenz im Abschluss ist noch mal das Thema mit der Mannschaft“, betonte der Freiburger: „Die Spielanlage war absolut in Ordnung.“

Oliver Bierhoff

„Das ist reine Kopfsache, da brauchen wir keinen Tanz in der Kabine aufzuführen. Man sollte den Gegner erst bestrafen, ein Tor schießen und dann wieder zaubern“, sagte Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Nationalmannschaft. „Aber so eine Niederlage ist auch hilfreich für junge Spieler, um zu lernen.“

Julian Draxler

„Das 0:2 tat weh. Wir wissen, dass es kein Beinbruch ist. Aber wir sehen uns in der Pflicht, dass wir das Ruder wieder rumreißen“, sagte Julian Draxler forsch. Der Schalker Jung-Nationalspieler rechnete sich Chancen auf einen Startelfplatz aus: „Vor dem Spiel in Polen war ich körperlich noch nicht auf der Höhe. Wenn mich der Trainer jetzt fragt, werde ich sagen, dass ich bereit bin.“

Thomas Müller

„Jetzt müssen wir einfach die Tabellensituation mit einem Sieg gegen Irland wieder in positiveres Licht rücken“, bemerkte Thomas Müller vor seinem 60. Länderspiel. „Das geht allerdings nur, wenn wir Tore erzielen. Da müssen wir das Ding noch mehr erzwingen“, ergänzte der Münchner Torjäger.

Manuel Neuer

„Da müssen wir wieder aufpassen und jede Situation ernst nehmen“, unterstrich Ersatzkapitän Neuer.

Toni Kroos

„Wir müssen wieder möglichst schnell in die Zwischenräume spielen und keine Konter zulassen“, ergänzte Toni Kroos.

Jerome Boateng

„Wir dürfen es nicht einfach abhaken“, betonte Innenverteidiger Jérome Boateng: „Wir müssen kritisch mit uns umgehen und sehen, was wir vorn und hinten falsch gemacht haben.“

Martin O'Neill

„Jetzt heißt es „full speed“ gegen Deutschland.“ Aber bitte nicht zu übermütig werden, mahnte Irlands Nationaltrainer Martin O'Neill: „Wir sind nicht gut genug, um irgendwie abzuheben.“ Seine Mannschaft müsse „vorsichtig“ sein, dürfe sich aber nicht zu sehr auf die Defensive verlassen: „Wenn wir nur abwartend agieren, wird Deutschland einen Weg finden.“

Roy Keane

„Wir treffen auf ein verwundetes Tier. Das wird eine harte Probe für uns.“

Robbie Keane

Keane sieht aktuell keinen Grund, „jetzt in meinem Hotelzimmer rumzuspringen“. Dennoch: Er fühle sich „brillant“ und so gut in Form, dass es keinen Grund gebe, „warum wir gegen Deutschland nichts holen sollten“.

Auch wenn es an Automatismen mangelte, kontrollierte sie das Spiel. Wie schon gegen Polen war die rechte deutsche Seite die spürbar aktivere. Vor allem Karim Bellarabi wirbelte in der Anfangsphase die Abwehr der Gäste mit dem einen oder anderen Dribbling durcheinander.

So ließ die nächste Chance nicht lange auf sich warten: Nach einer feinen Freistoßvariante kam Antonio Rüdiger aus guter Position zum Kopfball, setzte diesen aber knapp neben den rechten Pfosten. Nur eine Minute später verzog Toni Kroos nach einem schönen Spielzug über links aus 16 Metern – da war mehr drin.

Deutschland startete stark, die Iren gelinde gesagt übervorsichtig. Hier und da mal ein Ansatz oder der Versuch, einen Freistoß herauszuholen – ansonsten lautete das Motto: lieber einen langen Pass ins Niemandsland, nur um bloß nicht den Ball in der Vorwärtsbewegung zu verlieren. So rannten die Weißen immer wieder gegen die „grüne Wand“ an, das aber durchaus mit guten Ideen.

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