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17.11.2011

15:01 Uhr

Englische Premier League

Warum Chelsea der wirtschaftliche Abstieg droht

VonIngmar Höhmann

Der Kader des FC Chelsea gehört zu den besten und teuersten der Welt. Doch weil sich die Fans gegen die Stadionpläne von Besitzer Roman Abramowitsch sperren, könnte der Klub bald seine Spitzenstellung verlieren.

„Chelseas Wurzeln sind unverkäuflich“: Die Fangemeinschaft, die das Chelsea-Stadion an der Stamford Bridge besitzt, wehrt sich gegen einen Neubau. dapd

„Chelseas Wurzeln sind unverkäuflich“: Die Fangemeinschaft, die das Chelsea-Stadion an der Stamford Bridge besitzt, wehrt sich gegen einen Neubau.

LondonAm Freitag laufen die Spieler von Bayer Leverkusen beim 1. FC Kaiserslautern auf, doch so mancher Spieler wird mit den Gedanken bereits beim Heimspiel am nächsten Mittwoch sein. Für die Werkself steht das Spiel des Jahres an – es geht um den Verbleib in der Champions League, dem bedeutendsten Wettbewerb im Vereinsfußball überhaupt. Doch der Gegner ist schier übermächtig: Auf der Gehaltsliste des Chelsea FC stehen Weltstars wie Fernando Torres, Michael Essien oder Torwart Petr Cech. Die Londoner sind einer der Favoriten auf den Gewinn der Champions League.

Doch während Leverkusen um den Verbleib im Turnier zittert, hat Chelsea ganz andere Probleme. Der Fußball-Großmacht droht der wirtschaftliche Abstieg, und schuld sind, paradoxerweise, die eigenen Fans. In London tobt derzeit eine Schlacht, bei der es um Eigentumsverhältnisse, Markenrechte und viel Geld geht.

Seine achtjährige Blütezeit verdankt Chelsea fast ausschließlich dem russischen Besitzer und Milliardär Roman Abramowitsch, der seit der Übernahme des Klubs im Jahr 2003 Schätzungen zufolge fast eine Milliarde Euro in den Spielerkader gesteckt hat. Doch unter den neuen Finanzregeln der Uefa, genannt „Financial Fair Play“, ist das nicht mehr möglich. Um in der Saison 2013/14 zu den europäischen Wettbewerben zugelassen zu werden, darf das Defizit der beiden Vorjahre insgesamt 45 Millionen Euro nicht übersteigen. Subventionen von reichen Mäzenen zum Ausgleich von neuen Schulden sind nicht mehr erlaubt.

So soll das Financial Fair Play funktionieren

Beschluss

Das Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbands Uefa hat im September 2009 beschlossen, ein Financial-Fair-Play-Konzept einzuführen. Ziel ist es, finanzielle Disziplin und Rationalität im Vereinsfußball zu fördern, ausufernde Spielergehälter und Transfersummen zu begrenzen, langfristig Investitionen in Jugend und Infrastruktur anzukurbeln und der Überschuldung vieler Klubs zu begegnen.

Grundsatz

Fußballvereine sollen langfristig nicht mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Sie müssen zudem ihre Finanzen transparent machen und sollen ihre Rechnungen pünktlich begleichen. Reiche Investoren dürfen neue Schulden nicht mehr ohne Weiteres ausgleichen. Wer gegen die Regeln verstößt, darf nicht mehr an den Uefa-Wettbewerben teilnehmen.

Übergangszeit

Um in der Spielzeit 2013/14 zu den europäischen Wettbewerben zugelassen zu werden, darf das Defizit eines Vereins der beiden vorherigen Jahre zusammen 45 Millionen Euro nicht übersteigen. Ab 2015/16 verschärft sich die Regel: Dann dürfen in den drei Jahren zuvor insgesamt nicht mehr als 30 Millionen Euro Verlust angefallen sein. Ab der Saison 2018/19 sinkt dann die jährlich erlaubte Defizitgrenze auf fünf Millionen Euro.

Skepsis

Kritiker gehen davon aus, dass Vereine über Umwege weiter von Städten oder Mäzenen subventioniert werden. Diese könnten Fonds oder ein Unternehmen im Ausland gründen, die Spieler an Vereine zu geringen Preise "vermieten", Angestellte bezahlen, die zu der Familie eines Spielers gehören, oder statt eines Lohns einfach Geschenke in Form von Autos oder Häusern übergeben. Auch Investitionen in Stadien oder Jugendzentren könnten Mäzene übernehmen, ebenso wie überhöhte Summen für Sponsoringverträge zahlen. Es ist unklar, wie stark die Uefa das kontrollieren kann und will.

Händeringend sucht Chelsea nun nach neuen Geldquellen, denn aus den laufenden Einnahmen lässt sich der mit Stars gespickte Kader nicht finanzieren. Der Verein hofft auf höhere Ticketerlöse, doch das geht nur mit einem größeren und moderneren Stadion. Die jetzige Arena ist mehr als ein Jahrhundert alt, und vor allem viel zu klein: Stamford Bridge hat nur wenige Business-Sitze und eine Kapazität von rund 42000 Plätzen – damit kann der Verein langfristig nicht mit den Konkurrenten in der Liga mithalten.

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