Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.03.2017

00:33 Uhr

Erste Pressekonferenz

Warum Schweinsteiger mit Chicago nicht Weltmeister wird

VonAstrid Dörner

Der einstige Bayern-Star stellt sich offiziell bei seinem neuen Verein vor. Doch ein Reporter stiehlt Bastian Schweinsteiger die Show – mit einer peinlichen Frage.

PK in den USA

Setzt Chicago Fire alle Karten auf Schweini?

PK in den USA: Setzt Chicago Fire alle Karten auf Schweini?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfDie Frage ist so absurd, da muss sich Bastian Schweinsteiger erst einmal bei seinem neuen Coach und bei Vereinschef Vereinschef Nelson Rodriguez rückversichern. Hat er wirklich richtig gehört? Hat der Reporter gerade wirklich gefragt, ob Schweinsteiger mit seinem neuen Klub, Chicago Fire, Weltmeister werden könnte? Nichts wäre unangenehmer, als bei seiner ersten Pressekonferenz gleich zu Unrecht einen Reporter zu belehren.

Schweinsteiger wendet sich vom Mikro ab, dreht den Kopf zu den beiden, die neben ihm sitzen und gestikuliert. Was meint er? Da legt der Reporter nach. „Lassen Sie mich die Frage anders stellen. Erwarten Sie, jetzt wo Sie hier sind, Bastian, dass ein Tor für Chicago Fire bei der Weltmeisterschaft eine realistische Erwartung wäre“, fragt er nach kurzem Zögern, aber mit fester Stimme.

Es klickt, Schweinsteiger entgleiten für einen kurzen Moment die Gesichtszüge, dann kann er sich ein Lachen nicht verkneifen. Rodriguez schreitet ein. „Wir als Verein nehmen nicht an der Weltmeisterschaft teil", stellt er fest. Für den Reporter formuliert er dann die Frage korrekt: „Aber können wir den MLS Cup gewinnen?“ Das Gesicht des ehemaligen Bayern-Spielers entspannt sich. Diese Frage macht Sinn, das kann er beantworten, ohne gleich in ein Fettnäppchen zu treten.

Fußball in den USA (1): Zehn Stars und Promis

David Beckham (39)

Englands ehemaliger Superstar sorgte mit seinem Wechsel zu Los Angeles Galaxy im Juli 2007 für einen neuen Boom im US-Fußball. Für Los Angeles in 98 Liga-Spielen 18 Mal erfolgreich und US-Meister 2011 und 2012. Will 2017 als Eigner mit einem neuen Profi-Team in Miami zurück in die MLS.

Jürgen Klinsmann (50)

Der Weltmeister und ehemalige Bundestrainer lebt seit vielen Jahren in den USA, ließ 2003/2004 seine Karriere bei Orange County Blue Star ausklingen. War Berater des FC Toronto und von 2011 bis 2016 Nachfolger von Bob Bradley als US-Nationaltrainer. Führte die USA 2013 zum kontinentalen Gold-Cup und 2014 ins WM-Achtelfinale. Gilt auch in den USA als unbequemer Reformer.

Kaká (33)

Der brasilianische Weltmeister von 2002 schaffte auch beim US-Franchiseklub Orlando City SC im Oktober 2014 das Comeback in der „Selecao“, ist Top-Verdiener in der MLS.

Clint Dempsey (32)

Der dreifache WM-Teilnehmer (2006, 2010, 2014) war bei Tottenham Hotspur und beim FC Fulham einer der namhaftesten US-Legionäre in der englischen Premier League. Der Stürmer von den Seattle Sounders ist mit einem Marktwert von sieben Millionen Euro drittwertvollster Spieler der MLS.

Landon Donovan (33)

In der Bundesliga bei Bayer Leverkusen und beim FC Bayern München durchgefallen, wurde der 2014 nach 374 Liga-Spielen zurückgetretene Angreifer von Los Angeles Galaxy mit 136 Treffern zum Rekord-Torschützen der MLS. Mit 57 Toren in 157 Länderspielen ist Donovan immer noch mit die wichtigste Identifikationsfigur im US-Fußball.

David Villa (33)

Spaniens Weltmeister war 2014 der erste Topstar, den der neu an den Start gegangene New York City FC verpflichten konnte. Hat in New York einen Drei-Jahres-Vertrag.

Robbie Keane (34)

Der Kapitän des amtierenden Meisters Los Angeles Galaxy ist in der EM-Qualifikation für Frankreich 2016 mit den Iren Gruppengegner der deutschen Mannschaft und ein Spitzenverdiener der MLS.

Sebastian Giovinco (28)

Der 21-fache italienische Nationalspieler wechselte 2015 von Juventus Turin in die USA zum FC Toronto und ist mit einem Marktwert von sieben Millionen Euro der wertvollste Spieler der Liga.

Michael Bradley (26)

Der frühere Bundesligaprofi von Borussia Mönchengladbach sorgte bei seinem Wechsel zum FC Toronto im Januar 2014 für den immer noch gültigen Transfer-Rekord in der MLS. Die Kanadier zahlten für den zentralen Mittelfeldspieler 7,4 Millionen Euro an den AS Rom.

Alexi Lalas (44)

Wurde mit seiner tizianroten Mähne und Ziegenbart bei der WM 1994 im eigenen Land zur Kultfigur des amerikanischen Teams und unmittelbar danach bei seinem Wechsel zu Padua Calcio zum ersten US-Amerikaner, der sich in der italienischen Serie A einen Stammplatz erkämpfen konnte. War in der MLS u. a. Spieler und Manager von Los Angeles Galaxy und gilt als Experte für die TV-Sender ESPN und ABC Sports als einer der renommiertesten Experten in den USA.

Dennoch: Es ist ein holpriger Start vor der Sportpresse in Chicago und eine heilsame Begegnung mit der amerikanischen Fußball-Realität. Viele haben zwar das Spiel und die Stimmung lieben gelernt, sie interessieren sich jedoch nicht genug für den Sport, um zu verstehen, wie die Liga und die großen Meisterschaften funktionieren. Das gilt auch für manche Journalisten.

Ein Weltmeister in Chicago: So wird's was mit Schweinsteigers American Way of Life

Ein Weltmeister in Chicago

So wird's was mit Schweinsteigers American Way of Life

Amerikas Fußball hat nur Zweitliga-Niveau, und das Interesse ist oft mäßig. Nach München und Manchester muss sich Weltmeister Bastian Schweinsteiger bei Chicago Fire umstellen. Sieben Tipps gegen den Kulturschock.

„Alles ist möglich im Fußball“, antwortet Schweinsteiger schließlich. „Aber ich kann keine Titel garantieren.“ Er habe nach einem Gespräch mit Trainer Veljko Paunovic gespürt, „dass hier etwas vorangehen soll. Das ist die Herausforderung, die will ich annehmen“, sagt der 32-Jährige, der kurz zuvor sein erstes Training mit den neuen Team-Kollegen absolviert hat.

Zu tun gibt es einiges. Anders als Deutschland und Großbritannien, wo Schweinsteiger zuletzt spielte, sind die USA keine Fußball-Nation, und Chicago Fire ist bestenfalls mittelmäßig in der amerikanischen Liga unterwegs. Kein Wunder, dass der Club große Hoffnungen auf Schweinsteiger setzt.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Hofmann

30.03.2017, 09:21 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau Annette Bollmohr

31.03.2017, 13:49 Uhr

Mein Gott, diese in den USA offenbar schon absurde Züge annehmende, aber auch sonst überall anzutreffende Heldenverehrung, dieser auf einzelne Personen projizierte Wunderglaube werden nochmal unser Untergang.

Speziell, was die Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik angeht.

Es wär‘ zum Lachen, wenn es nicht so bitterernst (und in seinen Auswirkungen für immer mehr Menschen so traurig) wäre.

Wenn wir mal unsere „traumhafte“ Märchenwelt verlassen und uns stattdessen auf die raue Wirklichkeit einlassen würden (oder – was leider wahrscheinlicher ist - mit ihr konfrontiert werden), müssten wir feststellen, dass die USA offenbar zu einem Kindergarten geworden sind, der von einem Kleinkind in der Trotzphase „regiert“ wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×