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02.12.2011

13:53 Uhr

Euro-2012-Tourismus

Event- und Reisespezialisten hoffen auf deutsche Spiele in Polen

VonStefan Merx

Das DFB-Team hat unabhängig davon, wo sie bei der EM in Polen und der Ukraine gegen wen spielen wird, ihr Quartier sicher. Für andere ist die Losfrage noch von entscheidender Bedeutung: für Fans - und Reiseveranstalter. Denn die Kapazitäten sind knapp.

Außenansicht des Kunstpalastes „Ukrainia“ in Kiew: Hier findet die Gruuppenauslosung statt. dpa

Außenansicht des Kunstpalastes „Ukrainia“ in Kiew: Hier findet die Gruuppenauslosung statt.

KölnOliver Bierhoff hat sich früh festgelegt: Für die deutsche Nationalmannschaft buchte der Manager schon Monate vor der Auslosung das noble Danziger Ostseehotel Dwór Oliwski - fix bis zum Finale. Dabei steht die Chance, die drei Vorrundenspiele in Polen bestreiten zu dürfen, rein theoretisch bei 50:50. Sollte das Löw-Team am Freitag in die Gruppen B oder D gelost werden, stünden also Reisen in die Ukraine an. "Dann haben wir eben drei Flugreisen mehr zu organisieren", sagt DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach lapidar. Kein allzu großer Akt, so das Signal.

Für Fans und professionelle Reiseveranstalter hingegen ist die Losfrage von größter Bedeutung: Die Ausgangslage mit Blick auf Hotels ist in den beiden Gastgeberländern höchst unterschiedlich. "In der Ukraine wird es bei den Unterkünften einen Engpass geben", berichtet Ingo Frieske, Geschäftsführer des Sportreisenanbieters Vietentours. "Die Hotelknappheit in der Ukraine wird problematisch, sofern Deutschland die Vorrunde dort spielt. Dies wird dann auch Einfluss auf die Preise haben. In Donezk sind beispielsweise so gut wie gar keine Zimmer zu bekommen", sagt Frieske. Entsprechend gespannt sind die Reiseprofis am Freitagabend, wenn im Kiewer Kunstpalast die Loskugeln aus den Schalen gezogen werden. "Unser Katalog Sportreisen 2012 geht unmittelbar nach der Auslosung in Druck", sagt Frieske. "Das Los wird über die Verfügbarkeit und Attraktivität der Reisepakete bestimmen und auch die Preise beeinflussen. Es ist eben kein Wunschkonzert."

Ein Grund für die Knappheit: Die Uefa hat über die beauftragte Tui Travel hochkarätige Unterkünfte geblockt - für Funktionäre und Uefa-Sponsoren. Das Berliner Unternehmen VIP Sportstravel, das für die Agentur Sportfive und vier Großsponsoren die Hospitality-Reisen abwickelt, hat zwar Zugriff auf die exklusiven Uefa-Hotelkontingente. In der Ukraine muss VIP-Sportstravel-Chef Rainer Wenning dennoch improvisieren: "Wir haben uns auf einem Hotelschiff in Kiew 110 Kabinen gesichert", sagt er. "Das war erschwinglich, weil es ohnehin vor Ort liegt." In den Spielorten Lwiw, Donezk und Charkiw plant er auch Charterflüge, um das Übernachtungsproblem zu lösen: Nach Abpfiff fliegen die Gäste direkt zurück nach Deutschland oder ins Basecamp Warschau oder Kiew. Wenning rechnet mit 8000 bis 10000 zu betreuenden Gästen, die teils auf Einladung von Sponsoren wie Carlsberg oder Hyundai kommen oder sich für das Hospitality-Programm über Sportfive eingebucht haben.

Die Engpässe seien regelmäßig in Arbeitskreisen der Uefa auf den Tisch gekommen. Das berichtet René Proske, Chef der von Rosenheim aus operierenden Proske Group. Sein Unternehmen betreut zur Europameisterschaft 2000 bis 3000 Gäste - Proskes Großkunde ist Coca-Cola. Vor allem mangelnde Buskapazitäten bereiteten lange Zeit Sorgen, zumal die ukrainische Regierung ausländische Busse nicht ins Land lassen wollte - ein Politikum. Der Druck über die Uefa scheint geholfen zu haben: "Wir werden 20 bis 30 Busse aus Deutschland mitbringen - anders ist es leider nicht möglich", sagt Rainer Wenning.

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