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24.05.2017

23:46 Uhr

Europa-League-Finale

Manchester United holt die Trophäe

Manchester United und Startrainer José Mourinho haben die Europa League gewonnen. Wenige Tage nach dem schweren Terroranschlag in der Heimat fällt die Freude allerdings nicht übermäßig aus.

Manchester United hat sich im Finale gegen  Ajax Amsterdam durchgesetzt. dpa

Europa League

Manchester United hat sich im Finale gegen Ajax Amsterdam durchgesetzt.

Manchester United hat nicht einmal zwei Tage nach dem Terroranschlag in der Heimat die Europa League gewonnen. Durch Tore des 105-Millionen-Euro-Einkaufs Paul Pogba und des früheren Bundesliga-Profis Henrich Mchitarjan siegte der englische Rekordmeister im Endspiel von Stockholm mit 2:0 (1:0) gegen Ajax Amsterdam.

Im Gedenken an die Opfer des Terrorakts in Manchester zeigte Pogba bei seinem Torjubel in der 18. Minute mit dem Finger gen Himmel. Der Franzose war als Kind mit 14 Jahren nach Manchester gekommen und nach einem Gastspiel bei Juventus Turin vor einem Jahr als teuerster Spieler der Welt zurückgekehrt. Der Ex-Dortmunder Mchitarjan entschied die Partie dann kurz nach der Pause mit einem sehenswerten Rückzieher vorzeitig (48.).

Verhaltene Feierlaune

Der spät eingewechselte Kapitän Wayne Rooney stemmte die Europa-League-Trophäe in die Höhe, seine Teamkollegen feierten den Cup-Sieg mit einem Tanz auf dem Rasen. Doch die Freude fiel angesichts des jüngsten Terroranschlags nicht übermäßig aus. „Dieser Sieg hat große Bedeutung. Wir wollten die Trophäe für die Stadt Manchester gewinnen - und jetzt nehmen wir sie mit heim“, sagte Juan Manuel Mata. Ex-ManUnited-Star David Beckham urteilte: „Heute ging es nicht nur um Sport. Das war eine große Nacht für Manchester United, aber eine noch größere für die Stadt und unser Land.“

Die Mannschaft von Startrainer José Mourinho hat sich durch diesen Erfolg trotz einer schwachen Saison in der heimischen Premier League noch für die Champions League qualifiziert. Obendrein ist Manchester erst der fünfte Fußballclub nach Ajax Amsterdam, Bayern München, dem FC Chelsea und Juventus Turin, der alle drei Europapokal-Wettbewerbe inklusive des nach 1999 nicht mehr ausgespielten Europapokals der Pokalsieger gewonnen hat. Für Mourinho persönlich ist es der vierte internationale Triumph seiner Karriere - in europäischen Endspielen ist der Portugiese mit seinen Teams weiter ungeschlagen.

Und das trotz einer wenig offensivfreudigen Final-Vorstellung seines Teams: Nach Pogbas frühem Tor machte Manchester in der gesamten ersten Halbzeit gar nichts mehr nach vorn. Im besten Catenaccio-Stil igelte sich United vor 48 000 Zuschauern stattdessen in der eigenen Hälfte ein - um dann, ganz zu Beginn des zweiten Durchgangs, quasi aus dem Nichts das 2:0 durch Mchitarjan nachzulegen. Bei Ajax blieben der deutsche Außenstürmer Amin Younes und seine Teamkollegen ohne große Torchancen, weil ihnen Räume, Ideen und Mittel fehlten. „Die Enttäuschung ist sehr groß, da weiß man gar nicht, wie man damit umgehen soll“, sagte Younes. Er urteilte dennoch: „Wir können trotzdem stolz sein, dass wir hierhin gekommen sind.“

Terrorismus in europäischen Metropolen

Paris - 20. April 2017

Auf dem Pariser Boulevard Champs-Élysées schießt ein Islamist mit einem Sturmgewehr in einen Polizeiwagen. Ein Beamter wird getötet, zwei weitere Polizisten und eine deutsche Passantin werden verletzt. Die Polizei erschießt den Angreifer, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Attacke für sich.

Stockholm - 7. April 2017

Ein gekaperter Lastwagen rast in einer Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Fünf Menschen werden getötet, 15 verletzt. Noch am selben Tag nimmt die Polizei einen 39-jährigen Usbeken unter Terrorverdacht fest.

London - 22. März 2017

Ein Attentäter steuert ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons und ersticht anschließend einen Polizisten. Von den Opfern auf der Brücke erliegen vier ihren Verletzungen. Sicherheitskräfte erschießen den Täter.

Paris - Februar, März 2017

Auf dem Flughafen Orly versucht ein Mann, einer patrouillierenden Soldatin das Gewehr zu entreißen, und wird erschossen. Erst Anfang Februar war nahe dem Louvre-Museum ein Ägypter niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

Berlin - Dezember 2016

Kurz vor Weihnachten wird die Hauptstadt zum Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen kommen um, als ein IS-Anhänger einen gekaperten Lkw in einen Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

Nizza - Juli 2016

Ein Attentäter rast mit einem Lastwagen auf der Strandboulevard in eine Menschenmenge. Mindestens 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.

Brüssel - März 2016

Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in einer Metrostation 32 Menschen.

Istanbul - Januar 2016

Ein Selbstmordattentäter des IS zündet im historischen Zentrum mitten in einer deutschen Reisegruppe eine Bombe und reißt zwölf Deutsche mit in den Tod.

Paris - November 2015

Bei einer koordinierten Anschlagsserie am Stade de France, mehreren Restaurants und dem Musikklub „Bataclan“ töten IS-Anhänger 130 Menschen, Hunderte werden verletzt.

Kopenhagen - Februar 2015

Ein arabischstämmiger 22-Jähriger feuert auf ein Kulturcafé, ein Mann stirbt. Vor einer Synagoge erschießt der Attentäter einen Wachmann, bevor ihn Polizeikugeln tödlich treffen.

Paris - Januar 2015

Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt sterben 17 Menschen. Die beiden Täter kommen später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida.

Brüssel - Mai 2014

Im Jüdischen Museum erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird er festgenommen. Als selbst ernannter „Gotteskrieger“ hatte er zuvor in Syrien gekämpft.

London - Juli 2005

Vier Islamisten mit britischem Pass zünden in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Madrid - März 2004

Bei islamistisch motivierten Bombenanschlägen auf Pendlerzüge sterben in der spanischen Hauptstadt 191 Menschen, rund 1500 werden verletzt.

Nach einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer des verheerenden Bombenanschlags am Montagabend war dem jungen Ajax-Team eine enorme Nervosität von Beginn an anzumerken. Nach zehn Minuten verpasste Marouane Fellaini eine scharfe Hereingabe von Mata noch knapp per Kopf, wenig später aber lag United schon vorn. Über Mata, Marcus Rashford und Rashford kam der Ball zu Pogba, der aus 18 Metern zentraler Position abzog und davon profitierte, dass Ajax-Verteidiger Davinson Sanchez den Ball abfälschte. So blieb der Kameruner André Onana im Amsterdamer Tor machtlos, und der verletzte United-Star Zlatan Ibrahimovic durfte abseits des Rasens erstmals mitjubeln.

Danach fokussierten sich die Engländer aufs Verteidigen - was darin resultierte, dass die Ajax-Offensivbemühungen frühzeitig ins Leere liefen. Younes, der von Bundestrainer Joachim Löw als einer von sechs Nationalmannschafts-Neulingen für den Confed Cup in Russland vom 17. Juni bis zum 2. Juli nominiert worden ist, blieb ebenfalls blass. Auch deshalb, weil der Offensivspieler kaum Bindung zum Spiel fand, zumal kaum Bälle in der vordersten Linie von Ajax ankamen.

Erfahrung und Klasse spielten Manchester in die Karten: Während Mourinho eine Startelf ins Rennen schickte, für die insgesamt 313 Millionen Euro an Transfergeldern ausgegeben worden waren, standen bei Ajax zu Beginn sechs Spieler auf dem Feld, die gerade mal 21 Jahre oder noch jünger sind.

Ein Eckball verhalf United drei Minuten nach Wiederanpfiff zum 2:0. Matas Hereingabe verlängerte Chris Smalling per Kopf, Mchitarjan vollendete im Fallen mit dem Rücken zum Tor. Danach blieb alles wie gehabt: Ajax bemühte sich - und das ohne jeden Erfolg.

Von

dpa

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