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23.04.2015

22:59 Uhr

Europa League

Wolfsburg raus ohne Applaus

Nach dem 1:4 gegen Neapel im Hinspiel des Europa-League-Viertefinals hatten nicht mehr viele auf Wolfsburg getippt. Dafür gaben die Wölfe im Rückspiel nochmal alles – doch Neapel war einfach abgezockter.

Wolfsburgs Nicklas Bendtner (r.) im Luftduell mit Raul Albiol vom SSC Neapel. Die Italiener waren eine Nummer zu groß. dpa

SSC Neapel - VfL Wolfsburg

Wolfsburgs Nicklas Bendtner (r.) im Luftduell mit Raul Albiol vom SSC Neapel. Die Italiener waren eine Nummer zu groß.

NeapelNicht noch einmal blamiert, aber klar gescheitert: Der VfL Wolfsburg ist in der Europa League nach einem 2:2 (0:0) beim SSC Neapel im Viertelfinale ausgeschieden. Nach dem 1:4-Hinspiel-Debakel vor einer Woche war der Fußball-Bundesligist am Donnerstag im baufälligen Stadio San Paolo insgesamt ohne Chance auf das Weiterkommen. Für die konterstarken Neapolitaner machten Jose Callejón (50.) und Dries Mertens (65.) mit der 2:0-Führung den Halbfinal-Einzug klar. Timm Klose (71.) und Ivan Perisic (73.) glichen immerhin noch für den VfL aus, auf den mit dem Bundesliga-Spitzenspiel in Mönchengladbach und dem DFB-Pokal-Halbfinale in Bielefeld weitere wichtige Aufgaben zukommen.

Die Wolfsburger zeigten auch ohne die leicht verletzten Kevin De Bruyne, André Schürrle und Vieirinha eine bessere Partie als vor einer Woche, als sie im heimischen Stadion geradezu vorgeführt wurden. Die Gäste bestimmten das Spiel von Beginn an. „Hauptziel ist erstmal, einen besseren Eindruck zu machen. Mal schauen, welche Dynamik das aufnimmt“, erklärte Trainer Dieter Hecking kurz vor dem Anpfiff im TV-Sender Sky. Seine Schützlinge hätten schon nach knapp einer Minute führen können, doch Perisic scheiterte mit einer Direktabnahme an Neapels Schlussmann Mariano Mandujar.

Phrasen und Plattitüden der Fußball-Profis

Die Fußballersprache

Die Protagonisten im Profifußball stehen heute in der Öffentlichkeit wie nie zuvor. Kein Wunder, dass sie im Zeitalter von Facebook, Twitter und Youtube oft nur noch Phrasen von sich geben. Vor allem die Spieler wissen genau, was sie vor Kameras und Mikrofonen sagen dürfen und sollen. Und was zu Problemen und Geldstrafen führen könnte. Die Deutsche Presse-Agentur hat einige gängige Sätze aus den verbalen Baukästen der Fußballer gesammelt (und was damit eigentlich gemeint ist).

„Wir denken nur von Spiel zu Spiel“

Heißt meistens: Wir dürfen nicht über große Ziele reden, das haben der Trainer und Manager verboten, damit sie es nicht eines Tages um die Ohren bekommen.

„Im Fußball kann alles passieren.“

Heißt meistens: Wir haben überhaupt keine Chance, aber das dürfen wir nicht sagen.

„Wir haben Respekt, aber keine Angst.“

Heißt meistens: Wir denken lieber nicht darüber nach, wie stark der nächste Gegner ist.

„Wir haben uns nicht belohnt.“

Heißt meistens: Wir waren zu dämlich, aus unseren Chancen etwas zu machen.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Heißt meistens: Beim Blick auf die Tabelle würden wir tot umfallen.

„Die Mannschaft hat die Qualität.“

Heißt meistens: Warum sie diese nicht umsetzen kann, da müssen sie jemand anderen fragen.

„Ich wollte der Mannschaft helfen.“

Heißt meistens: Mein Trainer hasst Starallüren, deshalb sage ich lieber nicht, dass ich heute eigentlich der Größte bin.

„Wir sind nicht gut in die Zweikämpfe reingekommen.“

Heißt meistens: Der Trainer hat uns vorher in den Hintern getreten, aber irgendwie hat es nichts genutzt.

„Wir haben nicht viel zugelassen.“

Heißt meistens: Der Gegner hat ja vorne nicht viel zu bieten gehabt.

„Die Fans haben uns toll unterstützt.“

Heißt meistens: Ich werde mich hüten, jemals etwas Negatives über unsere Fans zu sagen. Das würde man dann doppelt und dreifach zurückbekommen.

„Es war keine leichte Entscheidung.“

Heißt im Managerjargon: Wir sind froh, dass wir diesen Trainer los sind, aber das kostet uns eine deftige Abfindung.

Der Vierte der italienischen Serie A ließ es allerdings deutlich ruhiger angehen als in Wolfsburg. Der SSC Neapel attackierte nicht so früh und schien sich ein bisschen schonen zu wollen. Erst eine Minute vor der Pause tauchten die Gastgeber erstmals gefährlich vor dem Tor von Diego Benaglio auf: Der Argentinier Gonzalo Higuaín setzte seinen Volleyschuss neben den Kasten.

Im VfL-Sturmzentrum mühte sich Nicklas Bendtner, den Trainer Hecking überraschend in die Startelf beordert hatte. Der eigenwillige Däne hatte zuletzt eine Geldstrafe zahlen müssen, weil er am Samstag zu spät zum Abschlusstraining für das Schalke-Spiel gekommen war. In Neapel erhielt er trotzdem eine Chance für den zuletzt nicht mehr ins Tor treffenden Mittelstürmer Bas Dost, der später eingewechselt wurde.

Kurz vor der Halbzeit scheiterte Bendtner mit einem Flachschuss an Mandujar. Der argentinische Tormann der Italiener war in der ersten Hälfte der beste SSC-Spieler. Der Abschluss war das einzige Manko des Bundesliga-Zweiten. „Das, was wir verlangt haben, hat die Mannschaft umgesetzt“, sagte Allofs zur Pause. „Sehr gut, wenn das Hinspiel nicht wäre.“

Der positive Eindruck war kurz nach Wiederanpfiff dahin. Neapel bemühte sich nun mehr und kam schnell zum Erfolg, als Ricardo Rodriguez einen Schuss von Callejón unhaltbar abfälschte. Benaglio verhinderte nur eine Minute später den zweiten Treffer des Spaniers. Der Schweizer war aber machtlos, als der Belgier Mertens im zweiten Versuch zum 2:0 abstaubte.

Immerhin zeigte Heckings Mannschaft Moral und kam durch die Kopfballtore von Klose und Perisic sogar noch zum nicht unbedingt erwarteten Ausgleich. Vor dem 2:2 stand Flankengeber Josuha Guilavogui allerdings im Abseits. Naldo hätte mit einem Fernschuss sogar fast noch zum Sieg getroffen (78.).

Von

dpa

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