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04.06.2015

00:45 Uhr

Ex-Fifa-Funktionär

Chuck Blazer gesteht Korruption vor WM 1998 und 2010

Im Fifa-Skandal kommen täglich mehr Details ans Licht: Ein New Yorker Gericht hat am Mittwoch die Zeugenaussagen des Ex-Fifa-Funktionärs Chuck Blazer veröffentlicht. Er gab 2013 korruptes Verhalten bei WM-Vergaben zu.

Der ehemalige Funktionär Chuck Blazer (rechts) hat schon im Jahr 2013 gegenüber amerikanischen Behörden  eingestanden, dass Schmiergelder an Mitglieder der Weltfußballorganisation Fifa geflossen sind. Im Hintergrund zu sehen: der kürzlich zurückgetretene Fifa-Präsident Sepp Blatter. AFP

Chuck Blazer/Sepp Blatter

Der ehemalige Funktionär Chuck Blazer (rechts) hat schon im Jahr 2013 gegenüber amerikanischen Behörden eingestanden, dass Schmiergelder an Mitglieder der Weltfußballorganisation Fifa geflossen sind. Im Hintergrund zu sehen: der kürzlich zurückgetretene Fifa-Präsident Sepp Blatter.

New YorkFBI-Kronzeuge Chuck Blazer hat zugegeben, dass er und andere Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees Bestechungsgelder bei der Vergabe der Fußball-WM 1998 und 2010 in Südafrika akzeptiert hatten.

Außerdem hätten er und andere Gelder im Zusammenhang mit der Vergabe von TV-Übertragungsrechten für verschiedene „Gold Cup“-Turniere zwischen 1998 und 2003 angenommen. Dies geht aus Zeugenaussagen des heute 70-jährigen US-Bürgers aus dem Jahr 2013 hervor, die ein New Yorker Gericht am Mittwoch veröffentlichte.

„Ich und weitere Personen haben im oder um das Jahr 1992 herum zugestimmt, Bestechungsgelder im Zusammenhang mit der Auswahl des Austragungslandes für die Weltmeisterschaft 1998 anzunehmen“, wurde Blazer in den Gerichtsunterlagen zitiert, die in zensierter Form veröffentlicht wurden. Die WM ging damals an Frankreich.

Weiter hieß es, von 2004 bis 2011 hätten er „und andere Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees“ zugestimmt, Schmiergelder für die Austragung des Turniers 2010 entgegenzunehmen, das dann in Südafrika stattfand. „Ich wusste damals, dass meine Taten falsch waren“, erklärte Blazer weiter.

Wer folgt auf Blatter?

Kandidaten

Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Joseph Blatter ist lang und vielfältig. Einen wirklichen Neuanfang würden jedoch nur wenige bedeuten.
Quelle: dpa

Kongress

Der Wahlkongress soll voraussichtlich zwischen Dezember diesen Jahres und März 2016 stattfinden. Schon am Dienstagabend äußerten sich die ersten potenziellen Kandidaten.

Der Uefa-Chef

Eine Kampfkandidatur gegen Blatter hatte Michel PLATINI (59) als Präsident der Europäischen Fußball-Union stets tunlichst vermieden. Ambitionen auf das höchste Funktionärsamt verhehlte der Franzose hingegen ebenso wenig. Viele Jahre lang hat er Blatter unterstützt.

Blatter-Gegner I

Der gegen Blatter unterlegene Prinz Ali BIN AL-HUSSEIN aus Jordanien und der Niederländer Michael VAN PRAAG erklärten schon am Dienstagabend, dass sie sich eine Kandidatur offenhalten.

Blatter-Gegner II

Luis FIGO, der wie van Praag vor der Wahl zugunsten al-Husseins zurückgezogen hatte, forderte eine „gemeinsame weltweite Lösung“. Aus dem Trio besäße al-Hussein wohl die größten Chancen - pikant würde die Situation, wenn sowohl der aus Europa unterstützte Jordanier wie auch Platini antreten sollten.

Blatter-Gegner III

Der frühere Profi David GINOLA, der schon vor der vergangenen Wahl die notwendigen fünf Unterstützerländer nicht aufbringen konnte, will es erneut versuchen.

Blatters Stellvertreter

Wäre der Schweizer sofort zurückgetreten, hätte Issa HAYATOU als längster sich im Amt befindender Vizepräsident die Geschäfte übernommen; alles andere als ein Neuanfang.

... unter Verdacht

Der 68-Jährige aus Kamerun sitzt seit 1990 in der FIFA-Exekutive und stand schon mehrfach unter Korruptionsverdacht, den er stets zurückwies. 2011 kam er mit einer Rüge des Internationalen Olympischen Komitees für den Erhalt von 20.000 US-Dollar vom früheren Marketingpartner ISL davon.

Ein Strippenzieher

Erst beim Kongress am vergangenen Freitag wurde Ahmad al Fahad AL SABAH ins FIFA-Exko gewählt. Und doch war der Kuwaiti schon mittendrin.

... und Platini

Am Vorabend der Wahl zeigten Fotos den höchst einflussreichen Sportfunktionär an der Seite von Platini, al Sabah weiß wie man Mehrheiten beschafft. Schon Thomas Bach profitierte bei der Wahl zum IOC-Präsidenten von seinen Diensten.

Der Kaiser

Seine Popularität nutzte Franz BECKENBAUER bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen - auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt und sieht sich noch mit Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission konfrontiert.

Die Fußball-Legende

Der ehemalige brasilianische Fußball-Star ZICO hat eine Kandidatur für das freiwerdende Amt des FIFA-Präsidenten nicht ausgeschlossen. Der 62-Jährige schrieb nach dem angekündigten Rücktritt von FIFA-Chef Blatter auf seiner Facebook-Seite: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“

US-Behörden erklärten, seine zunächst geheim gehaltenen Angaben hätten einen Beitrag zur jüngsten Anklage gegen hochrangige Fifa-Funktionäre geleistet. Im Zusammenhang mit dem Skandal kündigte inzwischen auch der Chef des Weltfußballverbandes Joseph Blatter seinen Rücktritt an.

Blazer war langjähriges Mitglied des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes und gilt als Schlüsselfigur bei den derzeitigen Ermittlungen der US-Behörden gegen Fifa-Funktionäre. Der schwer krebskranke Blazer kam 2013 nach einer Kautionszahlung in Höhe von zehn Millionen Dollar auf freien Fuß und liegt nach Angaben der „New York Times“ derzeit in einem New Yorker Krankenhaus.

Blazer zeigte sich nach der Anklage durch die US-Justiz kooperativ. Er soll außerdem bei den Olympischen Spielen 2012 in London heimlich Funktionärs-Gespräche aufgenommen haben.

Ermittlungen der US-Justiz

Fifa-Skandal: Wohin die Bestechungsgelder flossen

Ermittlungen der US-Justiz: Fifa-Skandal: Wohin die Bestechungsgelder flossen

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Die Aussagen Blazers über Bestechung bei der WM-Vergabe glten als brisant: Bisher ermitteln die US-Behörden zwar gegen mehrere Fifa-Funktionäre wegen Bestechung und Korruption, Ermittlungen wegen WM-Vergaben wurden allerdings bisher nicht offiziell bestätigt. Besonders die WM-Vergabe nach Russland 2018 und Katar 2022 gelten als höchst umstritten.

In den am Mittwoch veröffentlichten Zeugenaussagen bekennt sich Blazer auch des Betrugs gegenüber der Fifa sowie der Steuerhinterziehung schuldig.

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