Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.04.2016

20:55 Uhr

Ex-Fifa-Präsident

Blatter kritisiert DFB wegen Umgang mit WM-Affäre

Bei einer Podiumsdiskussion an der Universität Basel übt Blatter Kritik am DFB. Der ehemalige Fifa-Präsident bemängelt den Umgang mit dem Skandal um die WM 2006. Seine eigene Suspendierung bezeichnet er als „beschämend“.

„Ich bereue nur, dass ich nicht genug getan habe, um die Fifa auf den rechten Weg zurückzubringen.“ Reuters

Joseph Blatter

„Ich bereue nur, dass ich nicht genug getan habe, um die Fifa auf den rechten Weg zurückzubringen.“

BaselDer selbst gesperrte ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter hat den Deutschen Fußball-Bund im Zusammenhang mit dem Skandal um das WM-Sommermärchen 2006 kritisiert. „Wenn der größte Sportverband der Welt nicht im Stand ist, seine eigenen Probleme intern zu lösen, dann stimmt doch etwas nicht mehr“, sagte der 80 Jahre alte einstige höchste Fußball-Funktionär der Welt am Freitag bei einer Podiumsdiskussion an der Universität Basel. Er beteuerte noch einmal, dass nie Gelder für die Vergabe von Weltmeisterschaften geflossen seien.

Weiter äußerte sich Blatter nicht zu den Ungereimtheiten um eine damalige DFB-Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband, als Blatter diesen als Präsident führte.

DFB-Affäre um WM 2006

16. Oktober

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) räumt in einer Pressemitteilung Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband Fifa ein.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass für den Zuschlag der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen sei, um damit vier entscheidende Stimmen im Fifa-Exekutivkomitee zu kaufen. Das Geld soll vom ehemaligen Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus gekommen sein. Der DFB weist den „Spiegel“-Bericht als haltlos zurück.

17. Oktober

Erstmals äußert sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu den Vorwürfen: „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat.“

18. Oktober

Franz Beckenbauer meldet sich zu Wort und dementiert den „Spiegel“-Bericht: „Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

19. Oktober

Die Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren. Als mögliche Tatbestände nennt eine Sprecherin Betrug, Untreue oder Korruption.

Niersbach weist die Korruptionsvorwürfe erneut vehement zurück, räumt aber erstmals „den einen offenen Punkt“ ein: „Dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden.“

Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger äußert Zweifel an der internen Aufarbeitung des DFB.

21. Oktober

Die DFB-Landesverbände fordern von Niersbach eine schnelle Aufklärung der Korruptionsvorwürfe.

22. Oktober

Niersbach tritt in Frankfurt sichtlich erschöpft vor die Presse und bringt nur wenig Licht ins Dunkel um die WM 2006.

23. Oktober

Das DFB-Präsidium stärkt Niersbach den Rücken, hält aber „strikt daran fest [...], dass lückenlos aufgeklärt wird.“

Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge und berichtet im „Spiegel“ von der vermeintlichen Existenz einer schwarzen Kasse „in der deutschen WM-Bewerbung“. Es sei „ebenso klar, dass der heutige Präsident des DFB davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005“.

26. Oktober

Beckenbauer räumt in der Affäre erstmals einen „Fehler“ ein. Das Organisationskomitee hätte nicht auf einen Vorschlag der Fifa-Finanzkommission eingehen dürfen, um einen Finanzzuschuss zu bekommen, teilte der damalige OK-Präsident mit.

27. Oktober

Die vom DFB beauftragte Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer erklärt, mit Ergebnissen in der Affäre sei nicht schnell zu rechnen.

28. Oktober

Zwanziger sagt vor den externen Ermittlern der Anwaltskanzlei aus: „Ich habe dort alle meine Dokumente vorgelegt, meine Anmerkungen und meine Einschätzungen präsentiert.“

3. November

Die Staatsanwaltschaft führt beim DFB in Frankfurt/Main eine Steuer-Razzia durch. Zudem durchsucht sie die Wohnungen von Niersbach, Zwanziger und dem ehemaligen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt. Die Beamten ermitteln im Zusammenhang mit 6,7-Millionen-Euro-Zahlung wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

6. November

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ veröffentlicht angeblich von Niersbach stammende handschriftliche Notizen auf einem Schreiben des WM-OK an die Fifa aus dem Jahr 2004. Diese sollen belegen, dass der heutige DFB-Präsident nicht erst in diesem Jahr von den umstrittenen Vorgängen Kenntnis hatte.

9. November

Nach einer Sitzung des DFB-Präsidiums und einem Treffen mit den Chefs der fünf Regional- und 21 Landesverbänden erklärt Wolfgang Niersbach seinen Rücktritt als Präsident des Deutschen Fußball-Bunds. Niersbach erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen und sieht sich mit vielen offenen Fragen konfrontiert. Umso schwerer sei ihm die Entscheidung gefallen, die politische Konsequenz daraus zu ziehen.

Er bereue nichts, was er gemacht habe, betonte Blatter. „Ich bereue nur, dass ich nicht genug getan habe, um die FIFA auf den rechten Weg zurückzubringen“, sagte er. Seine eigene Suspendierung bezeichnete er als „beschämend“. Er setze sich selbst dafür ein, dass korrupte Funktionäre sofort suspendiert werden müssten. Man habe ihm aber nie Verbotenes nachweisen können. Nur Vertreter aus Süd- und Nordamerika hätten die FIFA durch ihre Korruption in Verruf gebracht, so Blatters Wahrnehmung.

Blatter ist wegen einer dubiosen Zahlung an den ebenfalls gesperrten UEFA-Präsidenten Michel Platini für sechs Jahre gesperrt und will vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS dagegen vorgehen. Es sei gerade „in Mode, die FIFA schlechtzumachen“, sagte Blatter. Einige Studenten im Publikum äußerten ihren Unmut über Blatter mit kurzen Protestaktionen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×