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08.03.2006

09:50 Uhr

„Falsches Signal“

Fanforscher warnt vor Bundeswehreinsatz

Im Vorfeld der WM hat der Hannoveraner Professor Gunter A. Pilz den "Sicherheitswahn" der Politiker kritisiert. Die Volksvertreter versuchten sich mit dem Entwurf von Horrorszenarien zu profilieren. Stattdessen betont der Wissenschaftler die präventive Wirkung einer positiven Stimmung.

HB HANNOVER. Der Fanforscher Gunter A. Pilz hat vor einem Einsatz der Bundeswehr bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewarnt. Für anreisende Fußballfans sende die Präsenz der Bundeswehr ein völlig falsches Signal aus, sagte der Wissenschaftler. "Das würde den anreisenden Fans signalisieren, dass man sie nicht als Freunde, sondern als potenzielle Gewalttäter begrüßt", meinte der Hannoveraner Professor, der das Fan- und Betreuungsprogramm des WM-Organisationskomitees berät.

Für die Sicherheit werde bei der Fußball-WM das Menschenmögliche getan, "manchmal fast schon zu viel". Vor allem Politiker meinten, "sich mit Sicherheits- und Horrorszenarien profilieren zu müssen". Diese Szenarien konterkarierten die positive Stimmung, die der WM-Slogan "Die Welt zu Gast bei Freunden" erzeugen solle.

Zur Vermeidung von Fangewalt, "brauchen wir aber weder Bundeswehr noch AWACS", betonte Pilz. Notwendig sei eine gut aufgestellte und gut informierte Polizei und eine fröhliche und entspannte Stimmung. "Bei einer guten Stimmung fällt es auch Hooligans schwer, jemand anderem die Faust ins Gesicht zu schmeißen", sagte er.

An vielen WM-Spieltagen würde morgens zwischen 50 000 und 100 000 Fans zum Spiel nach Deutschland ein- und abends wieder hinausreisen, prognostizierte der Fanforscher. Daher seien die Betreuungsprogramme sehr wichtig. "Zuweilen wünscht man sich dafür etwas mehr Geld oder eine ähnlich gute finanzielle Begleitung, wie sie die VIPs erfahren", meinte Pilz. Aber das seien zweierlei Welten: "Die einen bekommen es und brauchen es nicht. Die anderen bräuchten es und bekommen es kaum."

In allen WM-Städten seien auch bei Veranstaltungen des Rahmenprogramms Einlasskontrollen geplant. Gewaltprobleme mit Hooligans seien aber gerade in diesem Bereichen nicht zu erwarten. Hooligans bräuchten Räume, in die sie sich schnell zurückziehen könnten. Ein mit Menschen voll gepropfter Platz sei für sie unattraktiv. Die geplanten Kontrollen des Rahmenprogramms seien "ein Stück Sicherheitswahn". Dort brauche man auch nicht die Bundeswehr.

"Eine öffentliche Präsenz von Soldaten würde sich negativ auswirken", betonte der Fanforscher. Selbst die Polizei wolle zwar präsent, aber möglichst nicht sichtbar sein. Die Polizei komme nur dann, wenn es wirklich erforderlich sei. Vorher zeige sie sich möglichst nicht mit Helm und Schild, sondern nur in normaler Uniform. Die Bundeswehr sei zudem für die Übernahme polizeilicher Funktionen nicht geschult. Ihre Präsenz sei "ein Signal der hohen Bedrohung" und trage keineswegs dazu bei, den WM-Slogan "Die Welt zu Gast bei Freunden" mit Leben zu füllen.

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