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07.02.2017

13:46 Uhr

Fan-Forscher

Krawalle in Dortmund erreichen neue Dimension

Außerhalb des BVB-Stadions gab es schwere Attacken gegen RB-Fans. Selbst vor Familien hatten die Randalierer in Dortmund nicht halt gemacht. Wird präventive Arbeit solche Angriffe in Zukunft verhindern können?

LeipzigFür Fan-Forscher Gunter A. Pilz haben die Ausschreitungen gegen Anhänger von RB Leipzig eine neue Dimension erreicht. Der renommierte Sportwissenschaftler erinnerte in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur zudem an die Verantwortung von Vereinsverantwortlichen im Vorfeld solcher Partien.

Generell werde beim BVB eine vorbildliche präventive Arbeit geleistet, betonte Pilz. „Umso ärgerlicher ist es, wenn dann unbedachte Äußerungen vor so einem Spiel vom Geschäftsführer kommen, die im Prinzip ein stückweit die eigene Präventionsarbeit konterkarieren und Wasser auf die Mühlen der Fans und deren Hass- und Gewaltbedürfnisse schüttet“, sagte er. Insofern sei es geraten, dass sich Verantwortliche verbal zurückhalten.

Der Macher von RB Leipzig: Dietrich Mateschitz, Gründer von Red Bull

Dietrich Mateschitz

Der Red-Bull-Chef und Milliardär hat die Grundlage für die rasante Entwicklung von RB Leipzig gelegt. Was ihn auszeichnet.
Quelle: sid

Herkunft

Geboren ist Mateschitz in Sankt Marein im Mürztal, einem Dorf mit knapp 2700 Einwohnern in der Steiermark. Später arbeitet er nach Schule und Studium bei Unilver, Jacobs Kaffee und Blendax - ehe er auf einer Dienstreise in Asien auf das Getränk „Krating Daeng“ (Thai für Roter Bulle) aufmerksam wird.

Auftritte

Mit öffentlichen Auftritten und Aussagen hält sich Mateschitz zurück. Er erscheint gerne in Jeans und Hemd statt im Anzug.

Verschlossen

Über den Menschen Mateschitz ist nur wenig bekannt. Journalisten berichteten von Schwierigkeiten bei den Recherchen, 2015 schrieb die FAZ, dass über Mateschitz' Heimatdorf „schon seit Jahren so etwas wie ein kollektives Schweigegelübde“ liege.

Anekdote

Ein Telefongespräch zwischen Mateschitz und Ralf Rangnick aus dem Jahr 2012. Mateschitz: „Wo sind sie gerade?“ Rangnick: „Auf meiner Terrasse in Backnang.“ Mateschitz: „Haben Sie einen Hubschrauberlandeplatz?“ Rangnick: „Daran habe ich bei der Planung meines Gartens nicht gedacht.“

Kaffeeklatsch

Mateschitz landet mit seinem Hubschrauber auf einem benachbarten Sportplatz. Beim Kaffee überzeugt der Österreicher Rangnick, bei seinem Fußballprojekt einzusteigen.

Das große Ziel

„Ein paar Jahre vergehen ja schnell, aber irgendwann wird es so sein“, sagt Mateschitz im SID-Interview 2014 über eine mögliche deutsche Meisterschaft Leipzigs. RB war damals gerade in die 2. Liga aufgestiegen. „Zweifel zählen nicht zu meinen ausgeprägten Charaktereigenschaften“, sagte er außerdem.

Geschäftsidee

Er hat die Idee, den Energydrink Red Bull auch in Europa bekannt zu machen. Zusammen mit der thailändischen Herstellerfamilie Yoovidhya gründet Mateschitz Red Bull.

Erfolgsgeschichte

2015 betrug der Gewinn von Red Bull 501 Millionen Euro, die Hälfte davon teilen sich die Familie Yoovidhya (51 Prozent) und der 72-Jährige (49 Prozent).

Vermögen

Die Schätzungen von Mateschitz' Gesamtvermögen liegen irgendwo zwischen neun und zwölf Milliarden Dollar.

Konzern

Inzwischen ist der Konzern mehr als ein Getränkehersteller. Red Bull ist auch ein Medienunternehmen. Die Grundlage dafür ist finanzstarkes Marketing, der Etat soll über einer Milliarde Euro liegen.

Sport als Hebel

Über 600 Sportler sollen bei Red Bull unter Vertrag stehen, darunter nicht nur Extremsportler wie Stratossphärenspringer Felix Baumgartner. Red Bull besitzt inzwischen ein ganzes Sportimperium inklusive Formel-1-Team.

Fußball als Krönung

„Wenn wir das nicht irgendwann einmal wollten, sollten wir den Fußball besser an den Nagel hängen“, sagte Mateschitz einst auf die Frage, ob er mittelfristig Bayern und Dortmund Konkurrenz machen wolle.

Im Stadion dabei

Im Dezember 2016 war Mateschitz beim 2:0 gegen Hertha BSC erstmals in der Saison im Stadion - und sah bei seinem vierten Besuch in Leipzig den vierten Sieg. Am 21. Dezember hat sich der „Glücksbringer“ auch zum Spiel in München angekündigt.

Bayern und Red Bull?

Bayern Präsident Uli Hoeneß will die Gespräche mit Mateschitz über den Bau einer Arena in München wieder beleben. Dort sollen Bayerns Basketballer und das Eishockey-Team von Red Bull München spielen.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte aber unter anderem im vergangenen Jahr die Stimmung gegen den aktuellen Tabellenzweiten angeheizt und betont, dass bei RB Leipzig „nichts, aber auch gar nichts historisch gewachsen“ sei: „Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen.“

Nach den Attacken auch auf Familien und Kinder beim Weg ins Stadion des BVB am vergangenen Samstag kündigte Watzke am Montag an: „Wir werden alles in unserer Kraft stehende tun, um diesen Dingen ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben.“

Es habe sich ein Hass aufgebaut gegen Vereine, die kommerziell zu stark seien oder sich in den Augen der Fans nur noch dem Kommerz verschrieben hätten, erklärte Pilz. Zunächst seien das Hoffenheim und Wolfsburg gewesen, nun Leipzig. Der 2009 erst gegründete Verein wird vom österreichischen Getränkehersteller Red Bull gesponsert. „Ich fürchte, dass hier etwas beginnt, was wir schon länger mit Sorge beobachten“, sagte Pilz.

Von

dpa

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