Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2013

16:21 Uhr

Fans designen

Wie Wolfsburg in die Image-Offensive geht

VonThomas Mersch

Mit neuem Manager und neuem Trainer will Wolfsburg zurück auf die Erfolgsspur. Für frischen Wind sorgt aber nicht nur das Personal. Der VW-Klub will die „modernste Fußball-Familie Europas“ werden – mithilfe seiner Fans.

Das richtige Heulen will gelernt sein: Mit der Baby-Kollektion des VfL Wolfsburg können sich schon sehr junge Fans zu ihrem Verein bekennen - oder die Eltern. VfL Wolfsburg PR

Das richtige Heulen will gelernt sein: Mit der Baby-Kollektion des VfL Wolfsburg können sich schon sehr junge Fans zu ihrem Verein bekennen - oder die Eltern.

WolfsburgDer VfL Wolfsburg bastelt an seinem Image und setzt dabei auch auf seine Anhänger. In einem Wettbewerb durften sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen – und selbst Fanartikel entwickeln. „Die modernste Fußball-Familie Europas“ möchte der VfL um sich scharen, sagt Klub-Geschäftsführer Thomas Röttgermann. Eine kühne Vision, zu der auch ein passendes Merchandising gehöre.

Im vergangenen Jahr startete der VW-Klub den Aufruf an die Anhängerschaft, selbst Fanartikel zu kreieren. Auch die leidvolle Erfahrung des Merchandising-Einkaufs trug zu der Entscheidung bei. Geschäftsführer Röttgermann erläutert das. Innovativ? Der Alltag ist eher das Gegenteil: Es komme ein Anbieter vorbei mit Tassen oder Gartenzwergen. Die werden dann klubkonform gefärbt und in die Regale des Fanartikelshops gepackt.

Die Wolfsburger Klubführung fragte die Fans, was sie wollen. Auf der Internetplattform Jovoto konnten sie 36 Tage lang Ideen vorstellen und von anderen bewerten lassen – auch die Aussicht auf Preisgelder von zusammen 5000 Euro lockte.

359 Vorschläge kamen so zusammen, 4241 Bewertungen wurden abgegeben, insgesamt wurden über 150.000 Klicks gezählt. Viel Zustimmung gab es unter anderem für grüne Nudeln in Form des Klublogos, für einen Pulli, der bei verschränkten Armen einen Wolfskopf zeigt sowie für grüngefärbte Ölfässer als Stehtische. Sponsor Castrol würde die Fässer sicher gerne bereitstellen, sagt Röttgermann.

Die meistverkauften Trikots der letzten fünf Jahre

Platz 10

AC Mailand

350.000 verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 9

Inter Mailand

425.000 verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 8

Juventus Turin

480.000 verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 7

FC Arsenal

800.000 verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 6

FC Liverpool

810.000 verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 5

Bayern München

880.000 verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 4

FC Chelsea

910.000 verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 3

FC Barcelona

1,15 Millionen verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 1

Real Madrid

1,4 Millionen verkaufte Trikots pro Jahr

Platz 1

Manchester United

1,4 Millionen verkaufte Trikots pro Jahr

Quelle

PR Marketing

Das fannahe Merchandising überzeugt Experten. „Die Einbindung von Fans ist gerade bei kommerziellen Aktivitäten sehr vorteilhaft“, sagt Peter Rohlmann, Chef der Sponsoringberatung PR Marketing in Rheine. Schon vor dem Wolfsburger Projekt habe es dies im Merchandising gegeben – sportartübergreifend. So hätten Fans des Eishockeyklubs Kölner Haie ein Trikot für ihr Team designen dürfen.

Das Mitmachangebot der Wolfsburger aber hebt sich davon ab. „Der Dialog mit den Fans wurde sehr geschickt und kreativ aufgenommen“, sagt Rohlmann. „Mit Hilfe einer Agentur wurde das Projekt professionell strukturiert. Es gab eine eigene Internetseite und eine Prämierung der Entwürfe.“

Merchandisingeinnahmen der 1. und 2. Bundesliga

Saison 2000/01

61,9 Millionen Euro

Saison 2001/02

76,7 Millionen Euro

Saison 2002/03

80,3 Millionen Euro

Saison 2003/04

84,2 Millionen Euro

Saison 2004/05

92,2 Millionen Euro

Saison 2005/06

104,3 Millionen Euro

Saison 2006/07

118,2 Millionen Euro

Saison 2007/08

138,7 Millionen Euro

Saison 2008/09

136,4 Millionen Euro

Saison 2009/10

148,6 Millionen Euro

Saison 2010/11

166,4 Millionen Euro

Saison 2011/12

194,4 Millionen Euro

Saison 2012/13

224 Millionen Euro

Es sei den Wolfsburgern dabei sogar zu Gute gekommen, dass ihre Fanbasis mit 10.000 Personen überschaubar ist – im Gegensatz beispielsweise zu Schalke oder den Bayern, die über 100.000 Mitglieder haben.

Die Herausforderung für die Wolfsburger ist nach Ansicht von Rohlmann nun, den Erwartungen der Fans auch gerecht zu werden. „Es kann einige geben, die ihren Vorschlag für den besten halten, aber nicht ausgewählt werden. Das kann auch schon mal für Frust sorgen.“ Zudem sei die Aufnahme neuer Artikel ins Merchandisingprogramm zunächst mit Kosten verbunden – bei unsicherer Refinanzierung. „Man muss immer abwarten, ob das am Ende auch angenommen wird.“

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

sailing

25.01.2013, 18:34 Uhr

...."ein veritables Imageproblem".... gut erkannt, es macht keinen Unterschied ob dieser Club als Wolfsburg oder als "FC Tütensuppe" aufläuft. Es gibt keinen "Markenkern" der Emotionen auslöst (weder positiv noch negativ). Eine zusammengewürfelte "Söldner"-Truppe bestehend aus Namenlosen. "Farbloses" Spieler, "Farbloser" Trainer, "Farblose" Spielkultur. Und ein Spieler, der dies zu seinem Vorteil nutzte. Der Trainer, der dort erfolgreich war sollten sie ein Denkmal bestehend aus zwei goldenen Füssen bauen, die jeder in diesem Verein zweimal täglich zu küssen hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×