Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2013

09:17 Uhr

FC Bayern München

Uli, der Unantastbare

VonAnis Micijevic

Uli Hoeneß hat angekündigt, die „Vertrauensfrage“ zu stellen – ein wichtiger Schritt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Steueraffäre. Ein Sturz des Bayern-Präsidenten ist aber dennoch unwahrscheinlich.

Uli Hoeneß während der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München auf dem Podium. dpa

Uli Hoeneß während der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München auf dem Podium.

DüsseldorfUli Hoeneß kündigte bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern an, er wolle sich nach dem Ende seines Steuerprozesses im kommenden März auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dem Urteil der Vereinsmitglieder, also die Vertrauensfrage stellen. Es ist zu erwarten, dass die Mitglieder Hoeneß auch dann treu bleiben. Das hat folgende Gründe:

In der Causa Hoeneß agiert der FC Bayern München nicht rational, sondern vielmehr sentimental. Die Verdienste eines Uli Hoeneß in den vergangenen Jahrzehnten werden sowohl von der Vereinsspitze als auch von vielen Fans regelmäßig als Grund für die Duldung der aktuellen Situation herangezogen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bekräftigte diese Einschätzung: „Uns beeinflusst das gar nicht. Das belastet Uli Hoeneß, aber wir haben von Anfang an gesagt, wer solche Verdienste hat, der verdient es, dass er in schwierigen Zeiten vom Klub und uns allen unterstützt wird.“

FC Bayern: Hoeneß will „Vertrauensfrage“ stellen

FC Bayern

Hoeneß will „Vertrauensfrage“ stellen

Uli Hoeneß wird auf der Hauptversammlung des FC Bayern als „bester Mann“ gefeiert. Der Präsident vergießt Tränen und will die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden lassen. Die Rekordzahlen geraten zur Nebensache.

Doch der FC Bayern macht einen Fehler, wenn er wie Rummenigge die Trennlinien falsch ansetzt und den Einfluss der Steueraffäre auf den Verein abstreitet: Wenn Uli Hoeneß in seiner Funktion als Aufsichtsrat im Verdacht steht, steuerrechtliche Straftaten begangen zu haben, dann muss sich das negativ auf die Bewertung seiner Eignung als Finanzaufseher auswirken, ungeachtet seiner sonstigen Leistungen. Es werde hier offenkundig mit „zweierlei Maß gemessen“, sagte Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), dem Tagesspiegel.

Denn jemand, der sich wie Hoeneß für seinen Verein – und bei vielen Gelegenheiten auch im gemeinnützigen Kontext – mit Herzblut eingesetzt hat, kann allein auf Grund dieser Tatsache keine Sonderbehandlung in strafrechtlichen Angelegenheiten für sich beanspruchen. Diese Verdienste sind von aktuellen strafrechtlichen Ermittlungen zu trennen. Wenn der Verein von einer schweren Zeit für Uli Hoeneß aus persönlicher Sicht spricht, dann ist das zu verstehen. Es ist auch zu verstehen, dass er in einer solch schweren Phase Unterstützung von Vereinsseite bekommt.

Es ist jedoch nicht zu verstehen, dass hier die persönliche und private Komponente mit der beruflichen und professionellen vermengt wird. Große börsennotierte Unternehmen wie Adidas, die Deutsche Telekom oder Volkswagen/Audi, die gleichzeitig Anteilseigner und Sponsoren des FC Bayern sind, müssen sich von eigenen Investoren und Aktionären kritische Fragen zur sauberen Unternehmensführung (Compliance) anhören, solange sie sich hinter einen mutmaßlichen Steuersünder stellen.

Kommentare (44)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

angela-wendehals

13.11.2013, 16:34 Uhr

ich finde auch, dass der Uli endlich hinter Gitter sollte. Gleich in die Nebenzelle zu den Steuerverschwendern von BER und Stuttgart.

Ist ja traurig, dass man imme rnur auf die (angeblichen) Steuerbetrüger herum hackt, aber die Stuerverschwender läßt man laufen.

Es wird Zeit, dass Erika endlich eine Volksbefragung zu lässt. Tut sie es nicht, ist sie keinen Deut besser, als der Erich oder AD, die auch immer davon geredet haben, das sie fürs Volk sprechen.

KWB

13.11.2013, 17:01 Uhr

Herr Micijevic, Sie haben die Grundlagen eines Rechtsstaates nicht verstanden - wie so viele, leider. Sie vermengen rechtliche Tatbestände mit moralischen Wertungen - das sind inkompatible Operationen, die entweder in Widersprüchen oder blosser Meinungsmache enden. Das kann man tun, aber man erwartet das nicht im HB zu lesen.

Natürlich kann man die Auffassung vertreten, dass sich Herr H. moralisch so diskreditiert hat, dass man ihm keine Vereinsfinanzen anvertrauen kann. Das ist allerdings schwer zu belegen, wenn der Verein so gut dasteht. Genauso gut kann man der Meinung sein, dass sich ein U-Bahn-Schläger moralisch so von der Gesellschaft entfernt hat, dass man ihm weder die Führung eines PKW, die Teilnahme an einer Wahl oder die Möglichkeit einer Eheschliessung gestatten kann: hier drohen Verkehrsverstösse, die Wahl radikaler Parteien und Gewalt in der Ehe.

Ihre irrigen Gedanken sind -ähnlich wie im Fall Wulff- auf die Person fixiert. Im Rechtsstaat geht es aber nicht um Personen, sondern Straftatbestände, also nicht darum H. ein guter Autofahrer, Familienvater, Liebhaber oder treuer Katholik ist, und auch nicht darum, ob er die Kasse beim FCB gut führt. Das ist das grosse Geheimnis der friedensstiftenden Wirkung eines Rechtsstaates.

Insofern wird H. Gerechtigkeit widerfahren - für alles andere sind Fans und Feinde, Verein und Öffentlichkeit zuständig - aber eben ausserhalb des Rechts. Wer wegen eines konkreten Falls das Recht ändern will kann das tun - unter rechtlichen Bedingungen. Also klagen Sie Herr Micijevic, aber verschonen Sie uns künftig mit solchen Einlassungen.

helmut-zimmermann@vr-web.de

13.11.2013, 17:06 Uhr

Wenn Uli Hoeneß ein Bischof wäre - die Mitglieder würden Bayern München reihenweise den Rücken zukehren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×